Die gebleichten Haare sind sein Markenzeichen: Geert Wilders zelebriert die Rolle des Polit-Rebellen.

© REUTERS/MICHAEL KOOREN

Geert Wilders
03/27/2015

Der Islamgegner mit der kugelsicheren Weste

Niederländischer Rechtspopulist Wilders spricht heute auf Einladung der FPÖ in Wien. Ein Porträt.

Die wasserstoffblonden Haare sind aus dem rundlichen Gesicht gekämmt, heben sich von der gebräunten Haut ab. Fast schon clownesk mutet Geert Wilders an. Doch sein Aussehen steht im Widerspruch zu seinen Worten. "Wollt ihr mehr oder weniger Marokkaner in den Niederlanden?", fragte er 2014 in Den Haag. "Weniger, weniger!", riefen seine Anhänger. "Das werden wir dann richten."

Kritik: "Islamophobe Stimmungsmache"

Wilders ist einer der bekanntesten Islamkritiker Europas. Heute spricht er auf Einladung der FPÖ in der Wiener Hofburg über "Europas Bedrohung durch die Islamisierung". SPÖ und Grüne haben die Veranstaltung im Vorfeld als "islamophobe Stimmungsmache" scharf kritisiert. Zwei kleinere Demonstrationen sind bei der Polizei angemeldet.

"Verliebt in Israel"

Geboren wurde Wilders 1963. Sein Vater ist Niederländer, seine Mutter Indonesierin. Als junger Mann lebte er kurz in Israel, bis heute sei er "verliebt in Israel". Seine Frau ist Ungarin. Er sei kein Rassist, betont er gerne, seine Kritik richte sich gegen den Islam.

Wilders war nicht immer ein radikaler Islamgegner. 2001 sagte er noch, es sei nicht richtig, alle Muslime in einen Topf zu werfen. Nach der Ermordung des Filmemachers Theo van Gogh durch einen islamistischen Fundamentalisten verschärfte er die Gangart. 2006 gründete er die Partei für die Freiheit (PVV), forderte einen Einwanderungsstopp für Muslime und erreichte auf Anhieb neun Sitze im Parlament.

Todesdrohungen

Durch provokante Statements verschafft er sich internationale Bekanntheit. Der Islam sei eine "faschistische Wüstenideologie", den Koran will er verbieten, statt Kopftuch sagt er "Kopflumpen". Nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo twitterte er: "Genug ist genug. Keinen Islam mehr." Für den Marokkaner-Sager hagelte es Anzeigen, er muss wegen Verhetzung vor Gericht.

Immer wieder erhält Wilders Todesdrohungen. Seit Jahren steht er unter Polizeischutz. Er schlafe jede Nacht woanders, unter den schwarzen Maßanzügen soll er eine kugelsichere Weste tragen. Auch in Wien sind die Sicherheitsvorkehrungen erhöht: Der Populist wird von mehreren Personenschützern begleitet.

System-Gegner

Die seit Jahren gebleichten Haare sind Teil einer gekonnten Inszenierung: Die Rolle des unterschätzten Clowns dürfte ihm gefallen. Er fällt auf, ideal für einen System-Gegner. Das kommt bei Politikverdrossenen durchaus an, bei der vergangenen Parlamentswahl erhielt er 10,1 Prozent der Stimmen. Damit blieb die PVV zwar unter den Erwartungen, stellt aber die drittstärkste politische Kraft. Eine Koalition mit seiner Partei bilden, das will in den Niederlanden allerdings niemand.

Kurz kritisiert Auftritt von Strache mit Wilders in der Hofburg

Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) hat Kritik an einem geplanten Auftritt von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache mit dem niederländischen Islam-Gegner Geert Wilders am Freitag in der Hofburg geübt. "Es geht darum, den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft zu festigen und nicht, sie weiter zu spalten", sagte Kurz der APA am Weg zu einer Sondersitzung des UNO-Sicherheitsrates in New York zum Thema Religionsfreiheit.

Wilders und Strache wollen an dem symbolträchtigen Ort vor einer Islamisierung Europas warnen. Kurz sagte, was nicht gegen das Strafrecht verstoße, müsse in einer Demokratie Platz haben - "ob es einem gefällt oder nicht". Der Außenminister betonte jedoch, er werde vor dem höchsten UNO-Gremium auf stärkeren Dialog des Westens mit dem Islam drängen. "Wir müssen das Zusammenleben aller Religionen auch in Europa fördern, wenn wir den Nährboden für Radikalisierung zurückdrängen und verkleinern wollen", sagte Kurz, der auch das Integrations-Ressort leitet, im Flugzeug nach New York.

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