Politik | Inland
27.10.2017

Gemeinsam gegen Rot-Grün: Die Wiener Türkis-Blau-Connection

ÖVP-Wien-Chef Blümel deckt bei den Koalitions- Verhandlungen die Achse zur FPÖ ab.

Die erste Verhandlungsrunde ist gelaufen – und das mit gegenseitiger Sympathie, betonten Sebastian Kurz und Heinz-Christian Strache unisono. Einer, der für den guten Draht zu den Blauen im Team Kurz sorgen soll, ist der Wiener ÖVP-Chef Gernot Blümel (36).

Seine Erfahrung aus der Zeit im Kabinett von ÖVP-Vizekanzler Michael Spindelegger, wo der Kurz-Vertraute mit den Aufgabenbereichen Ministerratskoordinierung und Regierungsarbeit betraut war, qualifizieren ihn für die Koalitionsverhandlungen in Türkis-Blau. Blümel weiß, wie man Kompromisse ausverhandelt.

"Handschlagqualität"

Es existiert aber noch ein zweites Argument. Außenminister Kurz hat selbst wenig persönliche Erfahrungen mit den Spitzen der FPÖ. Mit Herbert Kickl gab es vor den Koalitionsverhandlungen angeblich nur ein Gespräch. Auch Strache soll Kurz in den vergangenen Jahren nur drei Mal getroffen haben.

Ganz anders sieht der Politikalltag von Gernot Blümel aus. Der Wiener ÖVP-Chef kooperiert in der Bundeshauptstadt häufig mit den Blauen – überraschenderweise öfters mit der FPÖ als mit den Neos.

Sein erster Ansprechpartner ist hier FPÖ-Vizebürgermeister Johann Gudenus. "Wir haben es in Wien mit einer übermächtigen SPÖ zu tun. Da muss die Opposition zusammenarbeiten", sagt Gudenus. Das Duo in Türkis-Blau gab schon gemeinsame Pressekonferenzen gegen die geplante Änderung der Bauordnung in Wien. Detto bekämpft man im Duett die hohe Mindestsicherung. "Blümel hat Handschlagqualität", erzählt Gudenus.

Ähnlich schildert Blümel die Zusammenarbeit mit dem Wiener Freiheitlichen. "Es ist mit ihm ein schönes, professionelles Zusammenarbeiten. Wenn ich Johann Gudenus anrufe und ihm eine Pressekonferenz vorschlage, wo es Schnittmengen zwischen unseren Parteien gibt, dann sagt er in wenigen Minuten zu. "

Eine Art geistige Verbindung existiert auch zwischen Blümel und FPÖ-General Kickl. Beide haben Philosophie studiert. Aus Blümels Zeit als ÖVP-Generalsekretär kennen sich die beiden besser. Damals debattierten sie hin und wieder über Säkularismus oder Kant. "Jetzt haben wir einmal die erste Runde der Verhandlungen hinter uns. Es wird sicher noch die Gelegenheit für ein kleines Gespräch am Rande geben. Denn so viele gibt es nicht, die Philosophie studiert haben", meint selbst Blümel.