Politik | Inland | bundespraesidentenwahl
03.12.2016

Farage: Hofer wird EU-Referendum verlangen

Der Brexit-Wortführer Nigel Farage würde sein Geld darauf setzen, dass Hofer am Sonntag gewinnt.

[Update 13:51: Reaktionen der Kampagnenleiter]

Der Brexit-Wortführer und Ex-UKIP-Chef Nigel Farage rechnet mit einem EU-Austrittsreferendum in Österreich nach einem Wahlsieg von FPÖ-Bundespräsidentschaftskandidat Norbert Hofer. "Hofer wird verlangen, dass Österreich ein Referendum über seine Mitgliedschaft in der Europäischen Union abhält", sagte Farage laut der Zeitung Washington Examiner dem TV-Sender Fox News am Freitag (Ortszeit).

"Ich würde mein Geld darauf setzen, dass Hofer von der FPÖ diese Wahl gewinnt", sagte der britische Rechtspopulist dem Fox-News-Moderator Sean Hannity. Farage erläuterte den US-Fernsehzuschauern, dass der österreichische Bundespräsident zwar "nicht sehr viele exekutive Befugnisse hat, aber trotzdem sehr wichtig ist".

Nächstes Land nach Großbritannien und USA

Österreich werde am Sonntag nach Großbritannien und die USA das nächste westliche Land sein, dessen Bürger gegen die Regierung aufbegehren, betonte Farage. Er spielte damit auf das britische Votum für einen EU-Austritt im Juni und den Sieg des Rechtspopulisten Donald Trump bei der US-Präsidentenwahl im November an. "Ich sehe 2016 als Jahr einer politischen Revolution. Zwei Revolutionen, eine im Vereinigten Königreich, eine in den USA. Es geht um die nationalstaatliche Demokratie, das Wiedererlangen der Kontrolle über unser Leben und unsere künftige Ausrichtung."

Hofer: Kein "Öxit" zu befürchten

Die Frage, ob ein "Öxit" - Österreichs Austritt aus der EU - zu befürchten sei, beantwortete Hofer in einem Interview mit er italienischen Tageszeitung La Repubblica mit Nein. Er sei zwar gegen Brüssels Zentralismus, Europa müsse jedoch eng im Bereich Sicherheit und Verteidigung zusammenarbeiten. "Ich mag eine Politik, die die Bürger enger an ihr Land bindet, ohne jedoch Beziehungen zu anderen Ländern auszuschließen. Wir brauchen eine rationale Politik", meinte Hofer.

FPÖ weist Aussagen von Farage zurück

FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl hat die Aussagen Farages als "ohne jede Substanz" zurückgewiesen. "Wir stehen für eine Weiterentwicklung der EU in eine positive Zukunft inklusive mehr Bürgernähe", betonte Kickl am Samstag in einer Aussendung.

Die FPÖ sei weder für einen Austritt Österreichs aus der EU noch wolle sie den von Alexander Van der Bellen geforderten Umbau der EU zu Vereinigten Staaten von Europa, unterstrich der Wahlkampfleiter Hofers. "Nigel Farage ist offenbar alles andere als ein Kenner der inhaltlichen Positionen von Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer, der österreichischen Bundesverfassung und der inhaltlichen Positionierung der Freiheitlichen Partei zur Frage einer positiven Weiterentwicklung der Europäischen Union", kritisierte Kickl.

Lockl: Wahl als Votum über gemeinsames Europa

Alexander Van der Bellen sieht sich durch jüngste Aussagen von Brexit-Wortführer Nigel Farage in seiner Warnung vor einem EU-Austritt Österreichs bestärkt. Die Bundespräsidentenwahl sei "damit auch eine Abstimmung darüber, ob Österreich zum gemeinsamen Europa steht oder nicht", betonte Kampagnenleiter Lothar Lockl am Samstag in einer Aussendung.

Farage bestätige, "was Hofer und Strache bereits angekündigt haben, nämlich eine Volksabstimmung über den Öxit, den Austritt der EU", sagte dagegen Lockl. Radikale EU-Gegner hätten den Plan, mit Austrittsreferenden in allen EU-Staaten die EU zu zerstören. Der von den Grünen unterstützte Van der Bellen sei hingegen "Garant" für einen pro-europäischen Kurs Österreichs.