Lopatka, Baumgartner, Grasser: Wer Hofer unterstützt

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Foto: REUTERS/LEONHARD FOEGER Norbert Hofer beruft sich auf Unterstützung aus der Bevölkerung

Die Liste an Hofer-Unterstützern aus konkurrierenden politischen Lagern und anderen Gesellschaftsbereichen ist nicht besonders lang. Sie zählt aber auch nicht zu seinen Prioritäten.

"Meine Unterstützer sind die Menschen, die hinter mir stehen" Wenn FPÖ-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer auf prominente Fürsprecher aus Politik, Wirtschaft und Kultur angesprochen wird, verweist er gern auf die Unterstützung in der Gesamtbevölkerung. Bei der ersten Stichwahl am 22. Mai lag Alexander Van der Bellen auch in dieser Gesamtwertung vorne, wenn auch knapp - mit einem Überhang von nur rund 30.000 Stimmen.

Will Hofer dieses Ergebnis bei der Wiederholung der Stichwahl am 4. Dezember drehen, wird es notwendig sein, verstärkt Wähler aus dem bürgerlichen Spektrum zu gewinnen. Denn die rund neun Prozent, die sich als unentschlossen deklarieren, sind hauptsächlich der ÖVP- oder Neos-Wählerschaft zuzurechnen, sagt Meinungsforscher Peter Hajek.

Bürgerliche Stimmen im Wahlkampf

Es ist nicht verwunderlich, dass sich das Team um Van der Bellen den ÖVP-Europaabgeordneten Othmar Karas als Hauptredner beim Wahlkampfauftakt entschied. Auch wenn es keine offizielle Wahlempfehlung gibt, so schlagen sich doch einige schwarze Granden auf die Seite des früheren Grünen-Chefs: Parteichef Reinhold Mitterlehner hält ihn für die bessere Wahl, ÖVP-Querdenker Michael Ikrath und Ferry Maier veröffentlichten erneut ein "Manifest", der frühere ÖVP-Staatssekretär Hans Winkler initiierte mit den ehemaligen Botschaftern Albert Rohan, Eva Nowotny und Wolfgang Petritsch einen Wahlaufruf für ihn. Zur Stimme für Van der Bellen rief eine weitere Gruppe prominenter Bürgerlicher wie Erhard Busek, Franz Fischler, Maria Rauch-Kallat, Wilhelm Molterer und Nationalbank-Chef Claus Raidl auf. In Vorarlberg bildete sich eine ÖVP-dominierte Bürgermeister-Initiative.

BP-WAHL: WAHLKAMPFAUFTAKT VAN DER BELLEN: SCHMIDT Foto: APA/HERBERT NEUBAUER Othmar Karas (Mitte) bei Van der Bellens Wahlkampfauftakt Aufhorchen ließ nun der ÖVP-Klubchef Reinhold Lopatka, der sich gegen diesen bürgerlichen "Trend" stellt. Laut einem Bericht der Kronenzeitung spricht er sich für den FPÖ-Präsidentschaftskandidaten aus. "Er ist für mich der bessere Kandidat", wird Lopatka zitiert, weil Hofer "als Dritter Nationalratspräsident gezeigt hat, dass er für ein hohes Amt geeignet ist".

Wer deklarierte sich für Hofer?

Lopatka ist der bisher prominenteste Politiker einer Konkurrenzpartei, der eine Präferenz für Hofer erkennen ließ. Ihm schloss sich noch Ex-Bauernbundpräsident Fritz Grillitsch (ÖVP) an. Er werde Hofer wegen der "Dämonisierung von Mitte und Mitte-Rechts" wählen. Und ÖVP-Nationalratsabgeordneter Johannes Schmuckenschlager begründete sein Eintreten für Hofer damit, dass Van der Bellen nicht unabhängig sei."

Aber wer deklarierte sich noch für Hofer?

Bereits Ende Juli hat sich schon Karl-Heinz Grasser (bis 2002 FPÖ, dann parteilos bzw. ÖVP-nah) als erklärter Hofer-Wähler geoutet. "Van der Bellen hat sicher Qualitäten, aber Hofer hat das bessere Alter und scheint das Amt lebendiger interpretieren zu wollen", begründete der frühere Finanzminister seine Unterstützung für Hofer.

Tirols Landtagspräsident und Ex-Landeshauptmann Herwig van Staa (ÖVP) empfing Hofer zumindest in seinen Amtsräumen im Innsbrucker Landhaus. Van Staa meinte, er habe eine "gute, sehr gute Meinung" von Hofer. Eine Wahlempfehlung für den FPÖ-Mann wollte er aber nicht abgeben. Auch ob er persönlich Hofer wählen werde, wollte van Staa nicht sagen.

Herwig van Staa trifft Norbert Hofer… Foto: /FPÖ Empfang bei Tiroler Alt-LH van Staa (rechts)

Ritterlicher Beistand

Ganz sicher Hofer ankreuzen wird Norbert van Handel, ÖVP-Mitglied, Unternehmer und Prokurator des St. Georgs Ordens, ein "europäischer Orden des Hauses Habsburg-Lothringen". Die elitäre Vereinigung zählt auch Norbert Hofer zu ihren "Ehrenrittern". Im Wahlkampf engagierte sich die Ordensspitze für den FPÖ-Mann. Van Handel gründete auch die Initiative "Christen für Norbert Hofer", der Hofers neues Wahlkampfmotto "So wahr mir Gott helfe" freilich zupass kommt.

Prominente "Ehrenritter" aus der ÖVP, wie 2. Nationalratspräsident Karlheinz Kopf oder NÖ-Landeshauptmann Erwin Pröll, distanzierten sich von diesem politischen Engagement. Der frühere Vizekanzler und ÖVP-Chef Erhard Busek ist nun gar aus dem St. Georgs-Orden ausgetreten. Busek begründete seinen Austritt in einem Offenen Brief an Ordens-Großmeister Karl Habsburg von Lothringen: Die TV-Auftritte des Prokurators Norbert van Handel führten zu einer "Verwechslung des Ordens mit einer politischen Organisation. Damit kommt der Orden in eine politische Optik, die ich nicht vertreten kann!"

Norbert Van Handel, St.Georgs-Orden, Prokurator… Foto: Norbert Van Handel Norbert Van Handel Kürzlich war Van Handel in der "ZiB 2" zu Gast und wurde von Armin Wolf damit konfrontiert, dass kein ÖVP-Vertreter gefunden werden konnte, der sich im Studio für Norbert Hofer ins Zeug legen würde. Van Handel antwortete nur: "Da hätten sie besser suchen müssen".

Kaum Unterstützer aus anderen Parteien

Es ist aber der Sinn engagierter Unterstützer, dass sie leicht zu finden sind und sich selbst deklarieren. So wie Team-Stronach-Klubobmann Robert Lugar, der seine Vorliebe für Hofer mit einem etwas holprig getexteten Schlagersong auf Facebook ("Hofer, Hofer, Hofer for President") dokumentierte. Lugar war vor seiner Tätigkeit im Team Stronach Parteimitglied der FPÖ und des BZÖ.

Inge Rauscher wirft sich ebenfalls für Hofer ins Zeug. Sie wird in Medienberichten als frühere Erz-Grüne, die jetzt blau wählt, verkauft. Tatsächlich war sie 1984/85 bei der Besetzung der Hainburger Au aktiv und saß für die unabhängige, selbst gegründete "Grüne Bürgerliste" im Gemeinderat von Zeiselmauer (NÖ). Mit den Grünen hat sie freilich wenig am Hut. Rauscher rief bereits 1989 mit ihrer Arbeitsgemeinschaft "Heimat und Umwelt" zur Unterstützung von Jörg Haider auf. Die glühende EU-Gegnerin startete 2000 ihr erstes Anti-EU-Volksbegehren, im vergangenen Jahr erreichte sie mit ihrem EU-Austritts-Volksbegehren mehr als 260.000 Unterschriften.

PK EU-GEGNER SCHACHTSCHNEIDER/RAUSCHER Foto: APA/BARBARA GINDL Anti-EU-Kämpferin Rauscher Weitere klar deklarierte politische Fürsprecher lassen sich auf Hofers Seite kaum finden. Sein Kampagnenteam führt auch keine Unterstützerliste, geschweige denn, dass man ein Personenkomitee aufgebaut hätte. Im Gegensatz zu Alexander Van der Bellen, der klar auf Ansehen und Unterstützung prominenter Persönlichkeiten setzt, führt Hofer einen Wahlkampf gegen etablierte Kräfte und Eliten.

Besuche im Ausland

Unterstützung hat Hofer dennoch gesucht, aber vermehrt im Ausland. Mitte September besuchte er den tschechischen Präsidenten Milos Zeman. Mehrere Zeitungen des Nachbarlandes kritisierten eine Einmischung in den österreichischen Wahlkampf. Auch in Kroatien und Slowenien hatte Hofer Gesprächstermine. Im Falle eines Wahlsieges wolle er auf osteuropäische Länder als Verbündete setzen, sagte Hofer vergangene Woche in einem Interview mit der schwedischen Tageszeitung Dagens Nyheter.

CZECH-AUSTRIA-POLITICS-DIPLOMACY Foto: APA/AFP/RADEK MICA Staatstragend: Zu Gast bei Zeman Im September ist Hofer mit dem republikanischen US-Abgeordneten und Trump-Unterstützer Steve King zusammengetroffen. Der Rechtsaußen-Politiker, der vor acht Jahren mit einem islamfeindlichen Ausfall gegen Barack Obama Schlagzeilen gemacht hatte, bezeichnete Hofer als "Partner" bei der Verteidigung der westlichen Zivilisation.

Zuletzt holte sich Hofer abermals tschechische Schützenhilfe und trat gemeinsam mit dem früheren Präsidenten Vaclav Klaus in Wien bei einem Symposion des FPÖ-Bildungsinstituts zum Thema "Massenmigration nach Europa" auf.

Wirtschaft, Sport und Kultur

Und wie sieht es in anderen Gesellschaftsbereichen aus? Nach einem möglichen Wirtschaftsberater wird Hofer weitersuchen müssen. Der Präsident der Deutschen Handelskammer in Österreich, Dieter Hundt, wird für diesen Posten nicht zur Verfügung stehen. Sein Amt verpflichte ihn zur politischen Neutralität.

Aus Kirchenkreisen machte sich der ultrakonservative und umstrittene Salzburger Weihbischof Andreas Laun für den freiheitlichen Präsidentschaftskandidaten stark. "So, wie das Angebot jetzt ist, kann man nur Hofer wählen und beten für ihn und für Österreich", schrieb Laun in einem Gastbeitrag auf kath.net. Zuletzt war Laun bei dem rechten Kongress "Verteidiger Europas" in Linz eingeladen. Der Kirchenmann hätte über "Europa und seine christlichen Wurzeln" reden sollen, sagte seine Teilnahme aber kurzfristig auf ausdrückliches Ersuchen von Erzbischof Franz Lackner ab.

Im Bereich der Kultur sticht das Engagement der Pop-Art-Malerin Tanja Playner ins Auge. Sie hat ein Porträt von Hofer angefertigt und eifrig via Twitter und Facebook verbreitet. Außerdem stellte sie noch ein Video mit Hofer-Unterstützern ins Netz, in dem die in Österreich lebende Russin ihre Unterstützung so erklärt: "Weil er der einzige ist, der unser Land vor Terrorismus ernsthaft schützen wird."

Ein gewisses Interesse zog auch der Künstler Odin Wiesinger auf sich. Zunächst, weil ihn Hofer in einem Interview als seinen "Lieblingsmaler" bezeichnet hat. Danach, weil er martialische Soldaten- und Burschenschaftermotive mit teils deutschnationalen Symbolen malt. Im Gespräch mit dem profil gab er zwar keine Wahlempfehlung ab, sagte aber, er habe erst ein Mal etwas anderes als FPÖ gewählt, aber das sei "eher ein Scherz" gewesen.

Im Bereich Sport fiel der Stratosphärenspringer Felix Baumgartner mit klaren Pro-Hofer-Statements auf. Außerdem schrieb Baumgartner regelmäßig kritische Facebook-Kommentare über Politik und Medien in Österreich und teilte ein Video, in dem Alexander Van der Bellen als "Lügenbaron" Münchhausen karikiert wird. Dann tauchte der Verteidiger der Political Incorrectness plötzlich ohne Erklärung ab. Nach zwanzig Tagen Facebook-Abstinenz begann Baumgartner erst am 21. November wieder zu posten.

FPÖ PRÄSENTIERT DEN WAHLKAMPFSONG 2013: STRACHE / Foto: APA/HANS PUNZ Werner Otti mit FPÖ-Chef Strache Im musikalischen Bereich kann Norbert Hofer auf die Unterstützung durch Werner Otti zählen. Seit mehr als 15 Jahren spielt er mit seiner John Otti Band für die FPÖ auf Bühnen und in Bierzelten. Dass zuletzt auch Hubert von Goiserns "Brenna tuat's guat" bei FPÖ-Veranstaltungen gespielt wurde, gefiel von Goisern überhaupt nicht. Er forderte in einem offenen Brief, dies zu unterlassen. Ottis briefliche Antwort mündete dann in einen Wahlkampfaufruf für Norbert Hofer. Bei dessen Wahlkampf-Abschluss werden Straches erdige Musikanten laut der jüngsten Berichte nicht einheizen. Das Event findet diesmal in fast elitärem Rahmen statt: In der Wiener Börse.

[Update, 28.11, 10:59: Grillitsch und Schmuckenschlager für Hofer]

(KURIER) Erstellt am
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