Politik | Inland
20.06.2017

Ex-Kanzler-Tag im Hohen Haus: Warum "Gusi" der Kragen platzte

Schüssel und Gusenbauer waren von den Fragen der Abgeordneten mehr als genervt.

Der eine ist ein schwarzer, der andere ein roter Altbundeskanzler. So unterschiedlich die Parteifarben auch sind, eines eint Wolfgang Schüssel (ÖVP) und Alfred Gusenbauer (SPÖ) – nämlich der Ruf, der ihnen vorauseilt. Fragen beantworten die beiden Ex-Kanzler ebenso eloquent wie genervt und oftmals gewürzt mit einem Schuss Arroganz. Insofern standen gestern beim Eurofighter-Untersuchungsausschuss nicht nur die Jagd nach den verloren Abfangjäger-Millionen im Mittelpunkt, sondern auch das offene Match: Wer wird beim Fragemarathon seinem Image mehr gerecht?

Eines gleich vorweg: Phasenweise waren beide Ex-Kanzler vor Unmut am Platzen. In der Rolle des Agent Provocateurs schlüpfte einmal mehr Peter Pilz. Höhepunkt beim verbalen Schlagabtausch war das Bemühen des grünen Frontmannes zu klären, wer hinter dem Decknamen "Dr. Lüssel" steckt, der immer wieder in brisanten EADS-Dokumenten vorkommt, wo es im Zusammenhang mit der Londoner Briefkastenfirma City Chambers Limited, um Schmiergelder von 8,4 Millionen Euro geht. Schüssel stellte vehement in Abrede, jemals mit EADS-Lobbyisten Termine wahrgenommen zu haben.

"Kabarettreif "

Schüssel: "Das ist eine kabarettreife Verballhornung von irgendwelchen Namen. Die Gespräche wurden erfunden. So what? Das wird in der Regel von Lobbyisten so gemacht".

Der Ex-Kanzler schloss auch aus, dass es in seiner Ära Schmiergeldzahlungen an die ÖVP gegeben habe. "Für andere kann ich nicht die Hand ins Feuer legen". Ob das auch für Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser gilt, will der Neos-Abgeordnete Michael Bernhard wissen. "Grasser war parteiunabhängig." Ein Freispruch für Grasser klingt anders.

"Sie reden Unsinn"

Aber zurück zum Hickhack zwischen Schüssel und Pilz. Das grüne Urgestein ließ nicht locker, zu beweisen, dass hinter Dr. Lüssel der schwarze Ex-Kanzler steckt.

Pilz zitierte aus einem Bericht der Münchner Kriminalpolizei, wo eindeutig festgestellt wird, "Dr. W. Lüssel ist Dr. W. Schüssel". Der Ex-Kanzler: "Das beweist überhaupt nichts. Ihre Verdächtigungen und Verschwörungstheorien können Sie in den Kamin schreiben." Pilz kontert:"Um Dr. Lüssel kennenzulernen, müssen Sie sich nur in den Spiegel schauen."

Abgesehen vom Gerangel um Dr. Lüssel, war Schüssel "verwundert, wie Norbert Darabos so einen Vergleich abschließen konnte. Die Ministerratsvorlage des Vergleichs so Schüssel, war ein "Wischiwaschi-Papier." Ganz anders sah das Ex-Kanzler Gusenbauer. Er war vom Verhandlungsergebnis von Darabos "beeindruckt", das dem Land "mehrere Millionen Euro ersparte". 2007 wurde keine "Smoking Gun" gefunden, deswegen konnte man aus dem Vertrag "nicht aussteigen."

Pilz kontert: "Während Sie auf Pistolen-Suche sind, bringt ihr Verteidigungsminister gegen Airchief Generalmajor Erich Wolf eine Anzeige wegen verbotener Geschenkannahme und Amtsmissbrauches ein. Das wäre ein Grund für den Ausstieg gewesen." Gusenbauer: "Weisen Sie mir einen Schaden nach, bevor Sie hier weiter Unsinn reden. Das ist unerhört." Als dann auch noch das Team Stronach dem Ex-SPÖ-Kanzler Malversationen vorwarf, platzte "Gusi" der endgültig Kragen. "Das ist eine riesengroße Sauerei."