Automatische Volksbefragung "auf Eis gelegt"

Eine junge Frau gibt bei einer Wahl ihre Wahlstimm…
Foto: Gina Sanders - Fotolia/Fotolia/Gina Sanders Eine automatische Volksbefragung ist vorerst kein Thema mehr.

Die Zeit sei noch nicht reif, sagen SPÖ und ÖVP - direkte Demokratie auf Landesebene.

In Griechenland fand am Sonntag das umstrittene Referendum zu den Spar- und Reformauflagen der internationalen Geldgeber ab. Bekanntlich entschieden sich die Griechen gegen die nicht klar definierte Austeritätspolitik. In Österreich verabschieden sich SPÖ und ÖVP verabschieden hingegen von der Idee, über erfolgreiche Volksbegehren automatisch eine Volksbefragung durchzuführen. Die Zeit sei dafür noch nicht reif, hieß es am Montag bei der Präsentation der Vorschläge der Regierungsparteien für den Schlussbericht der parlamentarischen Enquetekommission. Auf Landesebene will man aber mehr direkte Demokratie ermöglichen.

Grundrechtliche Probleme nicht gelöst

Eigentlich liegt seit 2013 ein Demokratiepaket von SPÖ, ÖVP und Grünen im Parlament, der die Einführung von verpflichtenden Volksabstimmungen über Gesetze, wenn ein entsprechend erfolgreiches Volksbegehren vorangegangen ist, vorsieht. Doch in der Debatte im Rahmen der parlamentarischen Enquetekommission habe sich herausgestellt, dass viele grundrechtliche Probleme "nicht zur Gänze gelöst werden" konnten, sagte SPÖ-Verfassungssprecher Peter Wittmann am Montag bei einer Pressekonferenz. Und sein ÖVP-Gegenüber Wolfgang Gerstl ergänzte: Eine Zweidrittelmehrheit sei wegen sehr unterschiedlicher Positionen nicht machbar gewesen, daher "muss ich dieses Gesetzesvorhaben heute auf Eis legen".

Auf Landes- und Gemeindeebene aber will man weitergehende direktdemokratische Instrumente ermöglichen - für Themen, bei denen die Gesetzgebung Landessache ist. Dazu gehört unter anderem Gemeinde- und Baurecht, Raumordnung, Sozialhilfe oder Teile des Elektrizitätswesens. Man schaffe damit auf jenen Ebenen mehr Mitsprache, wo die Bevölkerung besonders involviert sei, so Gerstl. Im Gegensatz zum Bund müsse da außerdem keine Sorge haben, dass finanzstarke Kampagnen versuchen, "Gesetzestexte zu kaufen", wie es Wittman formulierte.

Rederecht für Initiatoren

Anstatt die Bürger mit einer Befragung über ein fertiges Gesetz vor vollendete Tatsachen zu stellen, will man sie viel früher in die Gesetzwerdung einbinden, ist die Linie des Konzepts von SPÖ und ÖVP. Begutachtungsverfahren etwa sollen auf öffentlichen Plattformen diskutiert, die dortigen Beiträge in Anlehnung an Facebook auch "geliked" werden können. Via "Crowdsourcing" sollen die Bürger auch eigene Ideen einbringen können, so ein weiterer Vorschlag. Initiatoren von Volksbegehren sollen ein Rederecht in Ausschüssen bzw. Plenarsitzungen erhalten, wenn ihr Volksbegehren behandelt wird. Für informierte Bürger als Voraussetzung der Partizipation sollen politische Bildung ebenso wie das - noch nicht beschlossene - Informationsfreiheitsgesetz sorgen.

Die parlamentarische Enquetekommission trifft sich im September zu ihrer letzten Sitzung, dann soll auch der Abschlussbericht vorliegen. Über den werde man nun mit den übrigen Fraktionen anhand der heute vorgelegten Vorschläge sprechen, so Wittmann und Gerstl.

(apa / jk) Erstellt am
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