Politik | Inland
19.07.2017

FH-Professor: Kein Problem mit Nebenberuflern

Nachdem Grün-Politikerin Sigrid Maurer Zahlen vorgelegt hat, wonach der Anteil der externen FH-Lektoren "zu hoch" sei und die Qualität darunter leiden könnte, meldet sich ein FH-Studiengangsleiter zu Wort.

Zu hoch sei der Anteil externer Lektoren an Fachhochschulen, sagte Sigrid Maurer. Wie der KURIER berichtete, präsentierte die Wissenschaftssprecherin der Grünen vergangene Woche eine Statistik, wonach 85 Prozent des wissenschaftlichen FH-Personals nebenberuflich angestellt sind, also extern, und nur 15 Prozent hauptberuflich. Maurer erklärte zwar, dass es sinnvoll sei, dass Praktiker an den Fachhochschulen lehren, "es ist sogar erwünscht". Aber die Qualität der Lehre und Forschung sei zu hinterfragen, wenn Externe für den Großteil der Lehre verantwortlich sind.

Zu den Fachhochschulen, die einen sehr geringen Eigen-Lehr-Anteil vorweisen, zählt die Ferdinand Porsche FernFH in Wiener Neustadt. 147 Nebenberufler stehen zwölf Personen aus dem wissenschaftlichen Stammpersonal gegenüber. Martin Staudinger, Studiengangsleiter der Wirtschaftsinformatik und zugleich Kollegiumsleiter, ist einer der Fixangestellten. Als er den Artikel über den FH-Personalstand las, kontaktierte er den KURIER.

Lehre und weniger Forschung

"Man sollte Dinge genauer anschauen, bevor General-Regelungen, Standard-Lösungen und über einen Kamm gescherte gesetzliche Regelungen und Einschränkungen verlangt werden", kritisierte Staudinger die Grün-Politikerin. Denn die Qualität der Lehre könne man nicht einfach davon ableiten, ob Lehrende hauptberuflich oder nebenberuflich angestellt sind. "Es kommt vielmehr darauf an, wie eine Hochschule überhaupt die Qualität ihrer Lehre definiert, überprüft, und weiterentwickelt", sagt er.

In ihrer Satzung hat die Ferdinand Porsche FernFH die "Prinzipien guter Lehre" formuliert. Darunter werden beispielsweise "der Einsatz digitaler Medien", "Studierende auf eine sich rasch ändernde Berufswirklichkeit vorzubereiten" und "kritisches Reflektieren von Inhalten" verstanden. Das gilt allerdings nur für die Lehre und das Studium, nicht für die Forschung.

"Ängstlich reagieren oder darauf zugehen"

"Natürlich, wenn ich mehr forschen will, brauche ich mehr Forschungspersonal", sagt Staudinger. Während es aber in der Lehre Sinn mache, eine Professorin einer anderen Hochschule für eine Vorlesung "zuzukaufen" oder die Praxis- und Berufserfahrung von Personen aus der Wirtschaft in den Studiengang einfließen zu lassen, gebe es in der Forschungs dafür keine Motivation. Dass - wie von der Grünen Maurer gefordert - der Anteil des Stammpersonals gerade deshalb aufgestockt werden müsse, glaubt Staudinger nicht.

Ganz im Gegenteil. Es sei längst nicht mehr üblich, dass sich der Einsatz von Lehrenden an Anstellungsverhältnissen orientiere. Viele wollen gar keine Fixanstellung, weil sie gerne in der Privatwirtschaft arbeiten, erklärt Staudinger. Überhaupt gehen Fachhochschulen viel mehr in Richtung "Individualisierung, Flexibilisierung und Mobilität. Man kann auf die Veränderung ängstlich reagieren oder man geht auf sie zu. Wir machen ganz bestimmt letzteres."