Politik | Inland
22.02.2018

Fischer zu 1938: Schulterschluss hätte Hitler nicht gestoppt

Vor achtzig Jahren rang Österreich mit Nazi-Deutschland um seine Existenz. Heinz Fischer im KURIER über die damaligen Ereignisse und Lehren aus der Geschichte.

Ein wichtiges Bezugsdatum für das heurige Gedenkjahr ist 1938. Vor achtzig Jahren hörte Österreich zu existieren auf und wurde von der Landkarte getilgt.

Das Ringen zwischen dem Wiener Ständestaat-Regime und dem Berliner Nazi-Regime über Österreichs Existenz fand zwischen dem 12. Februar und 12. März 1938 statt und endete mit dem Einmarsch der deutschen Truppen.

Wie es zu Annexion Österreichs kam, ist im Detail erforscht – aber die Beschäftigung mit Geschichte hört dennoch nie auf. "Es wird immer wichtig sein, die Geschichte in Beziehung zur jeweiligen Gegenwart zu setzen", sagt Alt-Bundespräsident Heinz Fischer.

Fischer ist Beauftragter der Bundesregierung für das Gedenkjahr 2018. Als solcher gab er KURIER-Herausgeber Helmut Brandstätter ein ausführliches Interview zum Thema 1938, bei dem viele spannende Details zur Sprache kamen, die landläufig nicht sehr bekannt sind.

Hitler entschlossen

Zum Beispiel berichtet Fischer von Erzählungen des früheren Spitzengewerkschafters Friedrich Hillegeist, wonach es Bemühungen gab, einen österreichischen Schulterschluss von Christlichsozialen und Gewerkschaften gegen Hitler zu bilden. Das ist insofern bemerkenswert, als das christlichsoziale Regime damals ja die sozialdemokratische Partei verboten und deren Führungspersonal eingesperrt hatte. Der Schulterschluss gelang bekanntlich nicht, aber Fischer ist überzeugt, dass er ohnehin nichts gebracht hätte: "Hitler war wild entschlossen. Er wollte auf den Schatz der Nationalbank zugreifen, und er brauchte die Österreicher für sein Heer."

"-ismen" auf Distanz halten

Der Alt-Bundespräsident sucht nach Erklärungen, wie es möglich war, dass sich Hohn und Menschenverachtung über Juden ausgossen, die kurz zuvor noch die Nachbarn von nebenan waren. "Man muss sich bewusst sein, dass er Mensch ein Wesen ist, das zu unglaublich Gutem und zu unfassbar Schlechtem fähig ist." Eine Gesellschaft müsse stets danach trachten, "-ismen" wie Antisemitismus, Rassismus "auf Distanz zu halten".

Eine weitere Lehre sei: "Die Demokratie ist ein heikles Gut, das mit Vorsicht behandelt werden muss und nicht unzerstörbar ist."

Das ganze Interview mit Heinz Fischer können Sie auf Schau TV sehen: Donnerstag, 22. Februar, um 20:30, 22:30 und 00:30 Uhr Freitag, 23.Februar, um 10:30, 15:30 und 17:30 Uhr.