Heinz-Christian Strache und Norbert Hofer bei der Maifeier der FPÖ

© EPA/CHRISTIAN BRUNA

Presseschau
05/15/2016

Der Spiegel: "Oh Österreich! Sonne, Berge, leichte Bräune!"

Das deutsche Nachrichtenmagazin macht die bevorstehenden Präsidentenwahlen zum Thema.

Das deutsche Nachrichtenmagazin Der Spiegel schreibt in seiner neuen Ausgabe über die Bundespräsidenten-Stichwahl in Österreich. Auf dem Cover ist zu lesen: "Oh Österreich! Sonne, Berge, leichte Bräune!" Der Artikel ist betitelt mit: "Fesch, freundlich, national". Unter einem Foto von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und BP-Kandidat Norbert Hofer steht: "Sanft und modern, aber knallhart rechts."

Im Folgenden ein paar Auszüge aus "Der Spiegel" (Hamburg) vom Wochenende:

"Lange glaubten die Volksparteien, die Rechten kontrollieren zu können. Ein Irrtum. In acht Tagen wird womöglich ein FPÖ-Mann zum Bundespräsidenten gewählt. Über Fehler im Umgang mit Rechtspopulisten - und was die deutsche Politik daraus lernen kann. (...) Europa schaut auf dieses kleine Land, in dem sich womöglich Unerhörtes tut, und es schaut in ein harmloses, freundliches Gesicht. Es ist das Gesicht eines 45-jährigen gelernten Flugzeugtechnikers - vierfacher Vater, in zweiter Ehe verheiratet mit einer Altenpflegerin. Ein Mann aus dem Burgenland, der in seinem Büro unter dem gerahmten Artikel 1 der Verfassung sitzt, in dem über die Republik Österreich steht: "Ihr Recht geht vom Volk aus. (...)

Wird dieses Volk am kommenden Sonntag tatsächlich einen Rechtspopulisten zu seinem obersten Repräsentanten wählen? Ist Österreich dabei, sich in die Phalanx von Ländern wie Ungarn, Polen, Finnland, der Schweiz zu fügen, in denen jetzt schon die Rechte regiert oder mitregiert? Und wenn ja, wie lange wird es dauern, bis diese neue rechte Bewegung Europa zerreißt?

Ordnet man die Glückwünsche, die den FPÖ-Kandidaten Hofer nach seinem Triumph im ersten Wahlgang erreichten, geografisch zu, so ergibt sich ein buntscheckiges Bild der neuen Nationalisten in Europa. Zuvörderst gratulierte Marine Le Pen für den französischen Front National den befreundeten Freiheitlichen, ihr schlossen sich aus Italien die Lega Nord von Matteo Salvini und Forza Italia unter Expremier Silvio Berlusconi an. Aus den Niederlanden trafen Glückwünsche des PVV-Vorsitzenden Geert Wilders ein, aus Deutschland kam Beifall von der AfD. Die Rechte organisiert sich, knüpft Kontakte, solidarisiert sich. Eine rein österreichische Frage ist diese Präsidentschaftswahl also längst nicht mehr. In ganz Europa verlieren ehemalige Volksparteien an Macht und Einfluss, in Spanien, Frankreich, in Deutschland auch, aber nirgends war das Ergebnis für sie so bitter wie jetzt bei der ersten Runde der österreichischen Bundespräsidentenwahl.

(...) Österreich ist das Land, in dem zu lange über die Vergangenheit der 'Lodenmantel des Schweigens' gebreitet wurde, wie der Autor Karl-Markus Gauß schreibt - weil zu den Gründungsmythen der Nachkriegsrepublik zählt, man sei nicht in erster Linie NS-Mittäter, sondern Opfer der Hitler-Aggression gewesen.

(...) Über Jahrzehnte hinweg haben sich die ÖVP und die SPÖ die Macht und die Posten im Land geteilt. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben sie Österreich in Großer Koalition regiert, von drei Unterbrechungen abgesehen. Sie hatten dem Aufstieg der Freiheitlichen zugeschaut und das eigene Regieren weiterhin als Selbstverständlichkeit betrachtet, erst recht, als die FPÖ sich spaltete, in Skandalen versank und schließlich mit drei Prozent Wählerstimmen in der Opposition verschwand.

(...) Der Front National in Frankreich bietet dagegen Orientierung für die österreichischen Rechtspopulisten. Marine Le Pen hat sich vom offenen Antisemitismus - verkörpert vor allem durch ihren Vater Jean Marie - verabschiedet und gibt sich nun modern, das ist der Kurs, der auch Hofers FPÖ gefällt.

(...) Ein kurzer Spaziergang führt zum Friedhof von Grinzing, wo nicht nur der Sänger Peter Alexander begraben liegt und der verstorbene Herausgeber der 'Kronenzeitung', sondern auch der Schriftsteller Thomas Bernhard (...). Thomas Bernhard ruht unter dicht und gepflegt durcheinanderwucherndem Grün, manchmal wird sein Grab von irgendwelchen Idioten geschändet, an diesem Tag ist alles unbehelligt und still. Da liegt er und weiß nicht, dass alle Welt jetzt seinen Spruch vom Punschkrapfen, einem süßen Nationalgebäck, zitiert: dass der Österreicher ein solcher sei, außen rot, innen braun und immer ein bisschen betrunken. (...)"

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