Erwin Pröll wird in Niederösterreich schwer zu ersetzen sein.

© Franz Hagl

Politik von innen
07/23/2015

Die Pröll-Nachfolge oder das Orakel von Philippi

Das Nachfolge-Karussell in Niederösterreich dreht sich um Johanna Mikl-Leitner, Stephan Pernkopf und Wolfgang Sobotka.

von Daniela Kittner

Am 22. Oktober 2015 wird Erwin Pröll sein 23. Jahresjubiläum als Landeshauptmann von Niederösterreich feiern. Wie es derzeit aussieht, wird er die "Silberne" nicht erreichen, sondern vorher in Richtung Hofburg abbiegen.

Pröll wird in Niederösterreich schwer zu ersetzen sein. 1993 begann er mit einem Wahlergebnis von 44 Prozent, den Hof wird er mit einem Stimmenanteil von 51 Prozent übergeben. Für Prölls Nachfolger stellt das bei der Landtagswahl 2018 eine kaum erreichbare Marke dar. Das weiß man in der ÖVP-Niederösterreich. Daher werden als "Einstiegslatte" für den Nachfolger jene 44 % genannt, mit denen Pröll begann.

Aber auch 44 % sind in Zeiten schwindender Stammklientel nicht leicht zu erreichen. Die Nachfolgediskussion in der ÖVP-Niederösterreich dreht sich daher um die Frage: Wer kann’s?

Traditionell stellen in Niederösterreich entweder der Bauernbund oder der Arbeitnehmerbund ÖAAB den Landeshauptmann. Beide Bünde haben Kandidaten. Historisch gesehen wäre der ÖAAB an der Reihe. Auf Andreas Maurer, Bauernbündler, folgte Siegfried Ludwig vom ÖAAB, der wiederum vom Bauernbündler Erwin Pröll abgelöst wurde.

Der ÖAAB hat zwei Kandidaten: Ministerin Johanna Mikl-Leitner und Finanzlandesrat Wolfgang Sobotka.ÖVP-intern wird Mikl-Leitner eher zugetraut, die inoffizielle Latte von 44 % zu erreichen. Allein dadurch, dass sie die erste Frau an Niederösterreichs Spitze wäre, könnte sie sich vom Schatten ihres Vorgängers lösen.

Doch der Bauernbund schläft nicht. Mit einer Sympathiekampagne forcieren die Agrarier den derzeitigen Landwirtschafts-Landesrat Stephan Pernkopf für die Pröll-Nachfolge. "Ich würde keine Wette abschließen, ob letztlich Mikl-Leitner oder Pernkopf gewinnt", sagt ein Präsidiumsmitglied der VP-Niederösterreich.

Eines ist aus der Bündelogik heraus klar: Wenn Mikl-Leitner Landeshauptfrau wird, bekommt der Bauernbund – in Person Pernkopfs – das wichtige Finanzreferat. Damit wäre Pernkopf, der um zehn Jahre jünger ist als Mikl-Leitner, auch der programmierte Kronprinz für später. Schließlich war auch Pröll seinerzeit Ludwigs "Kronprinz" im Finanzressort.

Seinen Platz räumen müsste in dem Fall der derzeitige Finanzlandesrat Sobotka. Er könnte statt Mikl-Leitner zum Innenminister aufrücken.

"Bei Philippi sehen wir uns wieder", hatte Sobotka ÖVP-Finanzminister Hans Jörg Schelling prophezeit.

Nicht unwahrscheinlich, dass sich der Orakelspruch noch heuer erfüllt.

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