Politik | Inland
22.03.2012

Gassauer in Erklärungsnot

Der frühere Telekom-Mitarbeiter und Kontaktmann von Rumpold konnte sich bezüglich der Telekom-Studien an fast nichts mehr erinnern.

Der frühere Telekom-Mitarbeiter und Kontaktmann des ehemaligen FPÖ- und BZÖ-Werbers Gernot Rumpold, Michael Gassauer, ist bei seiner Befragung vor dem Korruptions-U-Ausschuss in Erklärungsnot geraten. Gassauer zeigte sich einerseits überzeugt, dass Rumpold von der Telekom 600.000 Euro für Studien erhalten habe und diese auch gemacht wurden. Entsprechende Papiere ("Präkonzepte") dazu waren ihm aber nicht bekannt. Die Justiz vermutet ja, dass diese Zahlungen im Jahr 2004 eigentlich in den EU-Wahlkampf der FPÖ geflossen sind. Rumpold hat nämlich zur gleichen Zeit der FPÖ 764.000 Euro an Schulden erlassen.

   "Sicher ist, dass wir eine Leistung bestellt haben. Die Leistung wurde geliefert und dann wurde bezahlt", sagte Gassauer. Dass von diesen Studien bei der Telekom heute nur mehr Deckblätter zu finden sind, wie die Staatsanwaltschaft festgestellt hat, konnte Gassauer nicht erklären. "Zum damaligen Zeitpunkt gab es die Studien", sagte er. Als ihm aber der Grüne Peter Pilz die "Präkonzepte" von Rumpold vorlegte, konnte sich Gassauer plötzlich an fast nichts mehr erinnern; schon gar nicht an die "Präkonzepte" Rumpolds. Er schloss einen Zusammenhang zwischen der Telekom-Zahlung an Rumpold und der FPÖ allerdings aus.

   Gassauer konnte auch nicht wirklich erklären, wer diese Studien in Auftrag gegeben hat. Er glaube, "mit keinem Vorstand" darüber gesprochen zu haben. "Ich habe aber auch nicht alleine entschieden." Dass die Telekom Rumpolds Firma mediaConnection mit der Konzepterstellung beauftragt hat, aber nicht wollte, dass die mediaConnection öffentlich auftritt, begründete Gassauer mit einer bemerkenswerten Aussage: Die Dienstleistungen der Agentur seien professionell, aber ihr Image nicht so gut gewesen.

"Gorbachs Mann"

In der weiteren Befragung durch die Abgeordneten sagte  Gassauer, die vier Konzepte von Gernot Rumpold habe er im Jahr 2004 bekommen. "Ich habe sie sicher bekommen und durchgelesen. Was drin steht, kann ich mich nicht mehr erinnern." Er habe die Konzepte abgelegt, der Auftrag sei auch durch die interne Revision der Telekom geprüft worden, die nichts daran gefunden habe. Wo die Konzepte jetzt seien, wisse er aber nicht.

   Den Preis von 600.000 Euro brutto für die Konzepte sieht Gassauer nicht als übertrieben an. Bei Konzepten könne auch ein Blatt eine Milliarde wert sein, meinte er. Befragt zum Verdacht der Staatsanwaltschaft, dass parallel eine Parteienfinanzierung der FPÖ mit Telekom-Geldern via Rumpold bzw. dessen Agentur stattgefunden habe, sagte Gassauer, er habe keine Parteienfinanzierung durchgeführt. Er sei auch weder FPÖ- noch BZÖ-Mitglied.

   Nach seiner Telekom-Tätigkeit wurde Gassauer Geschäftsführer beim Postbus. Auf den Vorhalt von Medienberichten über seine Bestellung, dass er als "Gorbachs Mann" gelte, aber auch gute Kontakte zur ÖVP haben solle, blieb Gassauer dabei, er könne das nicht nachvollziehen.

   Im April 2008 hatte Gassauer sein Mandat als Geschäftsführer der ÖBB-Postbus zurückgelegt. Die damals gegen Gassauer kolportierten Vorwürfe im Zusammenhang mit einer Kreditkartenabrechnung "ergaben nach eingehender Prüfung kein Fehlverhalten des ausscheidenden Geschäftsführers", erklärten die ÖBB offiziell. Gassauer war im März vorgeworfen worden, er habe nach einer gelungenen Sitzung mit einer firmeneigenen Kreditkarte in einem Striplokal gezahlt.

   Der U-Ausschuss legt aufgrund der Osterferien bis 11. April eine Pause ein. Die Zeugen für den 11. und 12. April werden am Rande der Nationalratssitzung am 28. März beschlossen.