Politik 05.12.2011

Hunderte gefälschte eMails aus der SPÖ-Zentrale

© Bild: APA

In der SPÖ-Zentrale unter Laura Rudas werden Briefe gefälscht. Auch der KURIER hat Leserbriefe von Fantasie-Menschen bekommen.

Peter Dörner" ist angeblich Pensionist und findet Werner Faymanns Auftritte bei ORF-Pressestunden "rhetorisch als auch inhaltlich 1A"; "Bert Ilsmann" wohnt angeblich in Baden und ist heilfroh, "dass Faymann es geschafft hat, trotz heftiger Budgetsanierungspläne neue Massensteuern abzuwenden"; und für "Christine Steinkellner" aus Wien ist Faymann der beste Kanzler, weil er sich "mit all seiner Kraft für die Ärmsten der Armen einsetzt".

Die Figuren Dörner, Ilsmann und Steinkellner haben vieles gemein: Sie sind uneingeschränkte Fans der SPÖ-Politik, man findet sie weder im Telefonbuch, noch hebt jemand bei den von ihnen in eMails erwähnten Telefonnummern ab. Und vor allem: Sie schicken ihre eMails allesamt über einen Server, der zur Bundesparteizentrale der SPÖ in der Wiener Löwelstraße 18 gehört.

Video: "Kanzler"-Lied erregt Aufsehen

Zumindest 393 eMails, die unter falschem Namen vermutlich von Mitarbeitern der Löwelstraße auf den Weg geschickt wurden, haben allein das Leserservice des KURIER in den vergangenen zwei Jahren erreicht. Die Erklärung der SPÖ lautet so: Die SPÖ leiste sich einen einzigen Internet-Anschluss nach "draußen", sprich ins Netz. Deshalb verfügten 700 bis 800 Stellen in der Partei über die selbe IP-Adresse - und es sei daher unmöglich nachzuvollziehen, wer die falschen Faymann-Fan-Mails verfasst hat.

"Wir brauchen keine Jubel-Leserbriefe aus den eigenen Reihen, das ist nicht unsere Methode", sagt SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas. Allein der nun dokumentierte Aufwand spricht dagegen: Fast 400 eMails mit falschen Namen, Adressen und Telefonnummern? Welcher Scherzbold tut sich das an?

Kosten

Für die SPÖ und Rudas wird die Sache zunehmend unangenehm. Denn ihr obliegt der Außenauftritt der Partei; und die gefälschten Leserbriefe bzw. eMails passen schlüssig zur Aufregung, die jüngst um den Internet-Auftritt des Kanzlers entbrannt ist.

Wie berichtet, ist Faymann seit Ende Oktober auf Facebook und Twitter vertreten; neun Mitarbeiter aus dem Kanzleramt kümmern sich darum. In der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der FPÖ legt Faymann nun die Kosten für seinen Web-Auftritt offen: die Konzeption hat 55.000 Euro gekostet, pro Jahr sind für Facebook & Co. 15.000 Euro allein für das Projektmanagement veranschlagt; die monatlichen Kosten für Wartung und Betrieb betragen noch einmal knapp 2000 Euro. Der Vorwurf lautete: viel Personal, hohe Kosten - trotzdem wenig Resonanz bei "echten" Internet-Konsumenten.

Auch der Boulevard goutiert die rote Praxis so gar nicht. Nachdem beim Gratis-Blatt Heute gefälschte Leserbriefe gelandet sind, wurde Faymann dafür heftig gescholten. Am Mitttwoch nahm Chefredakteur Ainetter seinen Hut.

Kanzler-Song

Weit erfolgreicher als Faymanns echte Web-Aktivitäten ist der "falsche" Kanzler aus dem Internet: Werner Failmann. Seit Wochen ist die Kunstfigur als Faymann-Persiflage auf Facebook und Twitter unterwegs - und hängt den "echten" Kanzler in puncto Fans um Längen ab.

Seit Mittwoch findet sich Failmanns Lied "Kanzler der Herzen" auf You Tube wieder; ab Freitag ist der Song auf iTunes und anderen Download-Plattformen abrufbar. Auszug aus dem Refrain: "Tu' nicht gern regieren, tu' lieber inserieren."

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Erstellt am 05.12.2011