Frank Stronach schimpft über Österreich

Austro-Canadian businessman and billionaire Strona
Foto: Reuters/HEINZ-PETER BADER „Big Guy“ Frank Stronach, 80

In einem Interview stellt Stronach Österreich als ein über seine Verhältnisse lebendes, korruptes Land dar.

Frank Stronach hat dem kanadischen Magazin Maclean’s ein Interview gegeben und stellt dabei Österreich als ein schwer über seine Verhältnisse lebendes, korruptes Land dar, das seine Schulden in vier Generationen wird abbauen müssen.

Warum er mit 80 Jahren in die Politik geht?

„Wenn mich meine Enkel jetzt fragen, ob ich versucht habe, die Gesellschaft zu verbessern, kann ich Ja sagen. Aber das ist kein Spiel. Früher machte ich Geld, 40 oder 50 Millionen im Jahr. Und jetzt kostet mich das vielleicht 20 Millionen Euro. Und wissen Sie, wenn du die politische Arena betrittst, da fliegen viele Giftpfeile auf dich.“

Warum er ausgerechnet in Österreich kandidiert, das er vor 60 Jahren verlassen hat? „Yeah, aber ich habe die letzten 20 Jahre viel Zeit dort verbracht. Ich habe ein weltweites Unternehmen aufgebaut. So kam ich ein bisschen näher ran an die politische Szene dort. Es ist ein kleines Land und ich glaube Europa hat ein ganz, ganz großes Problem.“

Die Feststellung, dass es Verwirrung über seine Rolle innerhalb seines Teams gebe, kontert Stronach so: „Ich sage ganz klar: Ich werde gewählt werden, ich werde ein Mitglied des Parlaments. Aber ich werde nicht der Premierminister oder der Bundeskanzler, wie die es nennen. Ein Premier muss 24 Stunden am Tag für sein Volk da sein, ich habe ein bestimmtes Alter, ich habe hart gearbeitet, und ich möchte auch noch leben. Ich möchte nur ein Programm machen, eine Charta mit ein paar Grundprinzipien und helfen, Wohlstand zu erreichen.“

Dass er einer Protestpartei vorstehe, weist er von sich: „Wissen Sie, die Medien da drüben werden von einer kleinen Gruppe von Menschen kontrolliert. Die meisten Zeitungen sind mit der regierenden Partei verbunden.“ Will er in eine Koalition? „Nein. Ich glaube, wenn wir mehr Aufmerksamkeit in den Medien bekommen, haben wir mehr Erfolg in der Bevölkerung. Und beim nächsten Mal bekommen wir die Mehrheit. Österreich hatte die letzten 50 Jahre eine Koalition, und jedes Jahr machten die ein großes Defizit, und jetzt werden sie bankrott gehen. Und hoffentlich kann ich das verhindern.“

Der 6. September 1932 war ein besonderer Tag für die Familie Strohsack aus dem beschaulichen Kleinsemmering bei Weiz in der Steiermark. An diesem Tag wurde der kleine Franz geboren, der dereinst über den großen Teich ausziehen und als Milliardär zurückkehren sollte. Doch bevor aus Franz Strohsack der Milliardär Frank Stronach wurde, musste dieser erst den Grundstein für seine Karriere legen – er wurde Werkzeugmacher. Und er wanderte aus. Sein erster Stopp führte ihn in die Schweiz, genauer nach Bern, wo er ein Jahr lebte, bevor er 1954 nach Kanada auswanderte und sich in Frank Stronach umbenannte. Nach eigenen Angaben hatte er damals gerade einmal 200 Dollar in der Tasche. In einer gemieteten Garage begann er Teile für die Autoindustrie herzustellen und gründete die Firma Multimatic. Diese fusionierte 1968 mit Magna Electronics und wurde als Magna International Inc. Unter Stronachs Ägide wurde das Unternehmen zu einem der größten Automobilzulieferer Nordamerikas. Heute ist Magna International Inc. ein führender, global tätiger Zulieferer von technisch hoch entwickelten Automobilsystemen, Modulen und Komponenten mit über 20 Milliarden Dollar Umsatz und mehr als 90.000 Mitarbeitern. Wie schon eingangs erwähnt, 1986 kehrte Stronach nach Österreich zurück: Er gründete im niederösterreichischen Oberwaltersdorf die für den europäischen Markt zuständige Tochterfirma Magna Europa gegründet. Schon bald begann der Milliardär, sich auch anderweitig in Österreich zu engagieren. So wollte er etwa in Ebreichsdorf einen Vergnügungspark errichten (geplante Hauptatttraktion: eine Weltkugel mit einem Durchmesser von 200 Metern). 1999 stieg er in Nordamerika in den Pferderennsport ein, 2004 eröffnete er mit dem Magna Racino in Ebreichsdorf eine Pferderennbahn und eine abgespeckte Variante seines Vergnügungsparks. Ab 2001 investierte Stronach massiv in den österreichischen Fußball. Mithilfe seiner Finanzspritzen sollte zuerst Austria Wien die Champions League gewinnen, dann das österreichische Nationalteam Weltspitze werden. Einzig, die angepeilten Erfolge blieben – abgesehen von ein paar nationalen Titeln – aus. Daran konnte auch ein Rekordverschleiß an Trainern nicht ändern. Doch nicht nur im Sport engagiert sich Frank Stronach finanzkräftig. So finanzierte er den Bau der vier neuen Konzertsäle im Wiener Musikverein. Für seine Erfolge abseits der Fußballplätze dieser Welt ernannte die Technische Universität Graz Stronach 2004 zum Honorarprofessor, womit er die Lehrbefugnis für das Fach Praktische Unternehmungsführung erhielt. Daneben ist er Träger vieler Auszeichnungen, 2010 wurde ihm etwa das Goldene Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich verliehen. Frank Stronach ist verheiratet mit Elfriede (Geburtsname Sallmutter). Sie haben zwei gemeinsame Kinder. 1966 kam ihre Tochter Belinda (im Bild) zur Welt. Ihr Sohn Andrew wurde 1968 geboren.
(Kurier) Erstellt am
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