Norbert Hofer (FPÖ), Alexander Van der Bellen (Grüne)

© APA/HANS PUNZ

Hofburg-Wahl in elf Tagen
05/11/2016

Duell mit grünen und blauen Flecken

Lockl und Kickl: Die Wahlkampfmanager von Van der Bellen und Hofer trafen aufeinander.

von Bernhard Gaul

Während die roten Gremien einen neuen Bundeskanzler suchen, steht der Bundespräsidentschafts-Wahlkampf momentan im Schatten der SPÖ-Krise. Dabei wird in elf Tagen ein neues Staatsoberhaupt gewählt, und erstmals wird ein Blauer oder Grüner in die Hofburg einziehen.

Dienstagabend trafen auf Einladung der PR-Agentur unique-relations erstmals die Wahlstrategen der beiden Kandidaten im Wiener Ringturm aufeinander: Herbert Kickl, FPÖ-General und Wahlkampfchef für Norbert Hofer, und Lothar Lockl, ehemals Kommunikationschef der Grünen und Wahlkampfleiter von Alexander Van der Bellen.

"Bei SPÖ und ÖVP dominiert schon seit Jahren nur mehr die Angst, etwas zu verlieren, statt der Mut, etwas verändern zu wollen", befand Kickl. Weshalb er sich auch nicht vor Neuwahlen fürchte, sollte die Rochade an der Regierungsspitze scheitern. "Wir werden kommende Woche natürlich einen Neuwahlantrag einbringen, da werden wir ja sehen, wer mitstimmt."

Neuwahl-Szenario

"Da zeigt sich doch deutlich, wie wichtig diese Wahl ist", konterte Lockl. "In der FPÖ werden Neuwahlpläne gewälzt, und es kann sein, wenn jetzt erst einmal Hofer zum Bundespräsidenten gewählt wird, dass Österreich in wenigen Monaten ganz anders aussehen wird, als wir das gewohnt sind. Innerhalb weniger Monate könnte dann auch der Kanzler Strache sein, der Nationalratspräsident ein Blauer und alle wichtigen Ministerien von FPÖ-Politikern besetzt", versuchte Lockl ein aus grüner Sicht düsteres Zukunftsbild zu zeichnen. "Dieses Szenario ist realistisch. Und da ist die Frage, ob wir einen unabhängigen Kandidaten in der Hofburg haben wollen, oder jemand, der nur der verlängerte Arm von HC Strache ist." Denn das sei nicht gut für die in Österreich gewohnte Machtbalance, warnt Lockl.

Kickl fand es "seltsam", dass ausgerechnet ein Grüner ein "Angstszenario" verbreite, etwas, was man sonst immer den Freiheitlichen vorwerfen würde. "Sie haben da was falsch verstanden, Hofer hat als Nationalratspräsident längst bewiesen, dass er überparteilich und ausgleichend wirken kann."

Kickl stellte vielmehr Van der Bellens Unabhängigkeit in Abrede. "Nur weil man für ein Amt kandidiert, kann man die eigene Parteivergangenheit nicht so einfach abstreifen. Wenn die Wahlkampf-Finanzierung und das Wahlkampfteam von den Grünen kommt, ist es unglaubwürdig, sich als unabhängig zu präsentieren."

Wirtschaftsmotor

Auf welche Themen wollen die Wahlkampfmanager in den letzten Tagen noch setzen, was hat bisher gut funktioniert? "Van der Bellen ist die Arbeitslosigkeit ganz wichtig", erklärte Lockl. Ein Bundespräsident habe da eine besondere Rolle – als "Türöffner" für die Exportwirtschaft. "Fischer hat hier eine Tradition in die Wege geleitet, Van der Bellen würde das sicher intensivieren." Und es gehe um die Sprache. "Ein Bundespräsident ist kein Parteisekretär. Hofer nennt seine Mitbewerber aber ’Rattenfänger’, ’Staatsfeind’ und ’faschistischer Diktator’, nur weil sie anderer Meinung sind. Ob so jemand Österreichs Stimme im Ausland sein soll, ist mehr als fraglich."

"Ich glaube nicht, dass der österreichische Wirtschaftsmotor auf Herrn Van der Bellen gewartet hat", feixte Kickl. "Und Demokratie lebt davon, dass es konträre Meinungen gibt. Unser Problem ist eher das heimliche Mauscheln und Packeln, das Nicht-diskutieren und Nicht- bewegen."

"Wir haben eine breite Unterstützung aus der Bevölkerung", wies Lockl dann noch auf das kräftig wachsende Personenkomitee von Van der Bellen hin.

"Ich wünsche mir mehr Sensibilität für die Anliegen der Bevölkerung", konterte Kickl. "Ihr Komitee verkörpert aber das andere Ende der Gesellschaft, die Hautevolee, die Schickeria. Die würde jeden unterstützen, solange es nur gegen die FPÖ geht, um dieses System, wie es ist, erhalten zu können."

Lockl war erbost: "Sie können doch nicht 850.000 Wähler und die Menschen im Personenkomitee pauschal als Schickeria abqualifizieren. Das sind vielmehr Menschen, die sich große Sorgen um die Zukunft des Landes machen."

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