Budapest und Berlin warnen Flüchtlinge per Inserat

CROATIA REFUGEES MIGRATION CRISIS
Foto: APA/EPA/ANTONIO BAT   

"Hört nicht auf die Menschen-Schmuggler". Wien verzichtet.

Die Botschaft ist unmissverständlich: "(Wir) Ungarn sind gastfreundlich. Aber wer versucht, illegal nach Ungarn zu kommen, gegen den wird mit aller Konsequenz vorgegangen."

Mit ganz-seitigen Annoncen, die in den größten jordanischen und libanesischen Tageszeitungen auf Arabisch und Englisch erscheinen, versucht Ungarns Regierung in diesen Tagen den Flüchtlingsströmen frühzeitig Einhalt zu gebieten. Man will abschrecken, ganz klar, vor allem den syrischen Flüchtlingen wird vergleichsweise unverhohlen mitgeteilt: Versucht besser nicht, die ungarischen Grenzen illegal zu übertreten, denn das ist in Ungarn verboten und wird mit Gefängnis bestraft (siehe Inserat links).

"Schlepper lügen"

"Hört nicht auf die Menschen-Schmuggler", lautet eine andere Warnung von Budapest – und die spricht so auch die Bundesrepublik Deutschland recht deutlich aus ("Die Schlepper lügen, sie sind nur aufs Geld aus").

Via Twitter, Facebook, Radio und Fernsehen, kurzum mit allen Mitteln der modernen Kommunikation, versucht das Auswärtige Amt seit Wochen, Flüchtlinge in Nahost, Afrika und Afghanistan klar zu machen, dass nicht alles stimmt, was über Deutschland erzählt wird. Genährt von den jüngsten Ansagen von Kanzlerin Angela Merkel kursieren in einschlägigen, von Syrern frequentierten News- und Facebook-Gruppen einigermaßen abenteuerliche Behauptungen (Deutschland sucht hunderttausende Arbeitskräfte, Syrer bekommen sofort und ohne Asylverfahren einen Aufenthaltstitel, etc.).

Botschafter am Kai

Im Unterschied zu den ungarischen Inseraten setzt Berlin auf trockene Fakten: Nur ein Drittel aller Asylwerber werde letztlich aufgenommen, heißt es in den Meldungen. Und weil Schlepper ihre Dienste mittlerweile mit dem Zusatz anbieten, dass die Flucht bereits ab Beirut geritzt sei, weil Deutschland Schiffe an die libanesische Küste schicke, um schon dort syrische Kriegsflüchtlinge abzuholen, tritt nun der deutsche Botschafter selbst in Aktion: Martin Huth spricht vor Ort, also direkt am Kai von Tripolis, mit den Flüchtlingen, die es bis hier geschafft haben. Seine schlichte Botschaft steht seit Tagen auf der Facebook-Seite der Vertretung: "Es stimmt nicht, dass Deutschland Schiffe schickt, um Flüchtlinge abzuholen."

Österreich verzichtet vorerst auf derartige Kampagnen. Obwohl eine entsprechende Inseraten-Aktion im Kosovo einst messbaren Erfolg gebracht hat , sind laut einem Ressort-Sprecher momentan keine Inserate in Planung.

Wer unsere Grenze illegal passiert, der kommt ins Gefängnis: Diese  Botschaft verbreitet Budapest seit Tagen im Libanon und Jordanien

(kurier) Erstellt am