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Hypo Alpe-Adria
06/01/2013

Das Who’s who im Hypo-Krimi

Wie die Kärntner Bank zum Milliardengrab wurde und wer beim Desaster die Hauptrolle spielte.

von Paul Trummer

Er will die Hypo Alpe-Adria wieder in ruhiges Fahrwasser lenken: Der Inder Sanjeev Kanoria kaufte am Freitag die Hypo Österreich – freilich zum Schnäppchenpreis von 65,5 Millionen (mehr dazu hier).

In den Monaten zuvor war die angeschlagene Bankengruppe und ihr neuer Geldbedarf zum Politikum geworden. „So kann man eine Bank nicht steuern“, klagte Hypo-Aufsichtsratschef Johannes Ditz noch am Mittwoch. Jeden Tag werde das Unternehmen „ein Stück kaputtgeredet“. Mit der Ruhe für die Bankmanager war es aber schon mit der Notverstaatlichung im Dezember 2009 vorbei: Landes- und Bundespolitik, Aufsichtsbehörden und Justiz sorgten für Unruhe. Für Diskretion-suchende Kunden wie Waffenproduzent Gaston Glock oder Milliarden-Erbin Ingrid Flick ein Albtraum – sie suchten das Weite.

Die Türen der Hypo-Bank standen Politikern immer schon weiter offen als anderswo: Kärntens Ex-Landeshauptmann Jörg Haider nutzte seine Position als oberster Eigentümervertreter gerne aus, um Prestigeprojekte finanzieren zu lassen. Laut den Grünen finanzierte die Hypo mittels Diskont-Krediten auch Haiders Wahlkampf 2004. Durch die Übernahme von Landeshaftungen über 22 Milliarden Euro organisierte Haider hingegen billiges Geld für die Hypo-Expansion.

Wichtiger Partner von Haider war der langjährige Hypo-Chef Wolfgang Kulterer. Der passionierte Reiter wechselte 1992 zur Hypo. Nach dem Zerfall Jugoslawiens erkannte er früher als andere die Chancen am Balkan, weitete das Geschäft dort massiv aus und machte die Bank zu einem regionalen Player. An leichtfertigen Kreditvergaben leidet die Bank noch heute. Nach dem Versuch, Spekulationsgeschäfte zu vertuschen, musste er 2006 wegen Bilanzfälschung abtreten. Eine dubiose Kapitalerhöhung per Vorzugsaktien samt Rückkaufgarantie brachte ihm im Mai 2012 eine Verurteilung wegen Untreue ein. Die 3,5 Jahre Haft sind nicht rechtskräftig. Weitere Klagen drohen.

Hilfreich bei der Expansion war für die Hypo ein guter Draht zum kroatischen Ex-Premier Ivo Sanader, der am Balkan Türen öffnete. 2012 wurde er zu 3,5 Jahren Haft (nicht rechtskräftig) verurteilt, weil er bei einem Hypo-Kredit für das kroatische Außenministerium 500.000 Provision kassierte.

Die Spekulationsverluste der Hypo ließen Pläne für einen Börsegang platzen. Weil die Hypo Geld für weitere Expansionen brauchte, entschied man sich für drei Kapitalerhöhungen. Damit kam der deutsche Vermögensverwalter Tilo Berlin ins Spiel, der illustre Investoren um sich scharte. Ob Anlegern wie Karl-Heinz Grasser oder Veit Sorger schon beim Investment 2006 klar war, dass die Hypo wenige Monate später verkauft werden sollte, sorgte später für Ermittlungen wegen Insidergeschäften. Im April 2013 wurde zudem ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung eingeleitet. Der im Mai 2007 besiegelte Verkauf an die BayernLB brachte der Gruppe 170 Mio. € ein.

Der Landesbank von Bayern war die Hypo 1,6 Milliarden wert. Nachdem Bank-Chef Werner Schmidt 2006 im Rennen um die Bawag den Kürzeren gezogen hatte, prüfte man die Hypo-Bücher offenbar nicht so genau. Zudem war Berlin ein Freund Schmidts, der diesen 2007 zum Hypo-Chef machte. 2011 verklagte die BayernLB die Ex-Manager auf 200 Mio. Euro Schadenersatz.

Noch jemand verdiente gut am Hypo-Deal: Steuerberater Dietrich Birnbacher. 12 Millionen Euro versprachen ihm einst Haider und Kärntens Ex-ÖVP-Chef Josef Martinz für ein Gutachten. 2012 folgte ein Prozess mit einem spektakulären Geständnis: Haider und Martinz hätten im Gegenzug Geld für ÖVP und FPK gefordert. Birnbacher fasste ein mildes Urteil aus, Martinz muss 5,5 Jahre in Haft – nicht rechtskräftig.

Der Hypo machte in der Zwischenzeit die Finanzkrise zu schaffen. In Summe kostete die Bank die BayernLB 3,7 Milliarden Euro. Hinzu kamen saftige Verluste in den USA, weshalb Bayern Ende 2008 die Landesbank mit 30 Milliarden Euro retten musste. Finanzminister Georg Fahrenschon machte daraufhin Druck Richtung Wien: Er wollte die Hypo so rasch wie möglich los werden.

Am 14. Dezember 2009 verschenkte die BayernLB die angeschlagene Hypo an Österreich. Weil das Land Kärnten mit 22 Milliarden Euro für Hypo-Anleihen haftete, musste Finanzminister Josef Pröll die Bank umgehend verstaatlichen. Eine von Kritikern geforderte Pleite lehnte er ab. Seither flossen 2,2 Milliarden Euro Steuergeld in die Hypo.

Im März 2010 startete die Aufarbeitung: Wolfgang Peschorn, Chef der Finanzprokuratur, bekam die Leitung über 100 Ermittler. Diese CSI Hypo soll Straftaten der vergangenen 15 Jahre in der Bank zur Anklage bringen. Viel Arbeit für Richter Christian Liebhauser-Karl am Landesgericht Klagenfurt: Er spricht von fünf anhängigen Hypo-Verfahren und etwa 400.000 Seiten an Akten.

Angesichts der ständigen Ermittlungen und Polit-Zurufe hat es Gottwald Kranebitter nicht leicht: Der einstige Chef des Beraters KPMG soll das Hypo-Abenteuer für die Republik beenden. Bei der Bilanz 2012 sagte er: „Wir spekulieren nicht auf Erhalt der Bank.“

Bilder: Die Protagonisten im Hypo-Krimi

Jörg Haider: Sorgte per Landeshaftung für billiges Hypo-Geld

Tilo Berlin: Sah Hypo als bombensicheres Investment

Dietrich Birnbacher: Steuerberater mit üppigem Honorar

Georg Fahrenschon: Bayerns Ex-Minister hatte genug von der Hypo

Gottwald Kranebitter: Muss als neuer Bank-Chef aufräumen

Wolfgang Kulterer: War jahrelang Chef der Pleite-Bank

Christian Liebhauser-Karl: Der Richter für alle schweren Hypo-Fälle

APA/GERT EGGENBERGERAPA8745876-2 - 25072012 - KLAGENFURT - ÖSTERREICsefJosef Martinz tritt als K#22ner ÖVP-Obmann zur#25rück. Das #22lärte er am Mittwoc. Jul2 201ch seinem Gest#2ständnis am Landesgeresgericht Klagenfurt im Stozess in der "CaBira Bir

APA/HERBERT NEUBAUERAPA2418911 - 09062010 - WIEN - OESTERREICH: ZU APA-TEXT KI - Der Präsident der Finanzprokuratur Wolfgang Peschorn während eines Info-Gespräches zur Hypo Group Alpe Adria am Mittwoch, 09. Juni 2010, in Wien. APA-FOTO: HERBERT NEUBAU

Josef Pröll: Rettete Bank vor Pleite durch Verstaatlichung

Ivo Sanader: Der kroatische Premier sitzt wegen Hypo

Werner Schmidt: Der BayernLB-Vorstand kaufte die Hypo

Hypo ist Dauerfall für Justiz

3,5 Jahre Haft für Wolfgang Kulterer, vier Jahre Haft für Günter Striedinger sowie mehrjährige Haftstrafen für einen Anwalt und einen Steuerberater: Das Urteil vom Mai 2012 wegen einer dubiosen Kapitalerhöhung überraschte nicht nur die beiden Ex-Vorstände der Hypo Bank.

Nachdem die Beklagten Berufung einlegten, ging der Fall an die nächste Instanz. „Das Verfahren wird am 2. Juli vom OGH behandelt“, erklärt Richter Christian Liebhauser-Karl vom Landesgericht Klagenfurt. Bestätigt der OGH das Urteil, werden die Haft-Strafen rechtskräftig.

Für Ex-Bankchef Wolfgang Kulterer wäre es nicht die erste Verurteilung zu einer Haftstrafe: Im Februar 2013 fasste er für die Vergabe eines unbesicherten Kredits an die angeschlagene Fluglinie Styrian Spirit bereits 2,5 Jahre Haft aus. Auch dagegen wurde berufen. Ex-Prokurist Albin R. war nicht zur Verhandlung erschienen und hatte ein ärztliches Gutachten vorgelegt. Nachdem der OGH im Februar eine Grundrechtebeschwerde von R. abwies, findet auch er sich wegen Styrian Spirit in Kürze vor Gericht: „Das Verfahren gegen Prokurist R. startet in Kürze“, sagt Liebhauser-Karl.

Bei der Durchnummerierung der Hypo-Aufarbeitung vor Gericht ist man mittlerweile bei Causa Nr. 5 angekommen. Die Vorgänge in der Bank werden das Gericht noch Jahre beschäftigen. Liebhauser-Karl spricht derzeit von 400.000 Akten. Weitere könnten folgen, denn die Staatsanwaltschaft Klagenfurt ermittelt weiter. Laut Sprecher Helmut Jamnik ermittelt man derzeit „gegen mehr als 80 Personen“.

Lesen Sie im nächsten Teil: Wo sind die Hypo-Milliarden

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