Politik | Inland
21.09.2017

"Geld allein gibt Menschen kein Selbstwertgefühl"

150 Experten trafen sich in Wien für eine Frage: Wie können Über-50-Jährige Jobs finden?

Vor ihm, hinter ihm, neben ihm: Sie sind überall, die Straßenbahnen. Alois Stöger ist umzingelt, aber das ist keine Überraschung, der Sozialminister ist in einer Remise, genauer: im Erdberger Verkehrsmuseum.Nicht der Wahlkampf oder die historischen Waggons haben den Ressortchef hierher geführt, nein, es ist ein ausnehmend ernstes Thema: die älteren Langzeitarbeitslosen.Von den 50.000 Österreichern, die älter als 50 Jahre sind und seit mindestens einem Jahr keinen Job haben, will Ressortchef Stöger die Hälfte wieder beschäftigen – seit 1. Juli läuft die "Aktion 20.000".

Doch so klar die Ansage ist, so schwierig ist ihre Umsetzung. Denn wie schafft man es, dass 20.000 Menschen einen Job finden, den sie selbst oder das AMS nicht fanden? Stöger hat deshalb an der ungewöhnlichen Location vom "Innovation in Politics"-Institut einen Kongress organisieren lassen. 150 Experten, Ministeriumsmitarbeiter und Zuhörer aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Schweden und Österreich, tauschen Ideen aus.Wie schafft ihr das mit den Älteren, welche Ideen habt ihr? Und was ist wichtig, damit Jobs langfristig bleiben? Fragen wie diese werden in und zwischen den Waggons diskutiert. "Wir haben zwei Faktoren, die in Schweden bei den Über-50-Jährigen extrem oft zu Arbeitslosigkeit führen", sagt Irene Wennemo, Staatssekretärin für Beschäftigung und Integration. "Das eine ist die Sprache: Wer nicht Schwedisch spricht, ist benachteiligt." Der andere Faktor sei eine Ausbildung.

Internet-fit

Vieles von dem, was die Experten sagen, klingt nachgerade logisch. Etwa, dass ältere Arbeitslose jedenfalls Internet-fit gemacht werden müssen. Oder, dass auf ihre Fitness geachtet werden muss – wer sich schlecht fühlt, der arbeitet schlecht. Den wohl wichtigsten Punkt erwähnt unter anderem Rania Antonopoulous, stellvertretenden Arbeits- und Sozialministerin aus Griechenland. "Das Schlüsselwort ist immer die ,Würde’." Natürlich könne man Langzeitarbeitslosen einfach Geld überweisen. "Wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass alle gewinnen, wenn man Langzeitarbeitslose Aufgaben für die Allgemeinheit erledigen lässt." Sie würden etwa Parks oder Kinderspielplätze säubern und in Stand halten. "Eine Überweisung gibt einem Menschen nicht sein Selbstwertgefühl zurück. Ein funktionierender Spielplatz, über den sich benachbarte Familien freuen, viel eher."