Politik | Inland
20.09.2017

Doskozil: "Balkanroute noch nicht dicht"

Der Verteidigungsminister geht davon aus, dass von 12.000 Personen, die heuer in Österreich Asyl beantragt haben, 8.000 über den Balkan gekommen sind.

Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) beklagt "neue Schlepperrouten" auf dem Balkan. "Die Balkanroute ist immer noch nicht gänzlich geschlossen", so Doskozil am Mittwoch in der deutschen Zeitung Die Welt.

Er geht davon aus, dass von 12.000 Personen, die heuer in Österreich Asyl beantragt haben, 8.000 über den Balkan gekommen sind.

Laut Doskozil kommen viele Flüchtlinge über Serbien, Bulgarien und Rumänien in Richtung Slowakei. Im August hatte die Regierung Schwerpunktkontrollen von Polizei und Bundesheer an der Grenze zur Slowakei angekündigt.

"Es ist bisher noch niemals in Österreich vorgekommen, dass Soldaten im Inland bei klassischer Polizeiarbeit assistieren. Aber das ist notwendig", sagt Doskozil dazu.

Archiv-Grafik zur Schließung der Balkanroute:

Von Jänner bis August 2017 sind indes 3254 Asylwerber und Asylberechtigte freiwillig in ihre Heimat zurück gekehrt (siehe Grafik unten). Im gesamten Jahr 2016 waren es 5918 Personen. Dagegen steigt die Zahl, jener, die während des Asylverfahrens untergetaucht sind.

Erstmals gab das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) auch Zahlen zu untergetauchten Asylwerbern bekannt: Während 2016 insgesamt 7083 Personen untergetaucht sind, waren es von Jänner bis Ende August dieses Jahres schon 4364. In eineinhalb Jahren sind somit 11.447 Asylwerber "verschwunden". Mehr dazu lesen Sie hier.

Fast dreimal mehr Ankömmlinge als 2016: Druck auf Spanien steigt

Insgesamt haben in diesem Jahr deutlich weniger Migranten die Europäische Union erreicht als 2016. Während die Zahl der Ankömmlinge im August in Italien weiter deutlich zurückging, nimmt der Druck auf Spanien zu, wie die EU-Grenzschutzagentur Frontex am Montag mitteilte.

Im August hätten Spanien zwar etwas weniger Flüchtlinge über die westliche Mittelmeerroute erreicht als in den Vormonaten. Insgesamt kamen mit rund 13.600 Migranten aber fast dreimal mehr Menschen dort an als in den ersten acht Monaten 2016. Die meisten der dort registrierten Migranten stammen aus Marokko, der Elfenbeinküste und Gambia.

Dass sich die Lage in Italien entspannte, hatte Frontex zuletzt mit stärkeren Kontrollen der libyschen Küstenwache erklärt. Demnach schrecken diese Schlepper ab, die Menschen auf Booten in Richtung Europa zu schicken. Vermehrt werden Bootsflüchtlinge aber auch bereits in den Hoheitsgewässern des Bürgerkriegslandes aufgegriffen und zurück nach Libyen gebracht. Im August erreichten die Ankunftszahlen in Italien laut Frontex mit rund 4.500 ein Jahrestief und einen Rückgang im Vergleich zum Juli um 60 Prozent.

Über die vier zentralen Migrationsrouten - zentrales, westliches und östliches Mittelmeer sowie die westliche Balkanroute mit einer geringen Zahl an Grenzübertritten - kamen rund 142.700 Menschen nach Europa, 12.200 waren es im August. Im gesamten Jahr 2016 belief sich die Zahl auf rund 390.000.