Richard Lugner mit seiner Frau Cathy bei der Pressekonferenz

© APA/ROLAND SCHLAGER

BP-Wahl 2016
02/10/2016

Lugner: "Der Kasperl gewinnt immer"

Der Neo-Kandidat für die Hofburg-Wahl präsentierte sich in der Wiener Lugner City.

Die Bundespräsidentenwahl ist um einen Kandidaten reicher und jedenfalls bunter geworden. Denn Baumeister Richard Lugner will es nach 1998 im Alter von 83 Jahren noch einmal wissen. Schon vor zwei Wochen hatte er mit seiner Ehefrau Cathy in einem YouTube-Video seine Kandidatur in Aussicht gestellt. Nun sagte er: "Wir treten an." Heute Vormittag präsentierte Lugner seine Inhalte in einer Pressekonferenz in der Wiener Lugner City.

"First Couple for Austria"

Der Beginn der Pressekonferenz wird im US-amerikanischen Stil mit dramatischer Hollywood-Musik inszeniert. Lugners reaktivierter Berater im Bundespräsidentenwahlkampf 1998, Peter-Erik Czak, kündigt den Neo-Kandidaten und seine Frau als "First Couple for Austria" an.

Lugner beklagt in seiner Rede, bei der ihm Czak immer wieder einflüstert, einen "politischen Stillstand" in Österreich. Der nächste Bundespräsident sei gefordert, daran etwas zu ändern. Es folgt eine Anklage gegen die großkoalitionäre Tradition in Österreich, die laut Lugner seit 1945 nur drei Mal durch Beteiligung einer dritten Kraft in "neue Fahrwasser" gebracht worden sei.

Gegen rot-schwarze Regierung

Lugner würde als Bundespräsident dafür sorgen, "dass Schluss gemacht wird mit der rot-schwarzen Regierung". Der Präsident sei zwar von der österreichischen Verfassung nur mit geringen Möglichkeiten ausgestattet, diese würde er aber ausschöpfen. Mit Augenmaß, meint Lugner zwar, dennoch wird der Baumeister deutlich: "Ich würde als Bundespräsident nur jemand angeloben, der keinesfalls wieder für eine rot-schwarze Regierung steht."

Eine Bundesregierung müsse die Wirtschaft wieder in Schwung bringen, mit mehr Selbstverantwortung für die Bürger und auch mit weniger Sozialleistungen, wie Lugner andeutet. "Wenn sie das nicht umsetzt, wird sie abberufen, und dazu braucht man einen unabhängigen Bundespräsidenten, der aus der Wirtschaft kommt. Das ist der einzige Weg, wie wir aus der Krise wieder herauskommen," sagt der Neo-Kandidat. Zwischendurch musste Lugner sein klingelndes Handy aus der Tasche nehmen, um es auszuschalten.

Lugner, der Kasperl und Trump

Hinter dem Konferenztisch wurde eine Karikatur an die Wand projiziert: Lugner als "Kasperl" inmitten der anderen Kandidaten, die als Figuren aus dem "Kasperltheater" gezeichnet sind. Auf das Sujet und seine Rolle als Societylöwe angesprochen, sagt der Baumeister: "Der Kasperl gewinnt immer." Das könne man auch immer wieder am Nachmittag bei den Kindervorstellungen in seiner Lugner City überprüfen. Dort erschlage der Kasperl jedes Mal das grüne Krokodil. In der Karikatur wird die Rolle des Krokodils übrigens dem Hofburg-Kandidaten Alexander Van der Bellen zugerechnet.

Zu diesem etwas flapsigen Stil steht der Baumeister, der sich nicht ungern mit US-Präsidentschaftswahlbewerber Donald Trump vergleicht. Trump ist ebenfalls Bauunternehmer und Reality-TV-Star.

Will Stichwahl erreichen

Ehefrau Cathy soll ebenfalls im Wahlkampf präsent sein. "Ich habe kein anderes politisches Vorbild, außer Richard," sagt die 26-Jährige. Über die Aufgaben einer "First Lady" will sie noch nicht sprechen, "zuerst geht es um Richards Kandidatur".

Über seine Aussichten sagt der Kandidat selbst: "Wer den Lugner wählt, weiß ich nicht." Er möchte aber die Stichwahl erreichen, und habe das Ziel, sich dort durchzusetzen.

Keine Plakate

Eines war vorher schon fix: "Wir werden sicher keine Plakat-Serie machen, weil jeder kennt unser Gesicht", erklärte Lugner am Donnerstag noch einmal. Zuerst muss er aber 6.000 Unterschriften sammeln, um überhaupt auf den Wahlzettel zu kommen. Experten erwarten zwar, dass er dies schafft, geben dem Societylöwen aber sonst nur wenig Chancen, dass er sein Ergebnis von 1998 von 9,9 Prozent der Stimmen übertrifft. Meinungsforscher Werner Beutelmeyer traut ihm fünf bis sechs Prozent zu.

Indirekter Einfluss auf Wahlergebnis?

Politikberater Thomas Hofer geht aber davon aus, dass die Hofburg-Bewerber rechts der politischen Mitte unter Lugner Kandidatur leiden. Bei einem knappen Hofburg-Rennen könnte "Mörtel" indirekt beeinflussen, wer es in die Stichwahl schafft, so Hofer. Bei seinem Antritt hatte Lugner vor allem freiheitliche Wähler angezogen. Hofer glaubt, dass Lugner nur wegen der Publicity antritt, und nicht "damit er sich bei der Loge am Opernball was spart". Hofer: "Das ist gar nicht böse gemeint, aber die Vermarktung war immer Lugners Triebfeder".

Ist Lugners Kandidatur ernstzunehmen?

ATV begleitet Lugner beim Unterschriftensammeln

ATV macht aus dem Präsidentschaftswahlkampf von Baumeister Richard Lugner eine Doku-Soap. Der österreichische Privatfernsehsender begleitet den Societylöwen mit der Kamera beim Sammeln der 6.000 Unterschriften, die es braucht, um es überhaupt auf den Wahlzettel für die Wahl am 24. April 2016 zu schaffen.

Für die Unterstützungserklärungen hat Lugner bis zum 18. März Zeit. ATV macht daraus vier Folgen "Die Lugners: Mörtel for Präsident?", wie der Sender am Donnerstag kurz vor der Antrittspressekonferenz von Lugner mitteilte.

Ausgestrahlt werden die Episoden aber erst nach Fristablauf, auch um den Wahlkampf nicht allzu stark zu beeinflussen, wie es zur APA hieß. Die erste Folge von "Mörtel for Präsident" läuft am 22. März um 20.15 Uhr.

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