Freiheit, aber nicht für jeden

Lehrer
Foto: dpa/Heiko Wolfraum   

Lehrer wollen mehr selbst entscheiden dürfen, den Direktoren soll dies verwehrt bleiben.

Ich bin geneigt, mit dem Sessel zu schaukeln“, sagt Peter Hajek. „Ich wollte schon mein Blasrohr auspacken“, sagt Matthias Strolz – und grinst. Reminiszenzen des Meinungsforschers und des Neos-Chefs – weil sie nebeneinander in einer Schulbank sitzen, platziert in einem noblen Palais in der Wiener Innenstadt.

Die passende Inszenierung  für die Präsentation der Ergebnisse einer Online-Umfrage: „Was Lehrer  wirklich wünschen“. Das hat Hajek im Auftrag der Strolz-Initiative „Talente blühen“ erhoben. Fazit: „Sie wollen mehr Freiheit und mehr Verantwortung.“

In welcher Hinsicht?

Auf Platz 1der Autonomie-Begehrlichkeiten, die die Pädagogen genannt haben: Sie würden gerne selbst über Lehrinhalte und Lehrpläne entscheiden. Auch bei der Art der  Leistungsbeurteilung  wollen sie mehr zu sagen haben; detto, wofür sie Unterrichtsstunden verwenden, etwa mehr als jetzt für bestimmte Fächer. An letzter Stelle stehen  Mitsprache bei Begabtenförderung und schulautonomen Tagen.

Wie gewohnt Noten zu vergeben hatten die Lehrer dahingehend, wo sie „Gestaltungsspielraum“ möchten: Eine überwiegende Mehrheit von 90 Prozent will nicht vorgeschrieben bekommen, in welchem Bereich und wo sie sich fortbilden. Strolz: „Daher sollten nicht nur die Pädagogischen Hochschulen Fortbildung anbieten. Wir müssen dieses Monopol aufbrechen.“

Ein großes Gros der Lehrer will weg von strikten Zeitvorgaben: Die Schulen sollten bestimmen können, ob sie den Tag in 50-Minuten-Einheiten gliedern oder nicht. 82 Prozent möchten Unterstützungslehrer dort einsetzen, wo sie es für richtig halten. Fast ebenso viele hätten gern „mehr Zeit für ihre eigentlichen Aufgaben“ – und weniger Vorgaben aus dem Bildungsressort und dem Landesschulrat. Strolz: „Im Ministerium können sie gleich den Schredder anwerfen und ein Drittel der Verordnungen und Erlässe entsorgen.“

Der Wunsch, selbst über Team-Teaching entscheiden zu können, ist groß. „Derzeit werden sechs Stunden in ,Neuen Mittelschulen‘ vom Bund finanziert. Sie sollten dieses Budget weiterhin bekommen, aber autonom entscheiden können, wofür sie es verwenden“, befindet Strolz.

Nicht Schulautonomie-euphorisch sind die Lehrer, wenn es nicht um den Unterricht geht. Dass Direktoren ihr Personal selbst aussuchen, ist den Pädagogen kein großes Bedürfnis. „Voll und ganz“ stimmen dem nur 38 Prozent zu. Die Idee, dass Schulleiter Lehrer auch kündigen können sollen, entzückt ebenfalls mäßig (29 % sind „voll und ganz“ dafür).

Am dringendsten investiert werden sollte für die Lehrer in zusätzliche Schulpsychologen und Sozialarbeiter; darauf drängt auch die Gewerkschaft seit Langem.

Hire & Fire

Ob dieser Resultate  werde er erneut Druck machen, sagt Strolz: „Bis Jahresende muss eine nationale Umsetzungsstrategie zur Schulautonomie erarbeitet werden.“ Nötig sei mehr didaktische, finanzielle und personelle Selbstständigkeit. „Wegen der Skepsis der Lehrer sollten wir mit der pädagogischen beginnen, nicht mit der personellen.“ Wie stellt sich Strolz diese vor? „Die Schule sollte Lehrer anstellen können. Es gibt kein Dienstrecht mehr, sondern einen Rahmenkollektivvertrag. Und es sollte Schulleiter auf Zeit geben, denen möglich sein soll, Pädagogen zu kündigen.“

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(Kurier) Erstellt am
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