Früher trat Gernot Rumpold polternd auf, jetzt gibt er sich selbstreflektiert: „Die Strafe geht in Ordnung. Ich habe einen Fehler gemacht“

© KURIER/Gilbert Novy

Interview
08/28/2016

Gernot Rumpold: "Vom Millionär zum Tellerwäscher"

Der Ex-FPÖler wurde wegen Untreue verurteilt. Er ist pleite, reuig und kämpft um die Fußfessel.

von Ida Metzger

KURIER: Herr Rumpold, statt drei Haft wurde Ihr Urteil auf 33 Monate teilbedingt, davon elf unbedingt reduziert. Waren Sie selbst von der Milde des Richters überrascht?

Gernot Rumpold: (lacht) Ich bin nur froh, dass die Sache endlich gegessen ist. Nach fünf Jahren der Ungewissheit kann ich wieder eine Perspektive entwickeln, wann ein Resetting des Lebens möglich sein wird. Jetzt habe ich ein Jahr, um meine Strafe abzubüßen, um mit 60 wieder durchstarten zu können.

Sie haben vor Gericht das Büßerhemd übergezogen. Die Taktik hat gefruchtet...
Ich glaube nicht, dass das was beim Richter gebracht hat. Wenn man meine Causa in der Replik sieht, dann sage ich: Es war ein großer, großer Fehler. Das habe ich in den letzten fünf Jahren erkannt. Damit habe ich zwei Leben zerstört. Das von meiner geschiedenen Ehefrau und auch meines. Statt mich auf den Deal mit der Telekom einzulassen, hätte ich den Gang zum Schiedsgericht wagen sollen. Denn ich war im Recht. Die Partei schuldete mir 1,5 Millionen Euro. Es hätte aber wahrscheinlich zehn Jahre gedauert, den Fall vor dem Schiedsgericht zu klären. Deswegen habe ich damals die falsche Entscheidung getroffen.

Im ersten Prozess bekannten Sie sich noch nicht schuldig. Nach dem Ersturteil mit drei Jahren Haft wirkten Sie noch sehr uneinsichtig. Wann ist die Erkenntnis gekommen?
Ich hätte mich gleich schuldig bekennen sollen. Auch das war ein Fehler. Meine Wut nach dem Ersturteil, war nur auf die Höhe der Strafe bezogen. Denn drei Jahre Haft für zwei Rechnungen, die ich an die Telekom gestellt habe, fand ich überzogen. Drei Jahre in Haft, diese Perspektive muss man psychisch erst einmal bewältigen.

Heute würden Sie auf vollen Bruch mit Jörg Haider und der Partei gehen?
Das wäre der logische Weg gewesen. Aber damals war die FPÖ in der Regierung und ich kam an keine Ausschreibungen mehr ran, weil ich in Clinch mit ihnen war. Ich musste meine Mitarbeiter zahlen. Da habe ich den Vorschlag gemacht: Passt auf, ihr müsst mich vom schwarzen Brett nehmen, damit ich wieder an Ausschreibungen teilnehmen kann.

Die Fußfessel scheint greifbar nahe zu sein, aber Sie erfüllen die Kriterien dafür noch nicht. Wie wollen Sie es schaffen?
Das ist die größte Hürde, weil ich die Voraussetzungen noch nicht erfülle. Da ich ja im Privatkonkurs bin, wurde ich mit Ende Juli von meinem Masseverwalter gekündigt. Jetzt habe ich keinen Job, habe mich beim AMS gemeldet und habe Mindestsicherung beantragt. Ich versuche, mit Freunden ein Paket zu schnüren, damit ich einen Job bekomme. Einige wenige Freunde habe ich zum Glück noch.

Die Unterstützung von Freunden klingt ominös, als wäre noch irgendwo Geld versteckt...
Bei mit sicher nicht. Das könnte ich vor meinem Masseverwalter nicht verstecken. Mein 87-jähriger Vater unterstützt mich finanziell. Wenn ich ein Auto brauche, kann ich mir einen Skoda von einem Freund ausborgen. Und ich bekomme derzeit in Wien Unterschlupf bei Freunden. Ich darf aufgrund des Privatkonkurses nicht einmal ein eigenes Konto haben.

Welchen Job sucht das AMS?
Geschäftsführung für eine Werbeagentur (lacht). Nichts anderes habe ich in meinem Leben gemacht. Aber mit 59 und meiner Vita wird da nur eine sehr dünne Saat herausschauen.

Welche Freunde sind geblieben?
Wenn du wie ich zwischen Anklage und Urteil alles verlierst, dann ändern sich auch die Freunde. Der Freundeskreis ist ja meistens deinem Einkommen angepasst. Wenn du nichts hast, reduzieren sich die Freunde drastisch. Um mit den Worten von Niki Lauda zu sprechen: Man hat keine Freunde, sondern nur Geschäftspartner. Das habe ich auch erkannt. Jetzt bin ich arm wie eine Kirchenmaus. Jeder Asylwerber, der ins Land kommt, ist sozial gesehen auf der gleichen Stufe wie ich. Andere schaffen es von Tellerwäscher zum Millionär. Ich habe es vom Millionär zum Tellerwäscher geschafft.

Wenn Sie so gut verdienten, warum sind Sie im Konkurs?
Weil die Fixkosten hoch waren. Durch die Medienkampagne beim Eurofighter-Deal bekamen wir zwei Jahre lang keinen Auftrag. Dann hatte ich Pech bei einigen Immobilien-Deals, wo die Immobilien plötzlich nichts mehr wert waren.

Investierten Sie in Zypern?
Nein, nur in Wien.

In Wien sind die Immobilienpreise doch gestiegen?
Das war mehr ein Problem der Finanzierung. Zwischen 2006 und 2008 wurde alles in Schweizer Franken finanziert. Dann kam die Bankenkrise und plötzlich stieg der Kredit für ein Projekt von einer Million auf 1,4 Millionen Euro. Als Nächstes war mein Geld in Zypern weg, als die Laiki-Bank pleiteging. Meine Konten waren gesperrt und bis auf 100.000 Euro war alles weg.

Wie viel Vermögen haben Sie verloren?
Das sage ich nicht, denn da kommen mir heute noch die Tränen. Dann hatte ich ein Partizipationskapital bei der Volksbank, weil es 7,5 Prozent Verzinsung gab, in der Höhe von 600.000 Euro und jetzt ist es nur mehr 109.000 Euro wert. Das waren alles unglückliche Ereignisse.

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Ich hoffe, dass ich dann wieder zwei oder drei soziale Stufen höher oben bin. Zunächst wäre ich schon froh, wenn ich wieder eine Bankomatkarte und eine Kreditkarte hätte. Und vielleicht kann ich mir auch irgendwann wieder Golf leisten.

Kann man einen Privatkonkurs von drei Millionen Euro so schnell wegstecken?
Ich habe ein Verfahren gegen das Finanzamt gewonnen. Da bekomme ich 700.000 Euro zurück. Dadurch verbessert sich die Quote für den Ausgleich. Das gibt mir Hoffnung, bald wieder auf eigenen Beinen zu stehen.

Wem werden Sie am 2. Oktober bei der Bundespräsidentschaftswahl wählen?
Ich wähle Norbert Hofer. Ich kenne ihn noch von Wahlkämpfen im Burgenland. Schon damals habe ich seine verbindliche Art geschätzt.

Ist die verbindliche Art nicht eine Maske? Er selbst sagte, man wird sich noch wundern, was alles geht...
Da gibt es keine Maske. Dieser Satz wurde meiner Meinung nach überinterpretiert. Der Ruck zu Mitte- rechts in Europa ist nicht aufzuhalten, weil die Linken mit ihrer Politik versagt haben.

Die Causa Rumpold im Überblick

Gernot Rumpold (59) Jörg Haiders ehemaliger Mann fürs Grobe wurde wegen Untreue zu 33 Monaten teilbedingt verurteilt, weil er 2004 als Geschäftsführer seiner Werbeagentur von der Telekom Austria 600.000 Euro entgegengenommen hatte, die er mit offenen Forderungen an die FPÖ gegenverrechnete. Der damalige TA-Vorstand Rudolf Fischer hatte den Geldfluss auf Wunsch Jörg Haiders in die Wege geleitet. Fischer konnte sich Haiders Wunsch nicht entziehen, weil er Nachteile für die TA befürchtete.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.