Bei Fischer: Julian Schmid, Aygül Aslan, Sigrid Maurer, Asdin El Habbassi, Katharina Kucharowits, Nikolaus Scherak, Philipp Schrangl, Michael Pock

© CARINA KARLOVITS HBF

Politik von innen
04/24/2014

Ausbruch aus dem "Gedankengefängnis"

Bundespräsident Heinz Fischer lud Jungabgeordnete in die Hofburg und stärkte ihnen den Rücken.

von Daniela Kittner

Vor fünfzig Jahren hat der damalige Bundespräsident Adolf Schärf einen gewissen Heinz Fischer, damals hoffnungsfroher Jung-Mitarbeiter im SPÖ-Parlamentsklub, zu einem fürsorglichen Gedankenaustausch in die Hofburg eingeladen.

Dem heutigen Bundespräsident blieb diese Geste so nachhaltig in Erinnerung, dass er sie nachahmte. Und so waren gestern neun junge Abgeordnete zu Gast in der Hofburg. Jung im doppelten Sinn: Unter 30 und erst seit Herbst im Parlament.

Die Schärf-Story wird von der Hofburg als der offizielle Anlass für die Einladung angegeben. Doch Heinz Fischer ist bekannt für seine Politik der subtilen Symbolik. Die prestigeträchtige Einladung des Staatsoberhaupts für aufmüpfige Jung-Abgeordnete war sicher nicht nur einer Reminiszenz geschuldet.

"Das Wort Abweichler ist in unserem Gespräch nicht vorgekommen", sagt Fischer nach der Unterredung. Sehr wohl aber sei es um "Eigenverantwortung" gegangen. Tatsächlich drehte sich die mehr als einstündige Gesprächsrunde vor allem um die Stellung und die Macht eines einzelnen Abgeordneten. "Die Parteipolitik ist ein Gedankengefängnis, die mir einen enormen Integrationsprozess abverlangt hat", sagt Aygül Berivan Aslan, Grün-Abgeordnete aus Tirol. Die "Reflexion" gemeinsam mit dem Bundespräsidenten habe zur Erkenntnis geführt, wie wichtig Unabhängigkeit sei. "Es ist gut, dass wir Junge eine Ausbildung haben, die stärkt unsere Unabhängigkeit von der Politik ", sagt Michael Pock von Neos.

Es hat sich beim Gespräch bei Fischer auch herauskristallisiert, dass die jungen Abgeordneten aller Fraktionen (außer dem Team Stronach, das hat niemanden unter 30) in einigen Punkten übereinstimmen: Um den Parlamentarismus zu stärken, müsse die Stellung der einzelnen Abgeordneten gestärkt werden – auch wenn dies zulasten der Klubs gehe. Daniela Holziger, die junge SPÖ-Abgeordnete, hat diesen Weg bereits mehrmals beschritten – beim Hypo-U-Ausschuss und bei der Bildung. Bei beiden Themen hat Holzinger letztlich recht behalten.

"Mut und Geduld": Mit diesem Ratschlag stärkt der Bundespräsident den Jung-Politikern – dosiert – den Rücken.

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