Vor der ersten Stichwahl: Van der Bellen und Hofer im ORF bei Ingrid Thurnher

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Politik | Inland
09/05/2016

Hofburg: Dritter TV-Wahlkampf ist eröffnet

Im ORF-Talk "Im Zentrum" lieferten sich die Wahlkampfleiter Kickl und Lockl einen ersten Schlagabtausch. Es folgen Interviews und drei Duelle zwischen Hofer und Van der Bellen.

Nun hat auch der Fernseh-Wahlkampf zum dritten Mal begonnen. Die ORF-Diskussionsreihe "Im Zentrum" ist am Sonntag aus der Sommerpause zurückgekehrt und widmete sich gleich der Wiederholung der Bundespräsidenten-Stichwahl. Unter anderem waren bei Ingrid Thurnher die Wahlkampfleiter zu Gast. Diese nützten die Gelegenheit für eine klare Positionierung ihrer jeweiligen Kampagnen.

Wahlkampf-Chefs unterschieden sich klar

Bei Lothar Lockl hatte man fast den Eindruck, eine jüngere Version von Alexander Van der Bellen säße im Studio. Bedächtig und mit gewählten Worten sprach der Kampagnenleiter – als wolle er damit die staatstragende Verantwortung betonen, die sein Kandidat "für das Ansehen Österreichs" übernehmen möchte. Wenn Lockl einmal Kritik am Wahlkampfstil des Gegenübers übte, dann geschah das ebenfalls in aller Ruhe. Aus eben jener will man sich offenbar nicht bringen lassen, auch wenn im Wahlkampf ein deutlicher Mobilisierungsschub notwendig sein wird.

Ganz anders dagegen FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl, der einen gewohnt angriffigen Stil an den Tag legte, und sich damit vom zurückhaltenden Habitus seines Kandidaten Norbert Hofer deutlich unterschied. Dabei trat ein Spagat zu Tage, den wohl auch Hofer im Wahlkampf machen muss: Zwischen der Notwendigkeit, für breite Wählergruppen mehrheitsfähig zu sein und der Positionierung als "Gegengewicht", das sich einem "Machtkartell" aus SPÖ, ÖVP, Grünen und Neos (laut Kickl) gegenüber sieht.

Intensive Berichterstattung auf allen Kanälen

Während andere Mitdiskutanten die Befürchtung äußerten, viele Österreicher würden nur äußerst widerwillig ein dritten Mal zu den Urnen schreiten, legen die TV-Sender keine Wahlmüdigkeit an den Tag. Medial geht die Wahlberichterstattung nun intensiv los.

  • Im ORF folgen Kandidateninterviews im Rahmen der "Zeit im Bild 2" am 7. und 8. September , im "Report" am 12. und 19. September. Hanno Settele ist auch wieder unterwegs, allerdings nicht im Oldtimer. Er setzt sich in eine Burgtheater-Loge und lässt die Kandidaten den bisherigen Wahlkampf Revue passieren ("Immer wieder Sonntag - Settele in der Loge" am 7. September). Am 29. September moderiert dann Ingrid Thurnher "Das Duell" der beiden Kandidaten.
  • Puls 4 hat sein Duell bereits am 18. September. Erst danach kommen die Einzelinterviews ( Norbert Hofer 19. September, Van der Bellen 26. September). Es moderiert Info-Chefin Corinna Milborn.
  • ATV sendet am 25. September seine Konfrontation der Kontrahenten, diesmal moderiert von Martin Thür. Im Anschluss blickt man noch zurück auf das TV-Experiment vom ersten Wahlgang, als Van der Bellen und Hofer unmoderiert aufeinandertrafen.

Am Wahltag: Blitz-Hochrechung vor 17.30 Uhr

Am Wahltag selbst wird es diesmal für alle Medien etwas stressiger zugehen als gewohnt. Der Verfassungsgerichtshof hat die Weitergabe von Teilergebnissen vor Wahlschluss verboten, das Innenministerium kann die nötigen Daten damit erst ab 17.00 Uhr liefern. 10 bis 15 Minuten danach sollten aber schon die ersten Hochrechnungen der ARGE Wahlen und von SORA/ORF vorliegen - beide bereits inklusive Briefwahlschätzung.

DerORFgeht um 16.55 Uhr mit seiner ersten Sondersendung on air. Ein "Im Zentrum spezial" und ein "Runder Tisch" gehören ebenfalls zum üblichen Wahlprogramm des Öffentlich-Rechtlichen.Puls 4plant Intensiv-Berichterstattung von 17 bis 19.20 Uhr,ATV wird "umfassend, aber kompakt in unseren Live-Sendungen berichten", hieß es.

Das vorläufige Endergebnis sollte wie üblich rund um 19.30 Uhr vorliegen. Es wird noch keine Briefwahlstimmen enthalten, diese werden am Montag, 3. Oktober, ausgezählt.

Kein Pressezentrum in der Hofburg

Das Innenministerium wird nun doch ein Pressezentrum einrichten, Details sind aber noch offen. Derzeit sei noch in Abklärung, "wie und wo" man den Medienvertretern am Wahlabend einen Ort einrichten wird, sagte die Sprecherin von Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP). Im Raum steht das Ministerium selbst, was dort als "eine Option" bezeichnet wird. Die Hofburg wird nicht wieder angemietet, so viel steht fest: "Zum dritten Mal diese Kosten, das ist zu viel."

Für die Live-Berichterstattung von der ersten Stichwahl sind am 22. Mai Dutzende Reporterteams von internationalen Medien angereist.

Wer zieht in die Hofburg ein?