Werner Faymann und Michael Spindelegger absolvieren diese Woche einen wahren Wahlkampfmarathon. Es gilt, letzte Unentschlossene von der eigenen Partei zu überzeugen.

© APA/RUBRA

Der Schluss-Sprint Richtung Kanzler
09/23/2013

Der Schluss-Sprint Richtung Kanzler

Kanzler Faymann besucht in drei Tagen alle neun Länder, die Grünen sind „drei Tage wach“.

von Paul Trummer

Wer Kanzler werden oder bleiben will, muss sich eben ins Zeug legen. Und so absolviert SPÖ-Chef Werner Faymann diese Woche einen wahren Gewaltritt: Am Donnerstag besucht er Betriebe in Vorarlberg, Tirol, Salzburg und Kärnten. Am Freitag Firmen in der Steiermark, Ober- und Niederösterreich sowie im Burgenland. Und einen Tag vor der Wahl findet in Wien am Viktor-Adler-Markt die Schlusskundgebung statt, erzählt seine Sprecherin. Damit sich das ausgeht, schüttelt der Kanzler quasi rund um die Uhr Hände: Bei einigen Betrieben treffe man die Mitarbeiter in der Nachtschicht.

Die Tour durch Westösterreich hat ÖVP-Chef Michael Spindelegger bereits in den vergangenen Tagen abgespult. Nun konzentriert sich der Vizekanzler auf die großen Bundesländer: Am Montag buhlt er in Niederösterreich bei einem Betriebsbesuch um Stimmen. Unterstützung kommt von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner und Landeshauptmann Erwin Pröll. Am Mittwoch wartet dann ein Auftritt vor 1200 Funktionären und Fans in Oberösterreich – und irgendwo dazwischen will auch noch die Steiermark besucht werden.

Noch wichtiger als all das Händeschütteln sind aber die Auftritte im TV. Sonntagabend stand das „Kanzlerduell“ beim Privatsender ATV am Programm, am Dienstag dann der Höhepunkt: das direkte Aufeinandertreffen von Faymann und Spindelegger im ORF (DI, 20.15 Uhr). Die ORF-Duelle der Regierungsspitzen gegen FP-Chef Heinz-Christian Strache sahen jeweils mehr als 800.000 Menschen, am Dienstag könnten es noch mehr werden. „Alle reden über die TV-Konfrontationen“ erzählt Spindeleggers Sprecher. Die Bilanz für seinen Parteichef sei durchwegs positiv, vor allem aus den Bundesländern komme viel Lob.

Auch Faymanns Sprecherin ortet eine gute Resonanz bei den Menschen auf die Kanzler-Auftritte im TV: „Sehr professionell, sehr authentisch“, höre man am häufigsten. Für das Sonntagabend anstehende TV-Duell hatte sich der SPÖ-Chef vor allem das Thema Steuerreform vorgenommen. Darüber möchte auch Spindelegger sprechen, möchte allerdings lieber klarstellen, warum dem Staat derzeit das Geld für eine Entlastung der Steuerzahler fehlt. Und noch eine Kernbotschaft will der ÖVP-Chef angesichts der besseren Umfragewerte für FPÖ und Neos betonen: „Wir brauchen klare Verhältnisse im Land“.

Auch die anderen Parteien sind im Wahlkampf-Finish quasi rund um die Uhr im Einsatz. Der letzte große Auftritt im TV findet für die Opposition am Donnerstag statt. Zuvor besucht etwa FP-Chef Heinz-Christian Strache am Montag noch Graz. Besonders viel Kaffeebedarf wird es diese Woche bei den Grünen geben: Unter dem Motto „drei Tage wach“ beantworten sie ab Donnerstag, 17 Uhr bis Sonntagabend online Wählerfragen – rund um die Uhr.

Aufregung um geplatzte Elefantenrunde

Als Höhepunkt im TV-Wahlkampf gilt eigentlich das „Kanzlerduell“ zwischen Werner Faymann und Michael Spindelegger am Dienstag im ORF. Für weit mehr Aufregung sorgt aber die ORF-Wahlsendung am Donnerstag, die eigentlich als „Elefantenrunde“ mit allen Spitzenkandidaten angekündigt war.

Am Samstag stellten Kanzler und Vizekanzler gemeinsam klar, man habe nie zugesagt – und gedenke das auch nicht zu tun. Der ORF möge das auch so kommunizieren. Am Sonntag gab es dafür heftige Kritik von FPÖ, BZÖ und den Grünen (Frank Stronach hat ebenfalls abgesagt, Anm.). „Demokratieverweigerung“ unterstellten dem Regierungsduo BZÖ und die Grünen. Einen „demokratiepolitischen Skandal der Sonderklasse“ ortete gar FP-Chef Heinz-Christian Strache.

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos konterte, der Kanzler habe in acht TV-Diskussionen und weiteren Leser- und Hörerdiskussionen von Tageszeitungen und Radiosender teilgenommen: „Noch nie gab es so viele TV-Konfrontationen wie im Vorfeld dieser Wahl.“

Das sieht man auch im ORF so: „Die Zahl der TV-Konfrontationen ist das Maximum“, meint ein ORF-Sprecher. Sollten es noch mehr Parteien ins Parlament schaffen, werde es das Format „Jeder gegen jeden“ in dieser Form nicht mehr geben.

Für die Sendung am Donnerstag will der ORF nun die Oppositions-Chefs verstärkt auf einzelne Themen abklopfen. Geplante Zuspielungen von Statements des Regierungsduos lässt man bleiben. Und warum hat der ORF die Regierungsspitzen als Teilnehmer angekündigt? „Wir haben nie behauptet, dass fix alle kommen“, heißt es. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Wahlkampftermine im Fernsehen

Übersicht

Termin Uhrzeit Sender Wer
23.9.2013 20.15 Uhr Puls 4 Wahlarena mit Faymann ( SPÖ)
24.9.2013 20.15 Uhr ORF2 Kanzlerduell Faymann (SPÖ) - Spindelegger (ÖVP)
25.9.2013 21.55 Uhr ATV Gäste: t.b.a.
26.9.2013 20.15 Uhr ORF2 Oppositionsrunde

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