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BUWOG: Die abenteuerliche Millionenshow
Wie Grasser-Freund Walter Meischberger versucht haben soll, Spuren auf den Liechtensteiner Konten zu verwischen.
Um die Causa BUWOG in ihrer gesamten Dimension erfassen zu können, lohnt sich ein Blick zurĂŒck. In die jĂŒngere Vergangenheit, September 2009, als Grasser-Freund
Walter Meischberger plötzlich kalte FĂŒĂe bekommt. Ermittler folgen bereits der Spur der Millionenprovision, die bei der Privatisierung der 60.000 Bundeswohnungen im Juni 2004 geflossen ist.
Meischberger tritt also im Herbst 2009 die Flucht nach vorne an. Er habe durch geschicktes Lobbying den Löwenanteil der Provision alleine verdient, nÀmlich 7,2 Millionen Euro, aber leider vergessen, diese Einnahmen dem Fiskus zu melden. Doch mit dieser Selbstanzeige bei der Finanz fangen Meischbergers Probleme erst so richtig an. Die 7,2 Millionen sind nÀmlich nach einer halben Weltreise auf drei Konten im diskreten Finanzplatz Liechtenstein gelandet. Die Staatsanwaltschaft geht jedenfalls heute davon aus, dass nur eines dieser drei Konten dem Lobbyismus-Tausendsassa Meischberger zuzurechnen ist. Das zweite wird von den Ermittlern Grasser-Freund Ernst Plech zugerechnet. Mit dem dritten wird, wie berichtet, Ex-Finanzminister KHG himself in Verbindung gebracht.
Verdacht
Meischberger hat ob dieses bösen Verdachtes nunmehr ErklÀrungsbedarf: Warum wurde sein Provisionsanteil von 7,2 Millionen zu gleichen Teilen auf drei verschiedene Konten aufgeteilt? Gab es drei Provisions-Profiteure? War einer davon
Plech?
Meischberger prÀsentiert den Kriminalisten in einer ersten Einvernahme eine erste Version: Plech wisse von den Konten gar nichts, alle drei gehörten ihm, Meischberger.
Meischbergers Pech: Eines dieser Liechtensteiner Konten lautet auf "Karin", was dem Namen von Plechs Ehefrau Karina schon ziemlich nahe kommt. Dummerweise brachten die Ermittler auĂerdem in Erfahrung, dass das Konto Karin von Ernst Plech persönlich eröffnet worden war. Und dass Gattin Karina und Plechs Sohn auf dem Konto ebenfalls jahrelang zeichnungsberechtigt waren. Meischberger hingegen nicht.
Mehr noch: Von diesem Geheimkonto Karin, das Plech laut Meischis Vernehmungs-Premiere gar nicht kannte, wurden von den Plechs in Summe rund zwei Millionen Euro behoben, die in Plech-Firmen flossen.
Verschleierung

Laut einem aktuellen Bericht der
Staatsanwaltschaft, der dem KURIER vorliegt, sind Meischberger und Plech verdĂ€chtig, nach Meischis Selbstanzeige nun eine groĂe Vertuschungs- und Verschleierungsaktion dieser Karin-GeldflĂŒsse inszeniert zu haben. Die Beiden treffen sich kurz nach Meischis Canossagang zur Finanz (Herbst 2009) im BĂŒro von Meischberger-Anwalt Gerald Toifl. Spannend, was Meischberger dazu in seinem Tagebuch notiert: "Am Abend dann wieder lange, groĂe Sitzung bei Geri Toifl. Es wird dabei klar, dass die Sache noch lange nicht "gegessen" sein wird. Ein Schriftsatz mit noch nachzuliefernden ErklĂ€rungen ist abzugeben, auf den die Staatsanwaltschaft noch wartet (...)" VertrĂ€ge sind zu "finden" und abzustimmen."
Dieses "finden", das Meischberger unter AnfĂŒhrungszeichen setzt, interpretiert die Staatsanwaltschaft mittlerweile im Sinne von "erfinden". Was das "abstimmen" der VertrĂ€ge betrifft, gehen die Behörden davon aus, dass Meischberger, Plech und Toifl nachtrĂ€glich Kontrakte anfertigten, um die Spuren zwischen Plech und dem Karin-Konto zu verwischen.
Das Motiv der drei Amigos laut Staatsanwaltschaft: Sollte nachgewiesen werden, dass das Karin-Konto mit dem Drittel der BUWOG-Provision Plech gehört, hÀtte der Immobilienexperte ein veritables strafrechtliches Problem - Plech war nÀmlich zum Zeitpunkt des BUWOG-Verkaufes pikanterweise deren Aufsichtsratsvorsitzender.
Konstrukt
ZurĂŒck zum konspirativen Treffen in der Kanzlei von Meischberger-Advokat Toifl, welches Meischi in seinem Tagebuch verewigte: Mit viel Fantasie soll laut Ermittlern ein kurioses Vertragskonstrukt in vier Teilen aufgesetzt worden sein. Alle vier vorgelegten VertrĂ€ge seien rĂŒckdatiert worden. Ziel der Inszenierung: Der Nachweis, wonach das Karin-Konto sehr wohl Meischberger zuzurechnen sei. Dies vermutet zumindest die Staatsanwaltschaft.
Laut dem Vertragswerk, das nachtrĂ€glich angefertigt worden sein soll, wurden die Provisionsmillionen vom Konto Karin (rund zwei Millionen) zwar von Plech behoben, jedoch einzig und allein fĂŒr Meischberger veranlagt. Zur Verdeutlichung: Wenn dem so wĂ€re, dann wĂ€re nicht Plech, sondern der ehemalige Tiroler TankstellenpĂ€chter Meischberger der wahre Immobilien-Tycoon.
Die Ermittler glauben diese Version jedoch nicht. Sie haben inzwischen Folgendes aufgedeckt: Im Herbst 2009, kurz nach Meischbergers
Selbstanzeige bei der Finanz, schickt dessen Anwalt Toifl ein Schreiben an die Liechtensteiner Bank, die das Karin-Konto verwaltet. Inhalt: Man bitte darum, einen "Fehler der Vergangenheit" zu berichtigen. Nicht Plech, der Kontoeröffner, könne ĂŒber Karin verfĂŒgen, sondern alleine Walter Meischberger. Die Bank möge diesen Umstand doch bitte schriftlich bestĂ€tigen.
Handschlag

Ein weiterer Schönheitsfehler an Meischbergers fabulöser Geschichte: Er kann den Behörden keine OriginalvertrĂ€ge der GeschĂ€fte zwischen ihm und Plech vorlegen. BegrĂŒndung: Er habe sie vernichtet.
Dazu hÀlt die Staatsanwaltschaft heute fest: "Völlig lebensfremd sind auch die Angaben des Ing. Meischberger zum Verbleib der Originale der genannten Vereinbarungen, da er im Zuge seiner dritten Beschuldigtenvernehmung erklÀrte, dass er diese vernichtet habe."
Ăbrigens: Ernst Plech rĂ€umt mittlerweile ein, dass die VertrĂ€ge nachtrĂ€glich angefertigt wurden. Allerdings wĂŒrden diese VertrĂ€ge ohnehin nur das wiedergeben, was er und Meischberger 2005 mĂŒndlich vereinbart hĂ€tten. Per Handschlag.
Wie das unter EhrenmĂ€nnern halt so ĂŒblich ist.
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