Zehn Millionen? "Irre Summe für null Leistung"

GRASSER PROZESS: STARZER
Foto: APA/APA-POOL/ROLAND SCHLAGER Georg Starzer vor Beginn des 15. Prozesstages 

Buwog-Prozess, Tag 15: Hochegger hat nur Petrikovics beraten, sagte Georg Starzer heute aus. Dass man bei dem Bieterverfahren letztlich um eine Million vorne lag, sei "reiner Zufall" gewesen.


961 Millionen Euro - und damit nur eine Million mehr als Konkurrent CA Immo - bot das sogenannte "Österreich-Konsortium" 2004 für die Buwog. Das allein war in der Vergangenheit Anlass genug für diverse Spekulationen, dass bei der Privatisierung der insgesamt 60.000 Wohnungen nicht alles ganz mit rechten Dingen zugegangen sein könnte. 

Georg Starzer, der ehemalige Vorstand der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, hielt dafür heute eine denkbar einfache Erklärung parat: Es war einfach "reiner Zufall". Er selbst habe jedenfalls bereits Bieterverfahren erlebt, die deutlich knapper ausgegangen sind, gab der 60-Jährige bei seiner erstmaligen Einvernahme im Buwog-Prozess zu Protokoll. Dass Experten auf beiden Seiten, die sich monatelang den Kopf zerbrechen, zu einem ähnlich Preis kommen, dürfte eigentlich nicht weiter verwundern. 

"Irre Summe"

Davon, dass der entscheidende Tipp, dass Konkurrent CA Immo 960 Millionen Euro bieten würde, von Peter Hochegger gekommen war, wie dies Starzers ehemaliger Geschäftspartner Karl Petrikovics zuletzt ausgesagt hatte, wollte der Ex-Banker heute nichts wissen. "Das ist reine Science Fiction", sagte Starzer. Ohnehin könne er die knapp zehn Millionen Euro Provision, die an den Lobbyisten flossen, nicht nachvollziehen. "Das ist eine irre Summe (...) Doktor Hochegger hat für uns Null geleistet."

Die RLB OÖ hätte sich auf ihre eigenen Experten verlassen, die "Tratschereien" vom Markt - die Hochegger laut Immofinanz-Chef Petrikovis besorgte - hätte man gar nicht gebraucht. 

Aussage gegen Aussage

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass die RLB OÖ - so jedenfalls Starzer heute - deshalb  auch nicht das halbe Hochegger-Honorar beim Verkauf der halben Villacher ESG an die Immofinanz einpreiste.

Auch die Sache mit dem Schloss Leopoldstein, das die RLB OÖ laut Hochegger ihm angeboten hätte, um ihren Teil der Provision zu leisten, wies Starzer als "Unsinn" und "Legende" zurück. Petrikovics habe im Nachhinein Hocheggers Provision ins Projekt hineinrechnen wollen, das habe man aber nicht gemacht, so Starzer. Auf Nachfrage der Richterin, wie er sich die dazu widersprüchlichen Aussagen von Hochegger und Petrikovics erkläre, meinte Starzer, vermutlich gehe es den beiden darum, die Regressansprüche auch auf Raiffeisen zu verteilen und damit zu halbieren.

Win Win Win

Einig war sich Starzer mit Petrikovics nur, als es um die Bewertung des ESG-Verkaufs ging. Dieser sei sowohl für die RLB als auch für die Immofinanz und den Bund ein gutes Geschäft gewesen.

Hinweis: Morgen geht die Einverahme von Georg Starzer durch Richterin Marion Hohenecker weiter. Wir tickern wie immer verlässlich ab 9.30 Uhr aus dem Großen Schwurgerichtssaal.

Hier können Sie jetzt noch den Live-Bericht des 15. Prozesstages nachlesen

  • Guten Morgen aus dem Großen Schwurgerichtssaal,

    Nach einer Woche quasi semesterferienbedingter Pause, melden wir uns heute mit der Einvernahme von Georg Starzer zurück. Der 60-Jährige war noch bis Ende August 2017 Vorstand der RLB OÖ.

    Sein Vertrag wäre eigentlich noch bis März 2018 gelaufen, wurde aber im Hinblick auf den Prozess vorzeitig aufgelöst. Nicht, weil man an seiner Integrität zweifle, ließ die Bank damals mitteilen, sondern weil Starzer zeitlich so eingebunden sein würde, dass er seiner Aufgabe in der RLB OÖ nicht mehr nachkommen könnte. 

    Seine heutige Aussage darf insofern mit Spannung erwartet werden, als dass er Karl Petrikovics wohl in essenziellen Punkten widersprechen wird. 

  • Wie er wurde...

    Richterin Hohenecker geht mit Starzer zunächst mal seine berufliche Biografie durch. Starzer war 37 Jahre in der RLB OÖ tätig, davon 29 Jahre im Vorstand.

    Laut FirmenCompass hält er übrigens noch immer drei Aufsichtsratsmandate: Er ist Aufsichtsrat bei der Linzer Wohnbaugesellschaft WAG und der EBS, die beide im Paket der im Jahr 2004 privatisierten Bundeswohnungen waren und von der RLB OÖ erworben wurden. Weiters ist er Aufsichtsrat bei der Gemeinnützigen Industrie-Wohnungsaktiengesellschaft.

  • Mit Beteiligungsbereich der Bank "nichts zu tun gehabt"

    Die habe, "im wesentlichen Scharinger aufgebaut", sagt Starzer. Scharinger war langjähriger RLB-OÖ-Chef. Im Finanzierungsgeschäft habe man die Fremdfinanzierung der Beteiligungen beigesteuert.

  • Begriffsbestimmung

    Im "Österreich-Konsortium" waren eigentlich, also rein rechtlich, fünf gleichberechtigte Partner beteiligt.

    Neben der Immofinanz gab es noch das Oberösterreich-Konsortium, das aus RLB OÖ, Hypo OÖ und Oberösterreichische Versicherung bestand und nach außen hin von Georg Starzer als Hauptansprechpartner vertreten wurde.

    "Können wir uns darauf einigen, dass wir 'die Oberösterreicher' sagen", fragt Richterin Hohenecker.

    Ja, das passt schon, meint Starzer.

  • Warum waren sie Konsortialführer beim Buwog-Kauf?

    "Wir hatten große Erfahrungen mit Akquisitionen", sagt Starzer auf Nachfrage der Richterin. 

    Warum seine Bank überhaupt Wohnungen, bzw. Beteiligungen an der Buwog kaufte, erklärt Starzer mit den erwartbaren Folgeaufträgen, die sich daraus ergeben würden. Es gehe also letztlich darum, neue Kunden zu gewinnen. Mieter, Bauträger usw. - die wollen schließlich auch eine Finanzierung. 

  • Zur Rolle von Dr. Scharinger...

    "Er war die treibende Kraft im Konzern", meint Starzer. Scharinger habe die Immo-Schiene im Konzern - gemeint ist immer die RLB OÖ - entscheidend mitaufgebaut bzw. initiiert. 

  • Und wann entstand die Idee für das Konsortium?

    Im Frühjahr 2003 sei die Idee entstanden, ein Konsortium für den Buwog-Kauf zu gründen, meint Starzer. Man habe alle möglichen Beteiligten gefragt, von 11 bis 12 Interessenten seien fünf übrig geblieben, erinnert sich der Ex-RL-OÖ-Vorstand. "Es haben uns nur die Linzer Gesellschaften interessiert." Für die Wiener Gesellschaften habe man einen anderen Investor gebraucht.

  • Ging die Initiative, die Immofinanz ins Gesamt-Konsortium von Oberösterreich aus? 

    Ganz ausschließen kann Starzer zwar nicht, dass sich die Immofinanz bei der RLB OÖ gemeldet hätte - schließlich habe man das Interesse an der Buwog auch über die Medien kund getan - wahrscheinlicher sei aber, dass Scharinger die Beteiligung eingefädelt hat. Er selbst sei daran aber nicht beteiligt gewesen, sagt Starzer. Petrikovics habe er ja auch gar nicht gekannt... 

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