Politik | Inland
03.08.2017

Ein Viertel der unter Dreijährigen besucht Krippen

Starker Anstieg seit 2006, aber leichter Rückgang im abgelaufenen Kindergartenjahr. Spitzenreiter sind weiterhin Wien und Burgenland.

Jedes vierte Kind unter drei besucht eine Kinderkrippe oder eine andere Betreuungseinrichtung. Das geht aus der Donnerstag veröffentlichten Kindertagesheimstatistik der Statistik Austria hervor. Damit hat sich der Anteil der betreuten Kleinkinder in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Zuletzt wurde der Anstieg aber gebremst: im abgelaufenen Kindergartenjahr 2016/17 gab es sogar ein Minus.

Wie aus den von der Statistik Austria veröffentlichten Zahlen hervorgeht, haben im abgelaufenen Kindergartenjahr 65.057 Kinder unter drei eine Kinderbetreuungseinrichtung besucht. Somit wird jedes vierte Kind in dieser Altersklasse (25,4 Prozent) in einem Kindertagesheim betreut. Verglichen mit dem Stand vor zehn Jahren (10,8 Prozent) bedeutet das einen starken Anstieg um 39.339 Kinder. Allerdings wurde der Zuwachs zuletzt gebremst: im Vorjahr gab es einen leichten Rückgang von 25,5 auf 25,4 Prozent.

Weit entfernt von "Barcelona-Ziel"

Deutlich ist das Minus in Niederösterreich ausgefallen, wo 2015 noch 24,6 Prozent der unter Dreijährigen eine Kinderbetreuungseinrichtung besuchten, 2016 waren es nur mehr 22,9 Prozent. Geringere Betreuungsquoten gibt es auch im Burgenland (von 30,5 auf 30,3) und in Wien (von 45,1 auf 44,3). Im Österreichvergleich sind Wien und das Burgenland damit allerdings immer noch die Spitzenreiter. Am geringsten ist der Anteil der Kleinkinder in Kinderkrippen in der Steiermark (14,2 Prozent) und in Oberösterreich (15,4).

Vom EU-weit vereinbarten "Barcelona-Ziel", wonach ein Drittel der Kleinkinder Betreuungseinrichtungen besuchen sollten, ist Österreich damit noch weit entfernt. Zudem hätte dieses Ziel bereits 2010 erreicht werden sollen.

Beinahe flächendeckend in Anspruch genommen werden Kindergärten dagegen von den größeren Kindern: Österreichweit sind es 93,4 Prozent der Drei- bis Fünfjährigen. Spitzenreiter ist das Burgenland mit 97,7 Prozent vor Niederösterreich mit 97,2. Vor zehn Jahren haben in dieser Altersgruppe erst 84,4 Prozent einen Kindergarten oder eine Schule besucht.

Zurückzuführen ist der Anstieg nicht nur, aber auch auf das Pflichtkindergartenjahr: die Fünfjährigen besuchen zu 98,5 Prozent einen Kindergarten oder eine Schule, bei den Vierjährigen sind es auch ohne Kindergartenpflicht 96,1 Prozent, bei den Dreijährigen 85,5.

SPÖ will bessere Öffnungszeiten und Rechtsanspruch

Frauenministerin Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) sieht angesichts der aktuellen Kindertagesheimstatistik Nachholbedarf bei den Öffnungszeiten. Sie kritisiert, dass nur die Hälfte der Kindergärten bis 17 Uhr offen hält und dass mehr als ein Fünftel vor 14 Uhr schließt: "Für viele Eltern, vor allem für die Frauen bedeutet das, dass sie nicht Vollzeit arbeiten können, selbst wenn sie möchten."

Rendi-Wagner fordert daher die Fortsetzung der "Ausbauoffensive" der letzten Jahre und einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab dem ersten Geburtstag. Auch die Arbeiterkammer fordert weitere Investitionen und die Fortsetzung der 2017 auslaufenden Anstoßfinanzierung - zumal die Zahl der Kinder unter sechs seit 2010 von 474.000 auf 506.000 gestiegen sei. "Das Tempo des Ausbaus hält demnach mit der steigenden Zahl der Kinder im Vorschulalter nicht ausreichend Schritt", so die Leiterin der AK-Abteilung für Frauen und Familie, Ingrid Moritz angesichts des leichten Rückgangs der Betreuungsquote bei den unter Dreijährigen.