Politik | Inland
10.01.2018

Anwälte grillen "Kronzeugen"

Ainedter bezichtigte KHG-Balastungszeugen der Lüge.

Grasser-Verteidiger Manfred Ainedter verspürte starken Aufwind. "Wir haben Hochegger zerlegt", resümierte er triumphierend. Gestern ging der erste Showdown im großen Schwurgerichtssaal über die Bühne. Das Anwalts-Duo Ainedter und Norbert Wess des Hauptangeklagten Karl-Heinz Grasser durfte Peter Hochegger befragen. Selbstredend gab es nur ein Ziel bei diesem Match: Die Glaubwürdigkeit des geständigen Hochegger zu untergraben. Immerhin belastet der Ex-Lobbyist Grasser, Walter Meischberger und Ernst Karl Plech schwer, indem er behauptet, das Trio hätte sich die stolze Buwog-Provision zu jeweils 2,4 Millionen Euro untereinander aufgeteilt.

Bevor Ainedter und Wess versuchten, Hochegger der Falschaussage zu überführen, musste die Richterin ein Hick-Hack zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigern schlichten. Der Staatsanwaltschaft billigte nicht, wie Wess seine Fragestrategie angelegt hatte und warf dem Anwalts-Duo vor, "sinnentfremdet" aus der Anklageschrift zu zitieren. "Was soll den Schöffen hier suggeriert werden?", fragte Staatsanwalt Denk. Richterin Marion Hohenecker griff angesichts des scharfen Schlagabtausches lautstark durch: "Es geht hier nur um Zahlen, Daten und Fakten", rief sie im Gerichtssaal den Streithähnen zu.

Eines muss man Ainedter und Wess zuerkennen: Sie fanden ein starkes Argument, das die Lebensbeichte des Peter Hochegger ins Wanken bringen könnte. So schilderte der 63-Jährige insgesamt sechs Mal vor Gericht, wie er durch eine Indiskretion an die Informationen gelangte, wer hinter den drei Konten "Natalie", "Karin" und "400.815" in Liechtenstein steckt.

Termin-Unstimmigkeit

Es war im September 2005. Da traf er sich mit dem Vermögensberater von Meischberger im Hotel Stephansplatz, und der Banker soll ihm unaufgefordert auf einem Zettel aufgeschrieben haben, wer die wahren Kontobesitzer sind. ‚"Wann genau war das Treffen Herr Hochegger?", wollte Wess wissen. "Das habe ich schon mehrmals ausgesagt. Ende August oder Anfang September", so Hochegger. Worauf Wess die Dokumente der Kontoeröffnung auf die Leinwand projizierte. "Das ist nicht möglich, weil dieses Konto erst nach dem angeblichen Treffen Ende 2005 eröffnet worden ist", konterte Wess.

Was sagte Meischberger

Hochegger gab zwar zu, dass es hier eine Unstimmigkeit gab, inhaltlich blieb er aber bei seiner Aussage. "Es könnte sein, dass der Termin später stattgefunden hat. Aber ich habe es so wahrgenommen."

Ein pikantes Detail gab es zum Start des Verhandlungstages. Die Staatsanwaltschaft wollte wissen, was Meischberger kurz vor Hocheggers Teilgeständnis im Dezember zu ihm gesagt habe. Dieser sei aufgebracht zu ihm gekommen, so Hochegger, und habe zu ihm gesagt: "Peter, das kannst du nicht machen. Wo wir jetzt so gut liegen." Was Meischberger dazu sagt, werden erst die kommenden Prozesstage zeigen.