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21.02.2018

Buwog-Prozess: "War ein uninformierter Bote"

Am 18. Verhandlungstag wurde Ex-Immofinanz-Manager Christian Thornton einvernommen. Er soll für die Abwicklung der Millionenprovision an Peter Hochegger über Scheinrechnungen verantwortlich sein - was er leugnete.

Ein Wirrwarr aus Abkürzungen, Beträgen, E-Mail-Adressen und Namen; oder ein Buchhaltungskurs für Fortgeschrittene - so lässt sich der heutige 18. Tag im Buwog-Prozess am besten beschreiben.

Auf dem Programm stand die Befragung von Ex-Immofinanz-Manager Christian Thornton, der für das Rechnungswesen im Unternehmen, und damit auch für die Provisionszahlungen an Hochegger zuständig war. Thornton ist wegen Untreue und Bestechung angeklagt. Die Gelder für Hocheggers Provision (1 Prozent des Kaufpreises der Buwog, also 9,6 bzw. 9,9 Mio. Euro) soll er über Scheinrechnungen an die zypriotische Firma Hocheggers, Astropolis, überwiesen haben.

Nichts Unrechtmäßiges im Sinne

Das stimme nicht, erklärte Thornton heute. Er habe nicht gewusst, was zwischen Petrikovics und Hochegger abgemacht war, auch kannte er den Inhalt des Vertrags zwischen den beiden nicht. "Ich war schlicht ein Bote", beteuerte er mehrmals. Er habe lediglich getan, wozu ihn Petrikovics, der innerhalb der Constantia die alleinige Entscheidungsmacht gehabt haben soll, angewiese habe. Dazu habe aber nicht gehört, dass er aus Osteuropa-Geschäften Geld für die Provision heranschaffen sollte, wie es in der Anklageschrift heißt. Dass Petrikovics etwas Unrechtmäßiges im Sinn gehabt haben könnte oder jemanden bestechen wollte, daran habe er nie gedacht und das glaube er auch heute nicht, sagte Thornton.

Weiters erklärte er, mit dem Erwerb der Buwog im Jahr 2004 rein gar nichts zu tun gehabt zu haben, denn Petrikovics habe dafür eigens eine Mitarbeiterin engagiert, die von der RZB gekommen sei.

Getrenntes Verfahren gegen Plech

Zu Beginn des heutigen Verhandlungstages kam es zu weiteren Krankmeldungen in den Rängen der Angeklagten. Neben dem bereits entschuldigten mitangeklagten Schweizer Vermögensverwalter Norbert Wicki meldete sich auch der ebenfalls angeklagte Gerald Toifl, früher Anwalt von Walter Meischberger, krank. Und auch einer der Hauptbeschuldigten, der Makler Karl Ernst Plech, ist laut seinem Anwalt erkrankt und befindet sich in einem Krankenhaus in stationärer Behandlung. Dieser Aufenthalt dürfte noch mindestens zwei Wochen dauern. Der Schöffensenat beschloss daher, das Verfahren gegen Plech getrennt zu führen.

Morgen geht der Prozess mit der Befragung von Thornton weiter.

Untenstehend finden Sie den Ticker des heutigen Verhandlungstages zum Nachlesen.

Buwog-Prozess: "War ein uninformierter Bote"

  • 15:23

    Auf Wiedersehen!

    An dieser Stelle darf ich mich für heute von Ihnen verabschieden und mich herzlich fürs Mitlesen an diesem doch eher zähen Verhandlungstag bedanken.

    Wie gewohnt finden Sie hier in Kürze eine Zusammenfassung des heutigen Prozesstages. Bis morgen und auf Wiedersehen!

  • 15:22

    Schluss für heute

    Die Richterin beendet den Verhandlungstag. Morgen um 9.30 geht es weiter.

  • 15:21

    Zum wiederholten Mal gibt Thornton nun an, dass es natürlich eine Leistung Hocheggers gegeben habe, da Petrikovics nie ein Honorar überweisen hätte lassen, wenn keine Leistung efolgt wäre.

  • 15:15

    Hohenecker geht minutiös Thorntons-Jourfixe-Notizen durch. Diese sind recht unleserlich. Thornton erklärt detailliert, was mit den Stichworten gemeint war.

  • 14:53

    Beschwerdemail

    Offenbar gab es Probleme bei der Abwicklung des Restbetrags von 3,5 Millionen Euro an Hochegger. In einer Mail an Petrikovics beschwert sich Hochegger über Thornton, da dieser für ihn nicht erreichbar sei und die Zahlung noch nicht erfolgte. "In dieser Zeit war viel los und es ist einges liegengeblieben", erklärt Thornton.

  • 14:34

    In einer anderen Mail an Thornton schreibt Hochegger, Thornton habe ihm ein Projekt angekündigt. Zu diesem wünsche er sich nun mehr Informationen. Thornton meint, er hätte auch diese Mail ausgedruckt und an Petrikovics weitergegeben. "Ich war wirklich nur ein Bote".

    Hohenecker: Wie viel haben Sie in diesem Jahr verdient?
    Thornton: Knapp mehr als 100.000 Euro netto.
    Hohenecker: Und das für das Ausdrucken und Weiterleiten einer E-Mail.

  • 14:22

    Adressenchaos

    Wir sehen eine Mail, in der Thornton Hochegger schreibt, um welches Honorar er wie ansuchen soll. Adressiert ist die Mail an eine andere Adresse, als in einem vorangegangen Mailverkehr mit Hochegger - also nicht an die Astropolis-Adresse. Warum, will Hohenecke wissen. Thornton weiß es nicht.

  • 14:09

    Der schwere Stand der Frau P.

    Es geht nun um Frau P., jene Managerin, die extra für den Buwog-Deal ins Unternehmen geholt wurde. Diese habe laut Thornton keinen leichten Stand gehabt, da ihr ihrer Meinung nach Informationen vom Konsortium vorenthalten wurden.

  • 14:03

    Einen großen Kaffee später...

    geht es weiter.

  • 13:40

    Pause

    15 Minuten zum Durchatmen.

  • 13:32

    Erst bei der viertren Rechnung an die Astropolis habe er sich erkundigt, wofür das Geld überwiesen wurde. Nicht weil es ihm komisch vorkam, sondern weil es ihm unangenehm gewesen sei, mit einem Kunden zu tun zu haben, ohne zu wissen, worum es geht, erklärt Thornton.

  • 13:30

    "Wenn mir Dr. Hochegger ein Mail geschrieben hat, hab ich es ausgedruckt und bin zu Dr. Petrikovics damit", sagt Thornton. Dieser habe immer eine Liste gehabt mit Projekten, die ohne Drittmakler abgeschlossen wurden. Aus diesen habe Petrikovics dann ausgewählt. Eine gemeinsame Willensbildung mit ihm (Thornton, Anm.) habe es nicht gegeben.

  • 13:21

  • 13:16

    Straff geführtes Unternehmen

    Wie es möglich gewesen sein kann, dass Thornton über den Inhalt des Vertrags mit Hochegger nicht informiert war, fragt Hohenecker. Thornton wiederholt: Es wäre ein straff geführtes Unternehmen gewesen. Allen sei klar gewesen, dass Petrikovics kein großer Kommunikator ist. Wenn er ihm (Thornton) mehr Informationen hätte gebe wollen, hätte er das getan.

  • 13:10

    Die mysteriöse zweite Provisionshälfte

    Wer schlussendlich der wirtschaftliche Belastete für die zweite Provisionshälfte war, kann Thornton seinem geringen Wissensstand zufolge nicht sagen. Das hänge von der Vereinbarung zwischen Immofinanz und RLB OÖ ab, erklärt er.

  • 13:09

    Richterin: "Haben Sie je gewusst, was jetzt zwischen wem vereinbart wurde?"
    Thornton: "Tatsächlich nicht."

  • 13:03

    Wie eine BWL-Vorlesung

    Die geschätzen Kollegen von der Apa haben übrigens gerade einen treffenden Vergleich gefunden: Diese Einvernahme ähnelt einer BWL-Vorlesung.

  • 13:03

    "Würden Sie das Einschreiten des Dr. Hochegger als verrechenbare Fremdleistung einschätzen, die bei den Anschaffungsnebenkosten aktiviert werden kann?", fragt Hohenecker. Thornton bejaht.

  • 12:54

    Wie verbucht man Provisionen?

    Das scheint ein hochkomplexes Thema zu sein. Während Thornton erklärt, schüttelt Petrikovics immer wieder den Kopf. Die Schöffen blicken ein wenig ratlos auf die Rechnungen, die an die Leinwand projiziert werden.

  • 12:31

    Kennenlernen vor Gericht

    Über die Preisverhandlungen im Österreich-Konsortium möchte Thornton übrigens nichts gewusst haben. Auch Starzer habe er erst im Zuge der Gerichtsverhandlung kennengelernt.