Politik | Inland
02.05.2017

1,5 Millionen Österreicher von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen

Stöger will Förderung älterer Arbeitsloser, Rendi-Wagner pocht auf Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab erstem Lebensjahr.

In Österreich ist das Armutsrisiko geringer als im EU-Schnitt. Auch hat sich die entsprechende Gefährdung in den vergangenen Jahren reduziert. Dennoch sind immer noch 1,5 Millionen Menschen bzw. 18 Prozent der Bevölkerung von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen, zeigt die aktuelle EU-Vergleichsstatistik SILC, die am Dienstag präsentiert wurde.

Gegenlenken will das SPÖ-Regierungsteam mit der Förderung besonders betroffener Gruppen. So plädierte Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) bei der Berichts-Präsentation einmal mehr dafür, die Aktion 20.000 für ältere Langzeitarbeitslose nun auch tatsächlich umzusetzen. Frauenministerin Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) setzt auf einen Ausbau der Kinderbetreuung inklusive Rechtsanspruch ab dem ersten Lebensjahr, um die Erwerbsbeteiligung von Müttern zu erhöhen.

Warum hier Handlungsbedarf besteht, zeigen die von Statistik-Austria-Direktor Konrad Pesendorfer präsentierten Daten. Demnach sind Frauen öfter von Armut und Ausgrenzung betroffen als Männer und Jugendliche (42:32:23 Prozent). Auffällig ist, dass je mehr Kinder vorhanden sind, umso größer die Gefährdung ist, speziell wenn die Frau keiner Erwerbstätigkeit nachgeht. Auch zeigt sich, dass mehr Probleme auftreten, wenn die Kinder noch im Vorschulalter sind.

Für Rendi-Wagner ist dies Anlass, neben dem zweiten Gratis-Kindergartenjahr, das ab 2018 gelten soll, den massiven Ausbau der Kinderbetreuung vor allem bei den Unter-3-Jährigen zu forcieren. Ebenfalls drängt sie auf bessere Öffnungszeiten und weniger Schließtage.

Stöger wiederum will die Umsetzung der in der Koalition festhängenden Aktion 20.000, mit der Langzeitarbeitslose in gemeinnützigen Organisationen oder Gemeinden geförderte Arbeitsplätze finden sollen. Der Sozialminister verwies darauf, dass 79 Prozent aus dieser Gruppe sozial gefährdet seien, daher entsprechende Maßnahmen gesetzt werden müssen.
Insgesamt stellt sich die Situation in Österreich so dar, dass 18 Prozent der Bevölkerung gemäß EU-Berechnung als armuts- oder ausgrenzungsgefährdet gelten. Das ist ein minimaler Rückgang gegenüber 2015, wo 18,3 Prozent zu der Gruppe gezählt wurden. Immerhin, der Wert lag auch schon einmal wesentlich höher, etwa 2008 mit 20,6 Prozent. Interessant ist der internationale Vergleich: Während in Österreich die Gefährdungsquote in diesem Zeitraum um 2,6 Prozent abnahm, blieb sie in der EU gesamt bei 23,7 Prozent stecken.
Das Land, in dem das Risiko zu verarmen am geringsten ist, ist laut der Erhebung Tschechien, gefolgt von Schweden und den Niederlanden. Während Österreich gleichauf mit Frankreich auf Rang sechs rangiert, ist die Armutsgefährdung in Griechenland, Rumänien und Bulgarien am höchsten. Dort sind zwischen knapp 36 ( Griechenland) und gut 41 Prozent ( Bulgarien) von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen.

"Materielle Deprivation" zurückgegangen

Als erfreulich hervorgehoben wurde bei der Präsentation, dass in Österreich die sogenannte "materielle Deprivation" besonders stark zurückgegangen ist. So waren 2016 zwar 23 Prozent nicht imstande unerwartete Ausgaben zu tätigen, 2008 aber noch 29 Prozent. Noch stärker ist die Verbesserung, was die Möglichkeit eines Urlaubs angeht. 2008 verneinten noch 28 Prozent, 2016 waren es nur noch 15 Prozent.

Arbeitslosenquote in EU: Österreich auf Platz 10 zurückgefallen

Die Arbeitslosigkeit in der EU-28 ist leicht von 8,1 Prozent im Februar 2017 auf 8,0 Prozent im März 2017 gesunken. Im Euroraum lag die saisonbereinigte Arbeitslosenquote im März 2017 unverändert gegenüber dem Vormonat bei 9,5 Prozent. Österreichs Quote blieb mit 5,9 Prozent unverändert, unter den 28 EU-Staaten fiel die Alpenrepublik aber von Rang neun auf Rang zehn zurück.

Im Dezember 2016 hatte Österreich noch Rang acht belegt. Vor einigen Jahren noch hatte Österreich monatelang die Bestenliste mit der geringsten Arbeitslosigkeit in der EU angeführt.

Die niedrigste Rate im März weist nach Angaben des EU-Statistikamts Tschechien mit 3,2 Prozent auf. Dann folgen Deutschland (3,9 Prozent), Malta (4,1 Prozent), Ungarn (4,3 Prozent), Großbritannien (4,5 Prozent), die Niederlande (5,1 Prozent), Polen und Rumänien (je 5,3 Prozent), sowie Estland (5,5 Prozent).

Hinter Österreich rangieren Luxemburg (6,0 Prozent), Dänemark (6,2 Prozent), Irland (6,4 Prozent), Bulgarien und Schweden (je 6,6 Prozent), Belgien (6,9 Prozent), Slowenien (7,6 Prozent), Litauen (8,1 Prozent), die Slowakei (8,4 Prozent), Finnland (8,8 Prozent), Lettland (9,0 Prozent), Portugal (9,8 Prozent), Frankreich (10,1 Prozent), Kroatien (11,3 Prozent), Italien (11,7 Prozent), Zypern (12,5 Prozent), Spanien (18,2 Prozent) und Griechenland (23,5 Prozent).

Im März 2016 lag die Arbeitslosenquote in der EU-28 noch bei 8,7 Prozent, im Euroraum noch bei 10,2 Prozent. Über ein Jahr betrachtet sank die Arbeitslosenquote in 23 Mitgliedstaaten, in Frankreich und Österreich blieb sie unverändert, während sie in Dänemark (von 6,0 Prozent auf 6,2 Prozent stieg), Italien (von 11,5 Prozent auf 11,7 Prozent) und Litauen (von 8,0 auf 8,1 Prozent) anstieg. Die stärksten Rückgänge gab es in Kroatien (von 14,0 Prozent auf 11,3 Prozent), Portugal (von 12,0 Prozent auf 9,8 Prozent), Spanien (von 20,3 Prozent auf 18,2 Prozent) und Irland (von 8,3 Prozent auf 6,4 Prozent).

Insgesamt waren im März 2047 in der EU-28 insgesamt 19,716 Millionen Männer und Frauen arbeitslos, davon 15,515 Millionen im Euroraum. Im Jahresvergleich bedeutet dies einen Rückgang der Zahl der Arbeitslosen um 1,647 Millionen (EU-28) und im Euroraum um 991.000.

Auch die Jugendarbeitslosigkeit sank sowohl in der EU-28 als auch im Euroraum. Im März 2017 lag die Quote in der EU-28 bei 17,2 Prozent und im Euroraum bei 19,4 Prozent gegenüber 19,1 Prozent bzw. 21,3 Prozent im März 2016. Die niedrigsten Quoten verzeichneten Deutschland (6,7 Prozent), die höchsten Quoten hatten Griechenland (48,0 Prozent im Jänner 2017), Spanien (40,5 Prozent) und Italien (34,1 Prozent). In Österreich waren 10,6 Prozent der Personen unter 25 Jahren arbeitslos. Insgesamt waren in der EU-28 3,883 junge Menschen ohne Job, im Euroraum 2,727 Millionen.