Politik | Inland
23.05.2016

Was an Straches Manipulationsvorwurf dran ist

Der FPÖ-Chef ortete am Wahlsonntag Manipulation. Es war schlicht und einfach eine andere Methodik. Panne beim BMI.

Kaum waren am Wahlsonntag die ersten (hochgerechneten) Zahlen da, warf FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache (und Peter Westenthaler) den Medien Manipulation vor.

Gegenüber dem KURIER sagte er: "Was schon interessant ist: Ich kenne die offiziellen Zahlen des Innenministeriums, und die sehen völlig anders aus, als der ORF sie präsentiert. Dort liegen wir bei 53,1 Prozent." (siehe Video). Und auch im ORF-Livestream befand er: "Seltsam, seltsam, dass das Innenministerium die Sache schon klarer sieht."

Dass sowohl im ORF als auch im KURIER (via Wahlwidget) ständig auf den Auszählungsgrad und die damit bedingte Fehlertoleranz der Hochrechnungen hingewiesen wurde, ignorierte der FPÖ-Chef gekonnt.

Unterschiedliche Methodik

Vertraute der ORF bei seinen Daten auf die Wahlforschungsinstitute SORA und ISA, konnte und kann man bei KURIER die Hochrechnungen des ARGE-Instituts analysieren. Das zentrale Wort hierbei ist "Hochrechnung". Im Unterschied dazu liefert das Bundesministerium für Inneres keine Hochrechnung, sondern die echten Zahlen. Dort wird nur gerechnet, was zum jeweiligen Zeitpunkt ausgezählt wurde.

Vor allem werden bei den Hochrechnungen auch die 700.000 Wahlkarten statistisch berücksichtigt. Bei der Auszählung des BMI nicht.

Damit hat das Ganze nichts mit Manipulation zu tun, sondern schlicht und einfach mit der Methodik – die von den Medien transparent angegeben wurden. Weder die eine noch die andere Methode ist falsch, sie sind nur unterschiedlich. Am Montagabend werden das BMI, der ORF und natürlich auch der KURIER die gleichen Zahlen haben – ohne Hochrechnung und statistischer Fehlertoleranz, dafür mit den ausgezählten Wahlkarten.

Panne beim BMI

Eine kleine Panne gab es aber tatsächlich beim BMI. Am Abend fand sich auf der Website des Ministeriums das Ergebnis der Briefwahl (siehe Screenshot). Laut Innenministerium handelte es sich um technische Probleme, irrtümlich wurden Testdaten veröffentlicht.

Dass es sich nicht um ein reales Ergebnis handeln konnte, war freilich leicht zu erkennen: Denn es wies insgesamt nur rund 545.000 gültige Stimmen aus. Schon das vorläufige Österreich-Ergebnis ohne Briefwahl enthielt 3.731.720 gültige Stimmen.

Skurril: Bleistift-Gate

Während sich der FPÖ-Chef über die unterschiedlichen Zahlen aufregte, hatten einige seiner Wähler eigenwillige bis skurrile Theorien, wie die Wahl manipuliert wurde. Per Zauberbleistift nämlich.