Politik | Inland
09.03.2016

"Mein Leben in Österreich": Wertekurse beim AMS

Flüchtlinge sollen in Arbeitswelt Fuß fassen. Kurz nahm an einem Kurs teil.

Das AMS steigt jetzt in die Wertekurse des Integrationsfonds ein. Konkret wird das Arbeitsmarktservice die Schulungen in sein Portfolio für arbeitslos gemeldete Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte aufnehmen. Dabei soll das AMS Kursgruppen koordinieren und gegebenenfalls auch Räumlichkeiten zur Verfügung stellen.

Was in den Kursen gelehrt wird, skizzierte die Leiterin einer Gruppe. Neben einem kurzen Abriss über Geographie und Geschichte des Landes wird ein Schwerpunkt auf Gleichberechtigung und Religionsfreiheit gelegt. Die Lernunterlagen bilden ein weites Feld ab, von der Mülltrennung bis zur Trennung von Religion und Staat. Die Lernunterlagen trugen den Titel "Mein Leben in Österreich".

AMS-VorstandJohannes Kopf begrüßte bei der Präsentation des Projekts Mittwochvormittag die Kooperation ausdrücklich. Er geht nämlich davon aus, dass die in den Kursen gewonnenen Informationen durchaus helfen könnten, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Das AMS hat seine eigenen Kurse für Flüchtlinge, in erster Linie Sprachkurse, heuer deutlich nach oben geschraubt. 4.784 Geförderte bedeuten laut Kopf eine Vervierfachung. 17,5 Prozent der Kursbesucher waren Frauen, fast drei Viertel der Kurse fanden in Wien statt.

Die schlechte regionale Aufteilung der Flüchtlinge stellt auch das Arbeitsmarktservice vor Herausforderungen, umso mehr als die Lage am Arbeitsmarkt in der Bundeshauptstadt ohnehin nicht rosig ist. Insofern versuche man Flüchtlinge, die ihre Mobilität ja schon bewiesen hätten, dazu zu motivieren, in andere Bundesländer zu wechseln, wenn sie über einschlägige Kompetenzen verfügten, die dort gesucht würden, etwa Tourismuskräfte im Westen oder Fachkräfte in der Autoindustrie in der Steiermark.

Um am Arbeitsmarkt und überhaupt in Österreich Fuß fassen zu können, werden jedenfalls die Wertekurse nützlich sein, betonte Integrationsminister Sebastian Kurz einmal mehr. Die meisten Flüchtlinge kämen eben aus völlig anderen Kulturkreisen, etwa was die Stellung der Frau angeht.

Kurz und Kopf nahmen im Anschluss an die Präsentation mit Journalisten und Kamerateams auch an einem der Wertekurse des Integrationsfonds teil. Der Minister versicherte den Anwesenden, dass niemand von ihnen erwarte, ihre eigene Kultur zu vergessen. Es sei aber auch nötig, sich auf die österreichische Kultur einzulassen.