Grünen-Chefin Eva Glawischnig und Alexander Van der Bellen

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Politik | Inland
06/16/2016

Grüne: Mehrheit für Van der Bellen außer Zweifel

Brosz wirft Böhmdorfer "Taschenspielertricks" vor und verweist auf Unterschriften von FPÖ-Kommissionsmitgliedern.

Die Grünen haben sich am Donnerstag gegen die Argumente der FPÖ für ihre Anfechtung der Bundespräsidenten-Stichwahl zur Wehr gesetzt. Es sei völlig unumstritten, dass die Mehrheit der Österreicher für Alexander Van der Bellen gestimmt habe und dass es keinen Wahlbetrug oder Manipulationen gegeben habe, betonte der geschäftsführende Parlamentarier der Grünen, Dieter Brosz, vor Journalisten.

Was es aber gebe, sei der schon lange bestehende Versuch der FPÖ, das Briefwahlsystem zu desavouieren. Spannend sei, dass es eine "absolute Mitwirkung" der freiheitlichen Kommissionsmitgliedern bei allen später beeinspruchten Handlungen und Beschlüssen rund um die Auszählung der Briefwahlstimmen gegeben habe, so Brosz. "Es gibt keinen einzigen, wo die FPÖ nicht mitbeschlossen hat."

Brosz bemängelte die Plausibilität des Vorwurfs deutlicher Unregelmäßigkeiten in einigen Bezirken, etwa in Villach (Stadt), Hermagor, Villach Land oder Wolfsberg. Aus statistischer Sicht gebe es keine Hinweise darauf, dass die Unterschiede zwischen Urnenwahlergebnis und Wahlkartenergebnis in den angefochtenen Bezirken ein anderes Muster aufwiesen, als die entsprechenden Unterschiede in den restlichen Bezirken, verwies Brosz auf Aussagen des Statistikers Erich Neuwirth.

Nicht ohne Plausibilitätsprüfung

"Ich glaube, dass es ohne Plausibilitätsprüfung nicht gehen wird", so Brosz zu einer allfälligen Aufhebungsentscheidung durch den Verfassungsgerichtshof (VfGH). Denn: "Wenn die Prämisse ist, dass jede Abweichung zur Neuaustragung einer Wahl führt, haben wir lustige Zeiten vor uns." Außerdem öffne dies Tür und Tor für Manipulationen. Ein Wahlkommissionsleiter könnte dann eine Wahlwiederholung erzwingen, indem er Kuverts bewusst vorzeitig öffne. Brosz verwies auch auf die bisherige Judikatur des VfGH. Abweichungen vom gesetzlich vorgegebenen Wahlprozedere habe es wohl gegeben, "aber das war noch nie ein Grund für eine Wahlaufhebung".

Der Grüne erwartet jedenfalls eine rechtzeitige Entscheidung des VfGH für den Angelobungstermin am 8. Juli. Sollte es zu einer Aufhebung kommen, dann sei eine Teilwiederholung der Stichwahl möglich. Die jeweils betroffenen Wahlkartenwähler seien nämlich genau registriert, betonte er.

Auch Grünen-Chefin Eva Glawischnig sagte der Presse, dass es "immer nur um Formalfragen gehe. Der Kernpunkt ist: Es ist keine einzige Stimme ermogelt worden." Aber auch Glawischnig sagt, dass es "seltsame Vorgänge" gegeben habe.

Böhmdorfers "Taschenspielertricks"

FPÖ-Anwalt Dieter Böhmdorfer agiere mit Taschenspielertricks, so der weitere Vorwurf von Diete Brosz, denn er zähle seine Vorwürfe mehrfach. Nach Zählung der Grünen geht es etwa um 109.000 vorzeitig aufgeschnittene Kuverts, nicht um rund 290.000. Den Vorwurf der mehr als 570.000 vorsortierten Kuverts ließ Brosz gar nicht gelten, denn die sei rechtskonform erfolgt und (bis auf drei Bezirke) auch nachträglich nachvollziehbar.

Der Vorwurf, dass psychischer Druck Richtung Stimmabgabe für Van der Bellen ausgeübt worden sei, wertete er als "absurd". Und zur Kritik der vorzeitigen Ergebnisveröffentlichung präsentierte er jene durch den FPÖ-Vizebürgermeister von Geinberg.