Hader: Hofer erinnert mich an "Kerzlschlucker"

Josef Hader, österreichischer Kabarettist und Schauspieler © Bild: /© Wega Film/Petro Domenigg

Der österreichische Kabarettist Josef Hader sagt, dass der künftige US-Präsident Donald Trump deshalb gewählt wurde, weil er "völlig authentisch der narzisstische Egomane war, der er ist". Hofer hingegen werde aber deshalb gewählt, weil "er sich nach Kräften bemüht, so zu sein, dass ihn möglichst viele nett finden"

Was würde Josef Hader Kaiser Franz Joseph I., der heuer vor 100 Jahren gestorben ist (der Kaiser im Gespräch), über Österreich im Jahre 2016 berichten? "Drei Wahlkämpfe gab es in diesem Jahr, jeder hat die Leute noch ein Stückl weiter polarisiert."

"Politiker sind dazu da, eine vernünftige Politik für das Land zu machen."

In einem ausführlichen Interview mit SZ.de fasst der österreichische Kabarettist den langen Hofburg-Wahlkampf zusammen und erklärt, warum Norbert Hofer das Gegenteil von Donald Trump und die Auswahl an Politikern nicht gerade berauschend ist - auch nicht in Deutschland.

Hader: Bei Hofer an "Kerzlschlucker" gedacht

Es ist bekannt, dass der 54-jährige Hader im Wahlkampf Alexander Van der Bellen unterstützt. Er sei "ganz nüchtern die bessere Wahl für Österreich", sagt der Kabarettist. Allerdings ist die Auswahl an Politikern nicht besonders berauschend. "Ich habe ehrlich gesagt noch nie einen Politiker erlebt, wo mir das Herz aufgeht. Dafür sind sie auch nicht da", erklärt er und fügt hinzu: "Bei Hitler ist seinerzeit vielen das Herz aufgegangen, das halte ich nicht für erstrebenswert. Politiker sind dazu da, eine vernünftige Politik für das Land zu machen."

Analyse zum letzten TV-Duell vor der Wahl

Dass der ehemalige Grünen-Chef Van der Bellen heute ungewohnt mit Trachtenjanker auftritt und sich mit rot-weiß-roten Fahnen umgibt, stört Hader nicht. In Österreich werde Politik mit volkstümlichem Design gemacht, es sei aber mehr eine Benutzeroberfläche, "es kommt nicht wirklich von Innen". (Wahlkampf um das flache Land)

Josef Hader
Josef Hader im Interview am 21.12.2015. © Bild: KURIER/Gerhard Deutsch

Bei Norbert Hofer erinnert sich der gebürtige Oberösterreicher an den Begriff "Kerzlschlucker". "Das war jemand, der nach außen hin sehr fromm getan hat, auch wenn es in ihm drinnen ganz anders ausgesehen hat", erklärt Hader. Daran müsse er denken, wenn die Auftritte des Blauen im Fernsehen gesehen hat. " Hofer hat sich meistens unter Kontrolle, hin und wieder blitzt eine lang und ungesund aufgestaute Aggression hervor."

FPÖ übt sich im Ministrantentum

Das sei auch der Unterschied zu Donald Trump, dem künftigen US-Präsidenten (mehr dazu hier). Trump sei gewählt worden, weil er "völlig authentisch der narzisstische Egomane war, der er ist". Hofer hingegen werde aber deshalb gewählt, weil "er sich nach Kräften bemüht, so zu sein, dass ihn möglichst viele nett finden". Generell sei es die Strategie der FPÖ, sich in Ministrantentum zu üben, weil man zum ersten Mal die Chance auf eine Mehrheit habe. "Wer ihrer Meinung ist, gehört zum Volk. Und die, die nicht ihrer Meinung sind, das sind die Großkopferten und die gesteuerten Medien." (Interview mit Historiker Rathkolb über das Establishment)

Außerdem würde FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache vielen aus der Seele sprechen, die wollen, dass es bald irgendwie kracht. Mit seinem " Bürgerkrieg"-Sager (mehr dazu hier) bemühe er sich um eine Endzeitstimmung. "Man möchte gern irgendetwas zusammenbrechen sehen, weil einem fad im Schädel ist", zieht der Kabarettist seine Schlüsse. Aber man habe es noch selbst in der Hand, das zu verhindern. Hader: "Der Unterschied zu den Dreißigerjahren ist, dass wir relativ stabile demokratische Systeme haben", die jedes Wahlergebnis aushalten werden.

( kurier.at , jk ) Erstellt am 02.12.2016