Van Staa (li.) war als Stadtchef mit Maders (re.) Wohnung konfrontiert.

© /Land Tirol/Die Fotografen

Causa Mader
08/23/2015

Wohnverhältnisse seit 20 Jahren bekannt

Gratis-Wohnrecht und Geld für Ehrenamt: Prüfbericht war bei ÖVP bereits 1997 Thema.

von Christian Willim

Es schlug ein wie eine Bombe: Vor zwei Wochen wurde bekannt, dass Tirols Alt-Landtagspräsident Helmut Mader 2009 ein Gratis-Wohnrecht bis zum Lebensende eingeräumt wurde. Und das vom gemeinnützigen Trägerverein des HTL-Schülerheims "Technikerhaus", dessen Obmann der langjährige Multifunktionär der ÖVP bis 2013 war. Die Familie Maders, der auf Kur weilte und bislang zu der Causa schwieg, rechtfertigte das Wohnrecht mit Investitionen in den Ausbau des Domizils auf 188 Quadratmeter. Außerdem habe sein Vater jahrzehntelang "den Gratis-Heimleiter" gemacht, erklärte Sohn Gerhard Mader gegenüber dem KURIER.

Wenige Tage später brachte ein ausgegrabener Kontrollamtsbericht der Stadt Innsbruck, die 1995 das subventionierte "Technikerhaus" unter die Lupe nahm, weitere brisante Details ans Licht. Für seine Obmannschaft erhielt Mader bis zu seinem Aufstieg zum Landesrat 1989 monatlich rund 1000 Euro und zahlte bis zu diesem Zeitpunkt für seine "Dienstwohnung" im Schülerheim (bis zum Ausbau war es eine kleinere) keine Miete.

Die Empörung ist groß, die ÖVP in Bedrängnis. Auch unter den eigenen Funktionären kocht der Ärger, es gibt sogar Parteiaustritte. "Es ist das Gratis-Wohnrecht", nennt VP-Geschäftsführer Martin Malaun einen der Gründe. "Und unter Ehrenamtlichkeit verstehen die Leute etwas anderes", nennt er einen weiteren Punkt, der die Gemüter in Wallung bringt. Den Kontrollamtsbericht, der beides belegt, "hat es für uns nicht bewusst gegeben", sagt Malaun.

Im Gemeinderat

Bewusst, unbewusst oder gewusst: Die Causa lag jedenfalls bereits 1997 auf dem Tisch. Da wurde der Prüfbericht dem Innsbrucker Gemeinderat vorgelegt. Der KURIER hat das Protokoll der Sitzung ausgehoben. Der Alt-Landeshauptmann und nunmehrige Landtagspräsident Herwig van Staa (ÖVP) war damals mit seiner Liste "Für Innsbruck" Bürgermeister der Stadt und meinte seinerzeit zum Prüfbericht: "In diesem Zusammenhang kann ich nur sagen, dass der Herr Präsident Mader des Tiroler Landtages eine ausführliche und überzeugende Stellungnahme abgegeben hat."

Angesprochen auf die Tatsache, dass 1997 bereits bekannt war, dass Mader bis 1989 kostenlos wohnte und eine Aufwandsentschädigung für sein Amt erhielt, meint van Staa heute: "Das hat jeder gewusst, dass das dort für den geprüften Zeitraum erfolgt ist. Es wurde damals festgestellt, dass das nicht eine Angelegenheit der Stadt ist, sondern eine zwischen den Amtsträgern des Vereins und dem Verein." Die öffentlichen Gelder seien ordnungsgemäß verwendet worden.

Schweigen im Saal

Tatsächlich meldete sich damals nur ein FPÖ-Mandatar mit kryptischer Kritik zu Wort: Er wolle nicht auf Personen eingehen, aber der Bericht zeige, dass der Verein überproportional subventioniert wurde. Ansonsten herrschte in der Sitzung Schweigen bei allen Fraktionen.

Auch die damalige grüne Kontrollausschussvorsitzende Anuschka Samsinger hielt sich zurück. "In meiner Funktion durfte ich nur den Bericht vortragen. Und im Ausschuss hatte ich keine Mehrheit", erklärt sie heute und erzählt: "Ich habe Mader damals vorgeladen. Aber er ist nicht gekommen." Durchgriffsrecht habe es keines gegeben. Aber jede Ziffer des Berichts sei eine Kritik.

Chronologie der Empörung

Aufgedeckt: Am 10. August veröffentlicht der Blogger Markus Wilhelm auf seiner Homepage dietiwag.org Recherchen zum "Technikerhaus". Die belegen, dass Alt-Landtagspräsident Helmut Mader zumindest seit 2009 ein Gratis-Wohnrecht für seine 188 Quadratmeter große Wohnung hat und wohl auch schon früher hatte. Die ÖVP spricht zunächst von einer "Sache des Herrn Mader".

Hochgekocht: FPÖ, SPÖ und Liste Fritz üben Kritik. Letztere recherchiert, dass das Land Tirol das "Technikerhaus" allein zwischen 2002 und 2011 mit 767.000 Euro subventionierte. Mader schweigt beharrlich. Am 14. August taucht ein alter Prüfbericht auf. Er belegt, dass der Alt-Politiker auch während seiner aktiven Zeit überwiegend gratis wohnte und Geld für sein "Ehrenamt" als "Technikerhaus"-Obmann erhielt.

Abgerückt: Die ÖVP geht auf Distanz. Am 15. August beschließt die Landesregierung, den Rechnungshof mit einer Prüfung zu beauftragen. Landeshauptmann Günther Platter fordert Mader mehrmals auf, sich zu erklären. Zuletzt stellt er ein Ultimatum "bis Ende nächster Woche". Mader will sich offenbar in den kommenden Tagen äußern.

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