Norbert Hofer: "Objektiv, das ist immer so eine Sache"

© Bild: Kurier / Batruel

Norbert Hofer über sein Verhältnis zu kritischen Medien und Journalisten.

Norbert Hofer war tief getroffen, wie er sagt. Der KURIER berichtete Anfang September, dass der freiheitliche Präsidentschaftskandidat nach seiner schweren Verletzung Pflegegeld beantragt hätte. Hofer und seine Partei zeigten sich über die Geschichte wenig erfreut, eine ausgemachte Podiumsdiskussion wurde abgesagt. Im Interview erklärt Hofer sein Verhältnis zu kritischen Medien und Journalisten und warum für ihn „objektiv, immer so eine Sache ist.“

Herr Hofer, Sie haben die vergangenen drei Monate dem KURIER das direkte Gespräch verweigert, der Grund war ein Artikel über Ihren Antrag auf Pflegegeld. Auch unsere Einladung zu einer Podiumsdiskussion haben Sie nicht angenommen, warum dieser Boykott, nur wegen eines kritischen Artikels?
Norbert Hofer: Als Boykott würde ich das nicht bezeichnen, ich habe auch den KURIER gemeinsam mit anderen Journalisten zu einem Abendessen eingeladen. Aber ich gebe zu, dass mich der Bericht persönlich sehr getroffen hat. Ich habe mit dem Journalisten damals ein Gespräch geführt und ihm genau erklärt, worum es bei diesem Antrag gegangen ist. Und Politiker sind auch nur Menschen, ich war bis ins Mark getroffen nach dieser Geschichte. Mir hätte der Fuß abgeschnitten werden sollen, damals hat man mir gesagt, ich müsste meinen Beruf aufgeben.

Hinweis: Hier geht es zum gegenständlichen Artikel.

Aber das ist ja alles genau so in dem besagten Artikel gestanden. Vielleicht waren Sie einfach nur beleidigt, weil etwas geschrieben wurde, was Sie gerne verschwiegen hätten.
Nein, es geht auch darum, dass, egal was ich zu Journalisten sage, es wird einfach nicht gehört, und man macht eine reißerische Geschichte daraus.

Als reißerisch kann man diesen Artikel aber wirklich nicht bezeichnen.
Natürlich, der Artikel ist reißerisch gewesen.

Es fällt aber schon auf, dass Sie nur manchen Medien oder Journalisten Interviews geben, andere, die Ihnen kritischer gegenüberstehen, werden nicht berücksichtigt.
Wir bekommen täglich Anfragen von hunderten Medien, und man muss schauen, welches Gespräch macht Sinn und welches nicht. Ich kann wahrscheinlich mit dem Hans Rauscher vom Standard reden was ich will, er wird sich niemals dazu hinreißen lassen, aus meiner Sicht so zu berichten, wie ich es als objektiv empfinden würde. Und objektiv ist ja immer so eine Sache. Aber ich muss entscheiden, was für mich wichtig ist, und es tut mir leid sagen zu müssen, es gibt Zeitungen, die für mich nicht die wichtigsten sind.

Nicht wichtig oder kritisch, das ist ein wesentlicher Unterschied.
Man wirft mir ja vor, dass ich rhetorisch geschult und ein Kommunikationstalent bin, also ich fürchte mich sicherlich nicht vor Fragen. Aber ich sage noch einmal, ich muss Prioritäten setzen, ich habe keine Zeit, mit jedem zu reden.

Fakt ist aber, dass eine Reihe von Journalisten über die Social-Media-Kanäle Ihrer Partei harsch angegangen werden. Hier wird Druck auf Medienvertreter aufgebaut, die einfach ihren Job machen. Heißen Sie so etwas wirklich gut?
Nein, aber ich finde, dass ein Journalist zu Kenntnis nehmen muss, dass man nicht alles akzeptieren muss, was er tut. Und wenn sich ein Journalist auf Facebook oder Twitter äußert, dann wird es wohl nicht so sein, dass niemand darauf reagiert und reflektiert, so etwas wird es immer geben. Aber ich kann nur für mich sprechen, ich poste auf meiner Facebook-Seite immer nur Positives.

Das mag auf Ihrer Seite schon sein, aber das wird doch von Ihrer Partei, also der FPÖ, auf ihren Kanälen ständig befeuert. Vor Ihrem Interview auf Puls 4 fragte Strache öffentlich, ob hier wieder eine Art Hetzinterview stattfinden wird.
Ich poste auf meiner Seite nur positiv, und ich bin auch ein Vorbild für andere Politiker in meiner Partei. Diese negativen Postings will ich auf meiner Seite nicht haben.

Aber durch diese Vorgehensweise gegen einzelne Journalisten entsteht ein Klima, das Ihnen als Vielleicht-Bundespräsident doch große Sorgen bereiten müsste. Warum tun Sie hier nichts dagegen?
Schauen Sie, auf meiner Seite, dort sage ich, bitte hört auf damit. Ich bin nicht der Staatsanwalt und nicht die Zensur, dieses Problem haben auch andere, auch der KURIER auf seiner Seite, das ist ein Problem, das weit über die Politik hinausgeht.

Und haben Sie Lösungsansätze?
Ich bin für Klarnamen, aber es ist schwierig, bei Facebook und Twitter Daten zu bekommen, wenn wer etwas Denunzierendes postet, die Leute sind dort alle anonym unterwegs. Ich schaue mir das zum Teil gar nicht mehr an. Aber heute hat einer gepostet, dass ich kurz vor der Scheidung stehe.

Das hoffe ich jetzt doch nicht.
Das ist auch ein völliger Unsinn, aber das wird angezeigt, das lasse ich mir nicht gefallen.

In diesem Fall sind Sie persönlich betroffen und beleidigt, aber wenn es um andere geht, ist Ihre Partei nicht so zimperlich.
Nein, das ist nicht so. Ich persönlich will nur Vorbild sein.

( kurier.at ) Erstellt am 28.11.2016