Alfons Mensdorff-Pouilly vor seinem Anwesen in Luising.

© KURIER/Jeff Mangione

Wer ist dieser Graf Ali eigentlich?
12/20/2015

Mensdorff-Pouilly: "Bin nicht der Einstein der Korruption"

Die Schonzeit für den Jäger ist vorbei. Seit Jahren von Justiz gejagt - nun zu drei Jahren Haft verurteilt.

Luising im Südburgenland. Verschlafene Grenzdörfer existieren viele, doch keines (mit Ausnahme derzeit von Spielfeld) ist so in aller in Munde wie dieses. Das verdankt die 135-Seelen-Gemeinde vor allem einer Person – dem launigen Alfons Eduard Alexander Antonius Maria Andreas Hubertus Christoph Grafen von Mensdorff-Pouilly (62). Fast ebenso lang sind seine Berufsbezeichnungen: Berater, Jagdorganisator, Landwirt und Truthahnzüchter. Er stammt aus einem verarmten Adelsgeschlecht. Seine Mutter, die Adelige Ilona Erdödy, verfügte in Ungarn über große Ländereien.

In seinem Fertigteilschloss (er selbst nennt das Anwesen vor Gericht "Glumpert" und schätzt es auf eine Million Euro) empfängt der Gutsherr seine Gäste in lockeren Lederhosen und Trachtensakko. Im Interieur dominiert der englische Landhausstil. Grüne Tapeten und üppige Vorhänge im Salon. Da ein ausgestopftes Murmeltier, dort Rothirsch- oder Gnu-Trophäen. Die Zähne des Wildschweins sind in silber gerahmt. Auf dem stillen Örtchen sammelt Mensdorff Trophäen aus seinem anderen Leben – wo er Millionengeschäfte als Berater anbahnt. Da hängt gerahmt die Einladung zum Korruptions-Clubbing der Grünen im Wiener Volksgarten. Vom Cover lachen Graf Ali, Grasser und Meischberger. Vis-à-vis hat er zahlreiche Karikaturen und Fotomontagen von sich selbst hinter Gittern montiert. Dieses Szenario ist nun keine Parodie mehr, sondern kann Realität werden.

"Läuft besser denn je"

Der Graf bewohnt im Schloss angeblich nur ein Zimmer. Der Rest dient dem nach wie vor florierenden Jagd-Business. "Ich selbst habe mit einem saftigen Rückgang gerechnet. Zur Unterstützung des Neids und der Missgunst kann ich nur sagen: Es läuft besser denn je. Eine Telekom-Jagd nehmen jetzt zwei Baumeister", erzählt er in einem KURIER-Interview im Vorjahr. Allerdings von Beratungen für Unternehmen, die im Eigentum der Republik stehen, lässt er die Finger weg. "Eine Dummheit muss ja nicht zwei Mal machen", so der Landadelige.

In der Welt von Mensdorff-Pouilly weht noch ein Hauch von k.u.k.-Monarchie. Weilt der imposante, 1,95 m große Mensdorff in der pannonischen Grafschaft, wird (wie bei der Queen) als Zeichen seiner Anwesenheit die Fahne mit dem Familienwappen (ein blauer Löwe auf silbernem Grund) am Dach seines Fertigteilschlosses gehisst. "So wissen die Bauern, ob ich da bin. Für sie steht meine Tür immer offen. "

Und dank des schillernden Grafen ist seit Jahren in Luising immer etwas los: Zuerst pilgerten Politiker und Spitzenmanager zur Jagd und zum Netzwerken ins Schloss. Als die ersten Korruptionsvorwürfe auftauchten, folgten die Ermittler und im Schlepptau die Medien. Den Grafen, der die Lässigkeit für sich gepachtet hat, ließ das alles jahrelang kalt. "Ich bin nicht der Einstein der Korruption. Glauben Sie wirklich, dass, wenn man am Jagdstand zusammensitzt, der eine zum anderen sagt: ,Du, komm, machen wir jetzt eine krumme Sache.‘ Wenn man etwas Krummes machen will, trifft man sich eher alleine am Donauufer und nicht auf der Jagd."

"Shit happens"

Am Montag war Schluss mit Alis blaublütiger Gelassenheit. Da verdonnerte das Gericht Graf Ali wegen Beihilfe zur Untreue zu drei Jahren Haft (nicht rechtskräftig) und zur Rückzahlung von 1,1 Millionen Euro(der KURIER berichtete). "Shit happens. Aber der Kampf geht weiter", kommentierte Mensdorff das Urteil gegenüber dem KURIER. Um den Landgrafen in die Mangel zu nehmen (beim ersten Prozess wegen Geldwäsche gab es einen Freispruch), musste die Justiz alle juristischen Schachzüge auspacken. Mit dem Delikt der Bestechung kam sie nicht durch, also wählte die Staatsanwaltschaft Beihilfe zur Untreue. Der "Trick": Die Justiz musste nicht nachweisen, ob Mensdorff Schmiergelder mit dem 1,1-Millionen-Telekom-Honorar gezahlt hat, sondern nur, ob es für die stolze Entlohnung in der Blaufunk-Causa auch eine entsprechende Leistung gab. Die Sachverständiger kamen zu einem desaströsen Urteil. Hier ging der Sack zu. Graf Alis Intimfeind, der grüne Abgeordnete Peter Pilz, ist in Feierlaune. "Mensdorff und Grasser gehörten zur Kaste der Unberührbaren. Das ist nun vorbei." Mensdorff hingegen hofft, dass der Oberste Gerichtshof das Urteil aufhebt oder senkt.

Hochzeitstag gefeiert

Doch wer ist dieser schillernde Mensdorff-Pouilly eigentlich? Was macht den Jägermeister zu jenem Original, der selbst von Burg-Stars wie Nicholas Ofczarek parodiert wird? Gerade weil er wie eine Nestroy-Figur wirkt, weil bei ihm ein k.u.k.-Touch mitschwingt, traut man ihm schräge Machenschaften eigentlich nicht zu. Für Pilz hingegen ist es die Tarnung für seinen wahren Beruf als "Geldzahlungsflusstechniker". "Hinter dem Graf-Bobby-Image steckt ein eiskalter Geldkoffer-Träger", so Pilz.

Von Schmiergeldern will Mensdorff nichts wissen ("Ich habe nie bestochen"), aber (angebliche legale) Geldlieferungen im Kuvert gibt Mensdorff vor Gericht zu. Sein Cousin lieferte 27 gut gefüllte Kuverts mit einem Gesamtwert von vier Millionen Euro von einem Bankhaus zu Mensdorff. "Ich hab’ mit meiner Fresse nicht regelmäßig in der Bank in Erscheinung treten wollen", erklärte er die Botendienste.

Mensdorff-Pouilly polarisiert bewusst. Die einen lieben den Landmacho, die anderen verabscheuen ihn dafür. Seine Noch-Gattin, die Ex-Frauenministerin Maria Rauch-Kallat, nahm es sogar hin, dass er sie in aller Öffentlichkeit "meine Alte" nannte. Von Rauch-Kallats Prestigeprojekt, der neuen Nationalhymne mit Töchter-Text, hält er nicht viel. In der Vorwoche wurde die Trennung des Paares bekannt. Verheiratet bleiben sie trotzdem. "Wir haben diese Woche sogar gemeinsam Hochzeitstag gefeiert." Lebensmenschen ist wahrscheinlich der neue Beziehungsstatus. Kein Wunder, dass es keinen Rosenkrieg gibt, behaupten doch Insider, dass "Mary" die Eintrittskarte für Ali in das ÖVP-Netzwerk war.

Als die Ehe noch besser lief, besuchte Rauch-Kallat Ali auch in der U-Haft. In der Warteschlange hatte sie den Hut stets tief ins Gesicht gezogen. Trotzdem passierte es, dass sie erkannt wurde und ein Besoffener laut "Frau Minister" schrie.

Zwei Mal durfte Mensdorff schon Erfahrungen hinter Gitter sammeln. 2009 wurde er wegen des Verdachts der Falschaussage in U-Haft genommen. Gleichzeitig war auch Helmut Elsner im Häf’n. Ali zeigte sofort Leadership. Wurde zum Stockschreiber, nahm die Einkaufswünsche der Mithäftlinge entgegen und spielte mit "Generaldirektor Elsner" Schach. Weniger lustig war es ein Jahr später in England. Eine Woche saß er im Jänner 2010 ein. Er bekam zwar über 400.000 Euro Entschädigung, aber nach der Entlassung klagte der Graf, dass die Einwegrasierer gebraucht waren und die Unterwäsche nicht gepasst habe. "Haft ist nie lustig. Wenn ich es mir aussuchen könnte, dann würde ich Österreich wählen. Als Ausländer in England – da hauen sich alle Engländer auf ein Packel." Keine Frage, die Justiz würde diesem Wunsch gerne nachkommen.

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