Jagdgeschwader 74 Eurofighter

© Böhmer

Verteidigungspolitik
07/31/2013

Eurofighter: Auf der Jagd nach den Mythen

Reportage: EADS lud zum Fakten-Check zu deutschem Geschwader, wo Jet seit 2006 stationiert ist.

von Christian Böhmer

Frank Gräfe würde gerne etwas sagen, aber das macht keinen Sinn – besser, er steckt die Finger in die Ohren.

Im olivgrünen Overall steht der Flieger-Offizier auf dem Flugfeld und beobachtet die beiden Jets, die mit laufenden Turbinen auf der Startbahn stehen. Sekunden später donnert der Erste los, dann der Zweite, und die Finger bleiben in den Ohren bis sie Höhe gewonnen haben.

Neuburg an der Donau im Herzen von Bayern ist die Heimat des Jagdgeschwaders 74. Seit 2006 wird hier der Eurofighter „Typhoon“ geflogen. Rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr müssen vier Maschinen parat stehen und nach fünfzehn Minuten in der Luft sein – so will es die NATO.

Gräfe und seine Piloten sind beim Eurofighter das, was man Auskenner nennt. Und für den Produzenten der Jets, den deutschen EADS-Konzern, ist das durchaus praktisch. Man hat österreichische Journalisten nach Deutschland eingeladen, um erst das Manchinger Werk und dann den Neuburger Fliegerhorst zu besuchen – man will endlich mit einigen hartnäckigen Mythen aufräumen. Einer geht so: Der österreichische Eurofighter ist nach den Rabatt-Verhandlungen von Ex-Minister Norbert Darabos über die Maßen „abgespeckt“, kurzum: Er ist nicht einsatztauglich.

Gräfe und seine Kameraden fliegen de facto das selbe Modell, das in Zeltweg stationiert ist. Allerdings müssen sie sich nicht um die österreichische Innenpolitik kümmern – das macht ihr Urteil doppelt wertvoll. Auf die Frage, was der Eurofighter nicht kann, lächelt Gräfe milde. Und dann erzählt er von einer Übung in Alaska: „Unsere Eurofighter haben mit den Top-Piloten und -maschinen der Amerikaner trainiert.“ Gräfe will niemanden düpieren, deshalb sagt er: „Wir waren mit den NATO-Partnern zumindest auf Augenhöhe.“

Und Österreich? „Für luftpolizeiliche Zwecke ist euer Jet perfekt. Wir sind ja auch stolz und glücklich über die Maschinen.“

Betriebskosten

Soviel zu dem, was die Jets können. Aber was ist mit der Wartung? – Immerhin hatte der Rechnungshof zuletzt die Betriebskosten kritisiert. Hier kommt Claas Belling, der Sprecher der EADS-Militärsparte „Cassidian“ ins Spiel: „Das Bundesheer hat die Betriebskosten schon jetzt um 30 Prozent reduziert“, sagt er. Seriös vergleichen könne man einzelne Länder aber ohnehin nicht. Warum? „Ein Land rechnet, vereinfacht gesagt, nur die Ersatzteile und Kerosin zu den Betriebskosten, ein anderes nimmt sogar das Essen der Soldaten mit in die Kostenkalkulation – irgendwer muss den Fliegerhorst ja bewachen.“

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