Rund 5000 Kinder von Asylwerbern sind ab Herbst schulpflichtig.

© Kurier/Juerg Christandl

Asyl
08/26/2015

Schul-Start mit einem Nicht genügend

5000 Flüchtlingskinder kommen in knapp zwei Wochen neu in die Schule. Es fehlen nicht nur Sprachlehrer.

von Bernhard Gaul, Johanna Hager, Maria Köpping

Wiens Stadtschulratspräsidentin ist zuversichtlich. Knapp zwei Wochen vor Schulstart stehe fest, dass "alle derzeit 6- bis 19-Jährigen, die bei um Asyl ansuchen und uns bekannt sind, individuell und adäquat in Wiens Schulen betreuen zu können", sagt Susanne Brandsteidl.

Natürliche Fluktuation

Derzeit seien 38 Schulanfänger, 281 Flüchtlingskinder zwischen 7 und 15 Jahren sowie 190 Asylwerber zwischen 16 und 19 Jahren neu gemeldet. Von Erstklässlern bis zu Schülern der International School Aleppo (Syrien) reiche der Bildungsgrad. "Wir werden diesbezüglich keine Probleme haben. Jedes Jahr haben wir zum Semesterende 20.000 Schüler mehr als zu Beginn, bedingt durch natürliche Fluktuation und ebensolchen Zuzug."

Spätes Rundscheiben

Brandsteidls Optimismus kann SPÖ-Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek nicht teilen, scheint es. Nicht anders ist das Rundschreiben, das vor zwei Tagen an alle neun Landesschulräte ergangen ist, zu erklären. Das Ministerium informiert darüber, was allen Beteiligten seit Wochen klar sein sollte: Dass alle in Österreich lebenden Kinder im schulpflichtigen Alter "das Recht und die Pflicht haben, die Schule zu besuchen". Und das unabhängig davon, ob sie um Asyl werben oder "deren aufenthaltsrechtlicher Status nicht geklärt ist".

0,7 Prozent aller Schulpflichtigen

Geht es nach blanken Zahlen, die lediglich auf Schätzungen des Bildungs- und des Innenministeriums beruhen, gilt es heuer rund 5000 Kinder und Jugendliche in Österreichs Schulen (das sind 0,7 Prozent aller schulpflichtigen Kinder) zu integrieren.

Afghanistan, Syrien und dem Irak

Rein statistisch käme damit in jede sechste Klasse ein Flüchtlingskind. Das Gros stammt aus Afghanistan, Syrien und dem Irak. Erstklässler und Teenager, in deren Heimat Krieg herrscht, die unterschiedlich traumatisiert, sozialisiert und darüber hinaus alphabetisiert sind.

"außerordentliche Schüler"

Diese Kinder, deren Muttersprache Arabisch, Farsi oder Patschu ist, werden ob ihrer fehlenden Deutsch-Kenntnisse als "außerordentliche Schüler" eingestuft. Das vorrangige Problem dabei ist nicht die Pflicht der Volks-, Haupt- und Neuen Mittelschulen, diese Schüler in Klassen zu integrieren, sondern diesen Deutsch-Unterricht zu geben: Es mangelt akut an Deutsch-Lehrern, die auch Arabisch, Kurdisch oder Persisch beherrschen.

Lehrergewerkschafter Paul Kimberger fordert deshalb, Pädagogen aus diesen Kriegsgebieten mit Sonderverträgen anzustellen, um die Flüchtlingskinder adäquat unterrichten zu können. Bisher sei das aber nicht geschehen. Im Bildungsministerium heißt es auf KURIER-Nachfrage, dass man auf Informationen aus dem BMI warte.

Psychologen fehlen

Ein akuter Mangel besteht zudem bei Psychologen, Sozialarbeitern und Therapeuten, die sich um die kriegstraumatisierten Kinder und Jugendlichen österreichweit kümmert. Das Bildungsministerium weist explizit darauf hin, dass die Schule diesen Kindern erstmals wieder einen geregelten Tagesablauf biete und sie "viel Zeit und psychische Energie brauchen".

Die Gewerkschaft fordert seit Jahren, die Schulen mit ausreichend Psychologen zu unterstützen – da war von traumatisierten Flüchtlingskindern noch keine Rede. In Landesschulräten wird bestätigt, dass Psychologen fehlen. Ein Grund sei das Geld, das Bildungsministerium ist bekanntlich pleite. "Demnächst" soll die Bildungsministerin wieder mit dem Finanzminister darüber verhandeln.

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