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Bildungsreform
08/05/2016

Der Bildungskompass kommt vorerst nur für die Kleinsten

Frühkind-Expertin ortet massive Probleme in der Umsetzung. Geld und Kompetenz fehlen.

Rund ein Viertel der Schüler beherrscht nach neun Jahren Schulpflicht oft nicht einmal Grundlegendes. Durch eine neue Maßnahme soll das verhindert werden: Am Donnerstag hat Familienministerin Sophie Karmasin ein Konzept für den "Bildungskompass" vorgelegt, der die Entwicklung jedes Kindes ab dem Alter von dreieinhalb Jahren dokumentieren soll. Defizite sollen von Anfang an erkannt und behoben werden. Ab Herbst 2018, so der Plan, soll der Bildungskompass bundesweit gelten.

Entwicklungsstand

Einmal im Jahr sollen die Kindergartenpädagogen ihre laufenden Beobachtungen über den Entwicklungsstand jedes Kindes einheitlich anhand eines Rasters festhalten. Bei einem Gespräch werden die Ergebnisse an die Eltern weitergegeben und pädagogische Konsequenzen besprochen. Karmasin betont, dass die Ergebnisse nicht an andere Institutionen weitergegeben werden. Die Bewertungen – sie sollen auf einer A4-Seite Platz finden – sollen zur Schuleinschreibung mitgenommen werden.

Weder Mehraufwand noch Kosten sind derzeit klar. Karmasin will ab Herbst mit den Ländern über die Umsetzung verhandeln. 2017 soll das Pilotprojekt starten, 2018 bundesweit gelten. So die Theorie.

In der Praxis hapert's

Das Konzept wurde von einer Expertengruppe bis zuletzt kontrovers diskutiert, darunter Frühkindexpertin Heidemarie Lex-Nalis. Sie ist vom vorliegenden Konzept aber wenig angetan. "Damit wir es umsetzen können, benötigen wir Pädagoginnen, die Stärken und Schwächen analysieren können – davon gibt es viel zu wenig. Zudem wären ausreichend Ressourcen notwendig, um Kinder dann auch fördern zu können", sagt sie zum KURIER.

Ursprünglich sollte der Kompass bis zum Ende der Schulpflicht den Status quo dokumentieren. Das kommt vorerst nicht, weil es Koordinierungsprobleme mit dem Bildungsressort von Sonja Hammerschmid gibt. Dort will man sich das Konzept "erst einmal anschauen."

Die Initialzündung für das Projekt gab 2012 Markus Hengstschläger: Im KURIER bemängelte der Genetiker, dass ein Viertel der Pflichtschulabgänger nicht sinnerfassend lesen könne. Er forderte einen Mutter-Kind-Pass für Bildung, der die Entwicklung dokumentiert.

Hengstschläger ist mit dem Ergebnis zufrieden. Eine Befragung habe gezeigt, dass Eltern zu 70 Prozent solch ein Instrument für gut halten. "Es zeigt, dass es möglich ist, dass die Idee eines Einzelnen einen Beitrag von praktischer Relevanz leisten kann. Das macht Mut!", sagt er zum KURIER. Er hoffe, dass das anderen Mut mache, Ideen beizusteuern – "um für die Zukunft gerüstet zu sein brauchen wir viele davon".

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