Politik | Inland 12.02.2018

Zehn Millionen? "Irre Summe für null Leistung"

Georg Starzer vor Beginn des 15. Prozesstages © Bild: APA/APA-POOL/ROLAND SCHLAGER

Buwog-Prozess, Tag 15: Hochegger hat nur Petrikovics beraten, sagte Georg Starzer heute aus. Dass man bei dem Bieterverfahren letztlich um eine Million vorne lag, sei "reiner Zufall" gewesen.

961 Millionen Euro - und damit nur eine Million mehr als Konkurrent CA Immo - bot das sogenannte "Österreich-Konsortium" 2004 für die Buwog. Das allein war in der Vergangenheit Anlass genug für diverse Spekulationen, dass bei der Privatisierung der insgesamt 60.000 Wohnungen nicht alles ganz mit rechten Dingen zugegangen sein könnte.

Georg Starzer, der ehemalige Vorstand der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, hielt dafür heute eine denkbar einfache Erklärung parat: Es war einfach "reiner Zufall". Er selbst habe jedenfalls bereits Bieterverfahren erlebt, die deutlich knapper ausgegangen sind, gab der 60-Jährige bei seiner erstmaligen Einvernahme im Buwog-Prozess zu Protokoll. Dass Experten auf beiden Seiten, die sich monatelang den Kopf zerbrechen, zu einem ähnlich Preis kommen, dürfte eigentlich nicht weiter verwundern.

"Irre Summe"

Davon, dass der entscheidende Tipp, dass Konkurrent CA Immo 960 Millionen Euro bieten würde, von Peter Hochegger gekommen war, wie dies Starzers ehemaliger Geschäftspartner Karl Petrikovics zuletzt ausgesagt hatte, wollte der Ex-Banker heute nichts wissen. "Das ist reine Science Fiction", sagte Starzer. Ohnehin könne er die knapp zehn Millionen Euro Provision, die an den Lobbyisten flossen, nicht nachvollziehen. "Das ist eine irre Summe (...) Doktor Hochegger hat für uns Null geleistet."

Die RLB OÖ hätte sich auf ihre eigenen Experten verlassen, die "Tratschereien" vom Markt - die Hochegger laut Immofinanz-Chef Petrikovis besorgte - hätte man gar nicht gebraucht.

Aussage gegen Aussage

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass die RLB OÖ - so jedenfalls Starzer heute - deshalb auch nicht das halbe Hochegger-Honorar beim Verkauf der halben Villacher ESG an die Immofinanz einpreiste.

Auch die Sache mit dem Schloss Leopoldstein, das die RLB OÖ laut Hochegger ihm angeboten hätte, um ihren Teil der Provision zu leisten, wies Starzer als "Unsinn" und "Legende" zurück. Petrikovics habe im Nachhinein Hocheggers Provision ins Projekt hineinrechnen wollen, das habe man aber nicht gemacht, so Starzer. Auf Nachfrage der Richterin, wie er sich die dazu widersprüchlichen Aussagen von Hochegger und Petrikovics erkläre, meinte Starzer, vermutlich gehe es den beiden darum, die Regressansprüche auch auf Raiffeisen zu verteilen und damit zu halbieren.

Win Win Win

Einig war sich Starzer mit Petrikovics nur, als es um die Bewertung des ESG-Verkaufs ging. Dieser sei sowohl für die RLB als auch für die Immofinanz und den Bund ein gutes Geschäft gewesen.

Hinweis: Morgen geht die Einverahme von Georg Starzer durch Richterin Marion Hohenecker weiter. Wir tickern wie immer verlässlich ab 9.30 Uhr aus dem Großen Schwurgerichtssaal.

Hier können Sie jetzt noch den Live-Bericht des 15. Prozesstages nachlesen

Zehn Millionen? "Irre Summe für null Leistung"

  • 15:53 | Karl Oberascher

    Und das war's auch schon wieder. Nachdem Richterin Hohenecker Georg Starzer lieber den ganzen Nachmittag durchgehend befragte, ist für heute schon kurz vor fünf Schluss. In Kürze lesen Sie an dieser Stelle eine ausführliche Zusammenfassung des heutigen Prozesstages. 

    Morgen übernimmt Kollegin Hofer, wir wünschen noch einen schönen Abend. 

  • 15:53 | Elisabeth Hofer

    Petrikovics habe nach Beginn der Ermittlungen Erklärungsbedarf gegenüber seinem Aufsichtsrat gehabt. Intern soll er laut Starzer darum 0,5 Prozent Provision und nicht 1 Prozent kommuniziert haben, damit es so aussieht, als habe die RLB die andere Hälfte bezahlt.

  • 15:42 | Karl Oberascher

    Er hat's halt noch einmal probiert

    Richterin Hohenecker will's nicht ganz glauben. Blieb Starzer wirklich so höflich, weil er glaubte, dass er andernfalls einen künftigen Geschäftspartner vergrault? 

    "Ja."

    "Aber mach ich mich nicht irgendwann lächerlich, wenn ich da so viele E-Mails schicke?" 

    "Nein, wenn's um so viel Geld geht, macht man sich nicht lächerlich. Er hat's halt noch einmal probiert."

  • 15:35 | Karl Oberascher

    Man muss nur lästig sein? 

    Das Mail von vorhin war vom Oktober 2004, im März 2005 meldete sich Hochegger offenbar wieder via Mail, in der er auf eine "Abwicklung" drängt. Mit der Constantia habe er bereits einen Fahrplan entwickelt. Auch Petrikovics erwähnt Hochegger in dem Mail. Dieser hätte ein Treffen zu Dritt in der zweiten Aprilwoche vorgeschlagen. 

    Starzer hat auf dieses Mail dann gar nicht mehr reagiert, sagt er jetzt. 

    Ist Schillinger dann seinem Auftrag einfach nicht nachgekommen, fragt Richterin Hohenecker. 

    Nein, meint Starzer. Andere seien da sehr viel konsequenter im Nachhaken. "Schauen Sie: Man probiert's halt. Ich habe Klienten, die es monatelang immer wieder probieren", berichtet Starzer quasi aus dem österreichischen Geschäftsleben. "Ich habe Architekten, die kommen alle 14 Tage vorbei. Das ist normal."

  • 15:35 | Elisabeth Hofer

    Warum nicht per Mail?

    Schillinger sei dann von Starzer zu einem Treffen mit Hochegger nach Wien geschickt worden, um ihm zu sagen, dass es zu keiner Zusammenarbeit kommen werde. Natürlich hätte man auch einfach ein Mail schreiben können, allerdings hätte es ja sein können, dass sich durch den Termin eine Zusammenarbeit bei einem anderen Projekt ergibt, erklärt Starzer.

  • 15:25 | Elisabeth Hofer

    Wir sehen ein E-Mail von Hochegger an Starzer: Man habe bei einem Treffen vereinbart, dass beide Seiten Vorschläge entwickeln, "wie wir das Projekt abwickeln". Das Treffen wäre ein reiner Höflichkeitstermin gewesen, weil man dem "berühmten Dr. Hochegger nicht einfach absagt", sagt Starzer. Man habe Hochegger dann gesagt, dass man ihn nicht brauche.

  • 15:17 | Karl Oberascher

    Wieso gingen sie nicht ans Limit? 

    Umgekehrt heißt das: Knapp 70 Millionen hätte das Österreich-Konsortium hypothetisch noch Spiel gehabt. Und wer bremste dabei? Wer wollte nicht ans Limit gehen? "Die Immofinanz", sagt Starzer. 

  • 15:14 | Elisabeth Hofer

    Die Immofinanz hätte mehr als eine Milliarde (1,027 Mrd.) bieten können, sagt Starzer. Trotzdem ist sie mit ihrem Angebot nicht noch weiter hinauf gegangen. Das wäre ein Glücksfall gewesen, auch wenn es heute eine schlechte Optik mache.

  • 15:09 | Karl Oberascher

    Dass die Zielvorstellung des Bundes von einer Milliarde Euro in den Medien kolportiert wurde, sei letztlich "nur politische Begleitmusik" gewesen. "Wir haben uns auf unsere Rechnungen konzentriert." 

    Dass sich diese eigenen Berechnungen und Zielvorstellungen letztlich annäherten, ist dann freilich der nächste günstige Zufall. 

  • 15:05 | Karl Oberascher

    Unterschied von nur einer Million Euro?

    Dass man letztlich nur eine Million über dem Angebot der CA-Immo lag, sei "reiner Zufall", wiederholt Starzer jetzt. Mehr noch: "Es ist völlig normal." Bei solchen Bieterverfahren - und davon habe er eine Menge gemacht - liege man sogar oft noch viel enger zusammen. "Das ist eben das Ergebnis, wenn Experten das monatelang durchrechnen." 

  • 14:59 | Elisabeth Hofer

    Rückenwind

    "Haben Sie politische Querschüsse gegen das Konsortium wahrgenommen?", fragt die Richterin.
    "Nein", sagt Starzer. Er habe nur Rückenwind wahrgenommen und darum hätte man Hocheggers Beratungsleistung auch nicht gebraucht.

  • 14:56 | Elisabeth Hofer

    Das ist kurios

    "Dass wir auf einemal in einem Auftragsverhältnis mit Dr. Hochegger standen, obwohl er für uns Null geleistet hat, das ist kurios und das weise ich zurück", sagt Starzer. Zu einem Vertrag könne er nichts sagen, da er darüber nichts wisse, auch dem Unterstützungsanbot von Hochegger hätten weder er noch Scharinger eine Bedeutung zugemessen.

  • 14:51 | Karl Oberascher

    10 Millionen? Null Leistung

    "Das ist eine irre Summe, für relativ wenig Leistung." Petrikovics und Hochegger würden das mit dem Tipp mit den 960 Millionen Euro begründen. Nur davon habe er nie etwas gehört, sagt Starzer, jetzt wieder energischer als zuvor. 

    "Wenn Petrikovics das zahlen will, dann soll er das zahlen." Aber für die RLB OÖ hätte Hocheggers - vermeintliche - Beraterleistung ohnehin keine Rolle gespielt. "Doktor Hochegger hat für uns Null geleistet." 

  • 14:47 | Karl Oberascher

    Schaukeln

    "Er versuchte, die Hälfte zu uns rüberzuschauckeln", sagt Starzer. Gemeint ist Karl Petrikovics, der derjenige gewesen sei, der Hochegger beauftragt habe. Es mache einen Unterschied, ob man für die halbe oder das ganze Honorar verantwortlich sei. "Wir haben keinen Beratervertrag. Es gibt einen Vertrag und eine Zahlung", betonte Starzer. Die behauptete Zahlung über die ESG sei "Unsinn".

  • 14:43 | Karl Oberascher

    Geschäftsbesorgungsvertrag im Jahr 2004 von Hochegger
    Wir kommen wieder zu dem "Geschäftsbesorgungsvertrag" von Hochegger für PR-Dienste in der Höhe von 3,6 Millionen Euro, den Starzer ja ignoriert haben will. "Das war wie eine Postwurfsendung", wiederholt er den Sager vom Vormittag.  

  • 14:41 | Elisabeth Hofer

    Vollkommen belanglos

    Es geht um ein Telefonat zwischen Hochegger und Starzer, in dem Hochegger seine PR-Dienste angeboten haben soll. Das wäre aber vollkommen belanglos für die RBL OÖ gewesen, sagt Starzer.

  • 14:25 | Karl Oberascher

    Unterm Strich nur Gewinner

    Im Detail: Die RLB OÖ verkaufte die ESG Villach 2005 um 104 Mio. Euro an die Immofinanz weiter - und erzielte damit noch einmal rund 8 Millionen Euro Dividende. "Das war ein riesiger Erfolg", sagt Starzer dementsprechend. 

    Für einen ähnlich riesigen Erfolg hielt zuletzt aber auch Karl Petrikovics den Kauf durch die Immofinanz. Und das, obwohl die ESG ursprünglich nur mit 57 Millionen eingepreist gewesen war. 

    Aber wie wir vom Vormittag wissen, entschied sich das Österreich-Konsortium eben, aus "taktischen Gründen", die ESG Villach im Rahmen des Gesamtpakets mit den Buwog-Wohnungen eben deutlich höher zu veranschlagen.

    "Der Bund konnte also den doppelten Wert erzielen. Der hat eigentlich das beste Geschäft gemacht", sagt Starzer. Und die Immofinanz konnte die ESG zuguterletzt ja auch noch teurer weiterverkaufen.

    Wir rechnen also zusammen, ist ja kompliziert genug: Unterm Strich nur Gewinner...

  • 14:23 | Elisabeth Hofer

    Ein Schreiben des Bürgermeisters der Stadt Villach zeigt, dass ein Vertragsabschluss (zum Kaufpreis von etwa 100 Millionen) abgelehnt wurde.

  • 14:20 | Elisabeth Hofer

    Wie viel war die ESG wert?

    Die unterschiedlichen Unternehmensbewertung der ESG verwirren Hohenecker. Man habe aus taktischen Gründen die Bewertung hoch überzahlt, meint Starzer. Das habe aber mit der Causa Hochegger nichts zu tun.

  • 14:16 | Karl Oberascher

    Richterin Hohenecker lässt nicht locker. Dass der ESG-Verkauf sowohl für die Immofinanz als auch für die RLB OÖ ein "super Geschäft" war, kann ja sein. Aber: Wo war dann die Hochegger-Provision? 

    Starzer, diesmal energisch: "Die 9,6 Millionen Euro haben beim ESG-Verkauf überhaupt keine Rolle gespielt."

( kurier.at , kob ) Erstellt am 12.02.2018