Politik 14.04.2012

"Ich überlege, aus der Kirche auszutreten"

Eva-Maria Mahrer im Interview: Sie hatte eine Beziehung mit dem Pfarrer von Stützenhofen.

Eva-Maria Mahrer hat die Moral in der katholischen Kirche demaskiert. Seit sie im KURIER "gebeichtet" hat, eine Beziehung mit dem Pfarrer von Stützenhofen, Gerhard Swierzek, geführt zu haben, ist in die alte Debatte um den Zölibat neuer Schwung gekommen.

KURIER: Frau Mahrer, wie geht es Ihnen nach Ihrer "Beichte"?

Eva-Maria Mahrer: Ich muss sagen, es ist sehr anstrengend. Das Medieninteresse war groß. Ich bekomme sehr viele positive Rückmeldungen. Fremde Leute rufen mich an, und gratulieren zu meinem Mut. Natürlich habe ich auch ein paar negative eMails bekommen, wo Leute meinen, ich wolle berühmt werden. Aber solche Leute gibt es immer.

Haben Sie schon etwas bewegt?

Ich glaube schon. Es war meine Absicht, etwas zu bewegen. Wenn ich nicht so offensiv in die Öffentlichkeit gegangen wäre, hätte das nie so ein Interesse ausgelöst. Und wenn ich den Frauen, die jetzt im Geheimen mit Priestern zusammenleben, Mut zusprechen konnte, dann freut mich das.

Hat die Kirche ohne Zölibat eine Chance?

Natürlich. Der Zwangszölibat ist unmöglich, eine Folter. Er kann nichts Positives bewirken. Was soll einer tun, der sich nach einer Frau, nach Kindern, vielleicht auch nach Sexualität sehnt? Und es ist ja auch in der Seelsorge ein Problem.

Warum?

Ein Seelsorger soll ein junges Ehepaar vor der Hochzeit beraten, oder bei Eheproblemen helfen. Aber wie kann ein Mensch, der überhaupt keine Erfahrung hat mit Partnerschaft, Ratschläge erteilen? Das sind dann nur Formeln. Man darf nicht sündigen, man muss beichten. Dann betet man zehn Rosenkranz und alles ist wieder gut? Wo fängt die Sünde an und wo hört sie auf?

Wie halten Sie es mit der Kirche? Sind Sie gläubig?

Ich trenne Kirche und Glauben streng. So wie sie jetzt ist, ist die Kirche nicht mehr diskutabel. Ich überlege schon länger, aber jetzt werde ich wohl austreten.

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Erstellt am 14.04.2012