Politik | Inland
17.08.2015

Affäre Mader: Homestory über Gratis-Wohnung

Rechnungshof soll Förderungen prüfen - Tiroler ÖVP stellt Mitgliedschaft Maders ruhend.

Am vergangenen Wochenende hatte sich auch Tirols Landeshauptmann und ÖVP-Chef Günther Platter dazu genötigt gesehen, Stellung zu beziehen. Alt-Landtagspräsident Helmut Mader ( ÖVP) solle in der Causa um seine Gratis-Wohnung alles öffentlich machen. Der wohnt, wie berichtet, mietfrei auf 188 Quadratmetern in einem ehemaligen Schülerheim - dem sogenannten "Technikerhaus" in Innsbruck.

Wie es sich dort für den ÖVP-Granden lebt, zeigt die Kopie einer Homestory der "Tirolerin" aus dem Jahr 2008, die der Tiroler Blogger Markus Wilhelm am Montag auf seiner Seite veröffentlicht hat. Der Internetaktivist hatte die Affäre mit seinen Recherchen ins Rollen gebracht. Demnach erhielt Politpensionär Mader 2009 ein lebenslanges und kostenloses Wohrecht in dem Heim für HTL-Schüler. Der Betrieb wurde wenig später eingestellt, das Haus verkauft. Mit drastischen Worten kommentierte Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter ( ÖVP) die Affäre in seinem Heimat-Bundesland gegenüber der Tiroler Tageszeitung (Montagsausgabe): "Das ist schlimmstes unanständiges Bonzentum der übelsten Art und durch nichts zu entschuldigen."

Sonderprüfung veranlasst

Die Landesregierung hat nun eine Sonderprüfung des Landesrechnungshofs beschlossen. Der soll die Förderungen des Landes an den Verein " Technikerhaus" überprüfen, dessen Obmann Mader von 1964 bis 2013 war, und der das Schülerheim leitete. Allein zwischen 2002 und 2011 flossen 767.000 Euro an Landesmitteln. Eine vergangene Woche ausgehobener Kontrollamtsbericht der Stadt Innsbruck zeigt zudem, dass das Land zwischen 1993 bis 1995 rund 273.000 Euro zuschoss, die Stadt im selben Zeitraum rund 174.000 Euro.

Der Bericht hat aber auch die Rechtfertigungen der Familie Mader für das eingeräumte Gratis-Wohnrecht zum Einsturz gebracht. Gerhard Mader, Sohn des Ex-Politikers, hatte damit argumentiert, dass sein Vater einerseits 200.000 bis 300.000 Euro in den angeblich wertsteigernden Ausbau der Wohnung gesteckt habe und außerdem "jahrzehntelang den Gratis-Heimleiter gemacht" habe.

Bezahltes "Ehrenamt"

Tatsächlich hat Mader, wie berichtet, für das vermeintliche "Ehrenamt" laut dem Prüfbericht eine monatliche Aufwandsentschädigung von 1090 Euro erhalten. Die stellte der Politiker erst ruhend als er 1989 vom ÖVP-Klubobmann zum Landesrat aufstieg. Ab dieser Zeit bezahlte Mader auch erstmals Miete (363 Euro) im "Technikerhaus", in dem er seit 1964 (zunächst in einer kleineren Wohnung) lebt.

Das "Ehrenamt" wurde im Verein "Technikerhaus", der das Schülerheim leitete, recht frei interpretiert. Neben Mader hatten laut Kontrollamtsbericht noch drei Amtswalter eine Dienstwohnung und erhielten ebenfalls Aufwandsentschädigungen. "Die betreffenden Personen üben ihre Funktionen zwar grundsätzlich ehrenamtlich aus, erhalten aber für ihre Tätigkeit monatlich eine vom Obmann festzulegende freiwillige Prämie", heißt es dazu in dem Bericht.

Mitgliedschaft ruhend gestellt

Am Montag entschied das ÖVP-Präsidium auf Antrag von Landesparteiobmann Günther Platter, die Parteimitgliedschaft Maders "bis zur Aufklärung aller Vorwürfe ruhend zu stellen", teilte die Landespartei in einer Aussendung mit.

"Es stehen mehrere offene Fragen im Raum, die nicht nur Helmut Mader, sondern der Partei und der Politik insgesamt massiven Schaden zufügen und die nur Mader selbst aufklären kann", erklärte Platter. Trotz "klarer Aufforderungen" seinerseits habe Mader "bisher verabsäumt, selbst zur Angelegenheit Stellung zu beziehen und so zur Aufklärung beizutragen", kritisierte der Tiroler Landeshauptmann.