Politik | Inland
23.01.2018

Ärztemangel: Können Ärzte aus dem Ausland die Lösung sein?

Warum Österreich so streng ist bei der Anerkennung – und wie Lösungsvorschläge aussehen.

Als Thomas Szekeres jüngst gefragt wurde, ob Österreich bei der beruflichen Anerkennung ausländischer Ärzte nicht liberaler sein müsste, um allfällige personelle Engpässe zu bewältigen, da antwortete der Präsident der Ärztekammer mit einem klaren Nein: Die "Nostrifikation" solle bleiben wie gehabt.

Wie streng soll man bei der Anerkennung nun sein? Und wie passt Szekeres’ Haltung mit dem kolportierten Ärzte-Mangel zusammen? Der KURIER beantwortet die drängendsten Fragen.

Gibt es in Österreich einen Ärztemangel?

Nein, zumindest nicht laut Hauptverband der Sozialversicherungsträger. "Sowohl was die Zahl der Ausgebildeten als auch die der Praktizierenden angeht, haben wir im EU-Vergleich eine hohe Dichte", sagt Alexander Biach, Vorstandsvorsitzender des Hauptverbandes. Laut internen Zahlen kommen in Österreich auf 1000 Einwohner statistisch gesehen 5,1 Ärzte. Damit liegt Österreich hinter Griechenland (6,3) auf Platz 2 (Deutschland: 4,1, EU-Schnitt: 3,5). Thomas Szekeres, hält dem entgegen, dass die OECD bei derartigen Vergleichsstudien keinen Unterschied zwischen Halbtags- und Vollzeit-Ärzten mache und Ärzte in Ausbildung mitrechne.

Wenn es keinen Ärztemangel gibt, warum dauert es in einzelnen Gemeinden mitunter Monate, um Jung-Ärzte für Kassenstellen zu finden?

Junge Ärzte haben nicht weniger Interesse an Kassenarztstellen. Aber sie interessieren sich grundsätzlich weniger für die Arbeit als Landarzt. Die Sozialversicherung will gegensteuern, indem man prüft, ob Hausärzte am Land mehr tun und abrechnen dürfen (Labor, Kinder-Untersuchungen, etc.). Zusätzlich sollen "Lehrpraxen" (Schnuppern bei Hausärzten) forciert und Erleichterungen für Ärzte geschaffen werden, die im Team arbeiten wollen. Insgesamt ist das Problem aber – noch – kein Massen-Phänomen. Von den 3908 Kassenstellen für Hausärzte gab es zuletzt bei weniger als einem Prozent Schwierigkeiten bei der Nachfolge.

Ist Österreich zu streng bei der Anerkennung ausländischer Studien?

"Innerhalb der EU wird jedes Medizin-Studium in Österreich anerkannt", sagt Gerhard Zlabinger von der Medizin Uni Wien. Zlabinger ist für Nostrifikation und Kurrikulum zuständig. Die Behauptung, dass etwa Deutschland liberaler sei, kann er so nicht bestätigen: "Auch in Deutschland gibt es ein zweistufiges Anerkennungsverfahren. Und das ist dem unseren durchaus ähnlich."