Einer der Verdächtigen auf dem Weg zur richterlichen Anhörung.

© APA/EPA/SANDOR UJVARI

Flüchtlingsdrama auf A4
08/29/2015

Flüchtlingsdrama auf A4: Vier Verdächtige in U-Haft

Innenministerium schickte Spezialisten nach Ungarn. Grenzkontrollen zu Ungarn werden verstärkt

von Michael Berger

Die vier in Ungarn festgenommenen Verdächtigen – ein Afghane und drei Bulgaren – wurden am Samstagnachmittag im südungarischen Kecskemet dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Ferenc Bicskei verhängte über sie die U-Haft bis zum 29. September. Das Quartett bestreitet sämtliche Anschuldigungen.

Die Anklage verwies auf die „außergewöhnliche Schwere des Verbrechens“, dem die Flüchtlinge zum Opfer gefallen, sind und warf den Männern einen „geschäftsmäßig“ organisierten Menschenhandel vor. Laut Gabor Schmidt, Sprecher der Staatsanwaltschaft, war der Lkw von der Grenze zu Serbien weiter nach Österreich gefahren.

Ob unter den Verdächtigen auch der Halter des Lkw ist, ist unklar. Während die österreichische Polizei davon ausgeht, widersprach Biscskei dieser Darstellung.

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Viele Handys gefunden

Ab Sonntag ist ein 20-köpfiges Spezialteam zur Identifizierung der 71 Toten im Einsatz. Dabei handelt es sich laut Landespolizeidirektor Hans Peter Doskozil um ein DVI-Team (Desaster Victim Identification). Die Mitglieder des Teams seien speziell für Krisensituationen oder Katastrophenfällen – etwa die Tsunami-Katastrophe 2004 – ausgebildet. Sie seien in der Lage, DNA-Material im Nachhinein – etwa nach einer Beerdigung – derart zu sichern, dass noch eine Identifizierung möglich ist.

Zudem schickte das Innenministerium Samstagfrüh ein Ermittler-Team nach Ungarn. Die Spezialisten sollen erste Abklärungen durchführen.

Zurzeit laufen die Obduktionen in Wien. Mitte bis Ende kommender Woche sollen sie abgeschlossen sein.

Die Vermutung, dass es sich bei den 71 Opfern um Syrer handelt, konnte am Samstagnachmittag nicht zweifelsfrei bestätigt werden. „Allerdings wurden viele Handys gefunden. Sie werden jetzt ausgewertet“, sagt Doskozil.

Bei der Hotline des Innenministeriums zur Tragödie auf der A4 (059 133 103 333) melden sich bereits Dutzende besorgte Asylwerber. Auch sie könnten wichtige Hinweise zur Identifizierung der Leichen geben.

Flüchtlingsandrang erwartet

Neben den Ermittlungen hat das Burgenland voraussichtlich auch bald mit einem großen Flüchtlingsandrang zu rechnen. Von 7000 Flüchtlingen, die von Mazedonien über Serbien und Ungarn nach Österreich unterwegs sein sollen, war zunächst die Rede. Bei der ersten Tranche sollen eventuell mehr als die von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner angekündigten 30 Polizisten aus Kärnten und der Steiermark dabei sein.

Auch das Bundesheer half am Samstag beim Aufbau eines großen Zeltes sowie eines Rotkreuz-Zeltes vor der Nova-Rock-Zelthalle in Nickelsdorf. Außerdem wurde eine Lkw-Halle der Autobahnmeisterei Parndorf adaptiert, um Flüchtlinge dort unterbringen zu können.

Um den Schleppern habhaft zu werden, verstärkte das Innenministerium die Kontrollen im Hinterland der Grenzregion zu Ungarn. Die bereits vorhandenen Kontrollen der Schlepperrouten würden massiv verschärft, kündigt Mikl-Leitner an.

Kinder gerettet

Zu einem Aufgriff kam es in der Nacht auf Samstag in Wien. Ein Zeuge beobachtete, wie ein Schlepper nahe dem Prater 30 Personen aus einem Kastenwagen scheuchte. Der Passant alarmierte die Polizei und gab Farbe, Fabrikat des Klein-Lkw und das ungarische Kennzeichen durch. Nach einer Verfolgungsjagd konnte der serbische Lenker gestellt werden. Die 30 Flüchtlinge sind untergetaucht.

Drei Flüchtlingskinder wurden in OÖ vor dem Verdursten gerettet. Die Polizei hatte in St. Peter am Hart einen Lkw mit 26 Flüchtlingen gestoppt. Die drei Kinder im Alter von fünf und sechs Jahren schwebten in Lebensgefahr. „Es war schon ziemlich knapp“, sagt Polizeisprecher David Furtner. Der Schlepper wurde festgenommen.

Mittlerweile konnten die drei Kinder das Krankenhaus wieder verlassen. "Sie waren medizinisch über den Berg", sagte der behandelnde Arzt am Sonntag der APA. Die Familie hatte das Spital auf eigenen Wunsch verlassen, hieß es.

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