Anton Zeilinger neuer ÖAW-Präsident

PK " KIRCHLICHE PÄDAGOGISCHE HOCHSCHULE WIEN/KREMS
Foto: APA/HERBERT PFARRHOFER Anton Zeillinger Professor für Experimentalphysik.

Der Quantenphysiker folgt auf Helmut Denk.

Für die einen ist er Österreichs Superstar der Wissenschaft, für die anderen wegen seiner häufigen öffentlichen Präsenz ein Selbstdarsteller. Außer Streit steht: Der Experimentalphysiker Anton Zeilinger (67) ist einer der raren heimischen Wissenschafter, deren Arbeiten die Aufmerksamkeit der Elite der internationalen Scientific Community gewiss sind. Zugleich versteht er es wie wenige andere, seine hoch komplizierte Arbeit anschaulich und in verständlicher Sprache auch einem Laienpublikum zu erschließen. Nun rückt der Forscher an die Spitze der altehrwürdigen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) - an deren Spitze muss er nun seinen Forscherkollegen seine Vorstellungen als ÖAW-Chef vermitteln.

"Mr. Beam", "Quantenpapst", "Popstar der Naturwissenschaft", "Hexenmeister aus Wien" - Anton Zeilinger, der mit ergrautem Rauschebart und krausem Haar perfekt dem Wissenschafterklischee zu entsprechen scheint, genießt trotz seines komplizierten Fachs große Popularität. Als Hauptgrund dafür nannte einmal die "Zeit", dass Zeilinger "Begeisterung vermitteln kann, weil er selbst ein Begeisterter ist".

Publicitygier scheint dabei nie ein Beweggrund für Zeilingers Vermittlungsarbeit gewesen zu sein, für die ihn der Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten bereits 1996 zum "Wissenschafter des Jahres" ausgezeichnet hat. Vielmehr ist es der Enthusiasmus für sein Fach. Und so erklärte der vielfach ausgezeichnete Physiker sogar dem Dalai Lama die (Quanten-)Welt, diskutiert mit Nobelpreisträgern den Sinn des Lebens und wurde immer wieder selbst für höhere (Nobelpreis-)Weihen gehandelt. Und das alles in vergleichsweise kurzer Zeit: Es liegt gerade einmal 15 Jahre zurück, als der Physiker 1997 mit seinen Teleportations-Experimenten den Durchbruch schaffte und sich in die Schlagzeilen "beamte".

Für die Forschung

Zeilinger wurde am 20. Mai 1945 in Ried im Innkreis (OÖ) geboren. Er studierte Physik und Mathematik an der Universität Wien, hat dabei aber "keine einzige Stunde eine Vorlesung zur Quantenphysik besucht". Er musste sich sein Wissen aus Büchern aneignen, wie er in seinem Werk "Einsteins Schleier" (2003) schreibt. Seine Doktorarbeit machte er am Atominstitut bei Helmut Rauch, dem "Urvater der Quantenoptik in Österreich" (so ein ehemaliger Schüler), wo er nach der Promotion (1971) als Assistent arbeitete. In diese Zeit fielen auch erste Forschungsaufenthalte im Ausland, u.a. am Massachusetts Institute of Technology (MIT) bei dem späteren Nobelpreisträger Clifford G. Shull (1994).

Weitere Auslandsaufenthalte folgten, ehe er 1990 in seine Heimat zurückkehrte, als Ordinarius der Universität Innsbruck. 1998 wechselte er an die Uni Wien und leitet seither dort das Institut für Experimentalphysik. 2003 gründete er außerdem gemeinsam mit Physiker-Gruppen der Universität Innsbruck um Rainer Blatt, Rudolf Grimm und Hans Briegel das Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) der ÖAW, dessen wissenschaftlicher Leiter er auch ist. Erfahrungen als "Wissenschaftsfunktionär" sammelte Zeilinger auch als Physik-Dekan der Uni Wien.

Fachlich gilt Zeilinger unter Kennern vor allem als begnadeter Experimentator, dem es in ausgefeilten Versuchen gelingt, neue Zusammenhänge aufzudecken und gängige Theorien zu bestätigen oder zu widerlegen, wobei er sich auch immer wieder an Grundfragen der Quantenphysik vorwagt. Er arbeitet damit in einem der spannendsten und am schnellsten wachsenden Bereiche der Physik.

Mehr Rampenlicht

Zeilinger will die wissenschaftliche Expertise seiner Einrichtung verstärkt in aktuelle Debatten einbringen: "Die Akademie soll noch stärker als bisher in der Öffentlichkeit auftreten, vor allem zu aktuellen Fragen", so Zeilinger zur APA. "Wir haben eine unglaubliche Expertise, davon kann das Land nur profitieren." In den angloamerikanischen Ländern würden die vergleichbaren Einrichtungen viel stärker in der Diskussion wahrgenommen: "Das ist bei kontinentaleuropäischen Akademien noch nicht der Fall."

Seine Vorstellungen zur organisatorischen Zukunft der ÖAW will Zeilinger vorläufig noch nicht präsentieren. Der derzeit laufende Reformprozess an der ÖAW müsse aber weitergehen. Im vergangenen Herbst wurde von den ÖAW-Mitgliedern der Grundsatzbeschluss gefasst, Gelehrtengesellschaft und Forschungsträgereinrichtung zu trennen, das gemeinsame Dach ÖAW allerdings zu erhalten. "Gelehrtengesellschaft und Institute sollten im Tagesgeschäft nicht vermischt werden", meinte auch Zeilinger.

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (V) wünschte sich in einer Aussendung, dass Zeilinger die beschlossene Neustrukturierung in der ÖAW "tatkräftig im Sinne der Stärkung der ÖAW" fortsetzt. Dies solle unter dem Motto "viribus unitis" - also mit vereinten Kräften - passieren.

(apa / lm) Erstellt am
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