Politik | Inland
31.03.2017

49 Übergriffe auf Asyleinrichtungen im Jahr 2016

Täter meist unbekannt. Ebenso viele Attacken von Flüchtlingen auf Betreuer, wie Innenministerium bekannt gegeben hat.

Im Jahr 2016 gab es 49 strafrechtlich relevante Übergriffe gegen Asyleinrichtungen in Österreich. Das geht aus einer Anfragebeantwortung des Innenministeriums gegenüber den Grünen hervor. Ebenso viele Zwischenfälle gab es, was Attacken auf Betreuungspersonen durch Flüchtlinge betrifft.

Vom Steinwurf bis zur Brandstiftung

Die Bandbreite der Taten gegen Unterkünfte reicht von Schmieraktionen, Paintballbeschuss oder Steinwürfen bis zur Brandstiftung, dem Aufschneiden von Gasschläuchen und dem Werfen von Molotowcocktails. Insgesamt kommt der Grüne Justizsprecher Albert Steinhauser auf 44 Fälle, bei denen klar Hasskriminalität dahinter stecke. Im Jahr 2015 waren es nur 25 Fälle, sagte er am Donnerstag zur APA.

Täter selten ausgeforscht

Beunruhigend sei, dass in nur wenigen Fällen der oder die Täter ausgeforscht werden konnten. Bei 77 Prozent seien sie unbekannt. In der Aufklärungsquote stecke aber die Prävention der Zukunft. "Das wichtigste ist, dass das Innenministerium diese Delikte ernst nimmt und alle Anstrengungen unternimmt, die Täter auszuforschen. Das sind nicht Lausbubenstreiche, das muss klar sein", unterstrich Steinhauser. Niemand wolle eine Situation wie in Deutschland, wo es zuletzt rund 900 entsprechende Delikte gegeben habe.

Gewalt und Stalking gegen Betreuer

Bei den Attacken gegen Betreuungspersonen listet das Ministerium ebenfalls 49 Zwischenfälle auf, und zwar (bis auf einen externen Fall) ausschließlich durch dort betreute Personen. Es geht um Tötungsdrohungen, Gewaltausbrüche, aber auch Stalking und Vandalismus.

Überrascht sei er davon nicht, meinte Steinhauser, schließlich sei die Arbeit in einer Flüchtlingsunterkunft als herausfordernd bekannt. Auffällig sei, dass 20 Fälle Minderjährige betreffen.

"Anschauen, was die Ursachen sind"

"Man muss sich genau anschauen, was die Ursachen sind", so der Justizsprecher. "Wir vermuten stark, dass Traumatisierungen, Kriegserfahrungen und extreme Gewalterfahrungen eine Rolle spielen." Bei den unbegleiteten Minderjährigen komme der Verlust Familie, aber wohl auch das Faktum der Pubertät hinzu. Auf jeden Fall müsse die psychologische Betreuung verbessert werden.

Aufgrund der Zahlen zu behaupten, dass alle Flüchtlinge Kriminelle seien, sei jedenfalls der falsche Schluss, betonte Steinhauser und verwies auf die Relation der rund 50 angezeigten Übergriffe zu den Zehntausenden Flüchtlingsankünften in Österreich im Vorjahr.