Holocaust-Leugner Honsik wieder auf freiem Fuß

Begründung für die vorzeitige Entlassung Gerd Honsiks (hier beim Prozess im September 2010): "Er wird demnächst 70 Jahre alt und lebt in Spanien bei seiner Familie gut integriert."
Foto: APA/GEORG HOCHMUTH(1)

Gerd Honsik (69) wurde nach zwei Dritteln der Haftzeit auf Bewährung entlassen. Der Grund: Das "hohe Alter" des Häftlings.

Im KZ Dachau mussten sich Gefangene auf den Boden werfen, verschüttet unter den Knochen der anderen, ein Mal am Tag bekamen sie einen Schluck lauwarme Flüssigkeit. Teuflische Experimente wurden mit ihnen angestellt, zum Beispiel mit Malariaerregern. Einer, dem der Fuß abgefroren war, wurde zur Strafe an den Baum gehängt... (aus den Erinnerungen des Wiener Rechtsanwalts Erich Schweinburg im Buch "Sonderzug nach Dachau").

Der bekannteste Leugner dieses Holocausts, Gerd Honsik, fand nun im Oberlandesgericht (OLG) Wien milde Richter. Dem Hobby-Historiker - der schon 1992 wegen Wiederbetätigung verurteilt wurde, aber nach Spanien flüchtete und von dort aus weiter aufhetzte - wurde ein Drittel seiner Strafe geschenkt.

Begründung laut OLG-Sprecher Reinhard Hilger: Honsik sei demnächst 70, bei seiner Familie in Spanien gut integriert und habe vor Augen geführt bekommen, dass ihn auch der Aufenthalt in Spanien vor Strafverfolgung nicht schütze.

Schokolade

Begründung für die vorzeitige Entlassung Gerd Honsiks (hier beim Prozess im September 2010): "Er wird demnächst 70 Jahre alt und lebt in Spanien bei seiner Familie gut integriert." Foto: APA/GEORG HOCHMUTH(1) Begründung für die vorzeitige Entlassung Gerd Honsiks (hier beim Prozess im September 2010): "Er wird demnächst 70 Jahre alt und lebt in Spanien bei seiner Familie gut integriert."

Das freilich kann, wie die Erfahrung zeigt, dauern: Seinerzeit war Honsik wegen seines Buches Freispruch für Hitler? zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt worden und vor Strafantritt geflüchtet. 15 Jahre verbreitete er von Spanien aus unbehelligt weiter sein rechtsradikales Blatt Halt und seine Lügen, dass im KZ niemand vergast worden sei und man Obst und Schokolade an die Häftlinge verteilt habe (siehe Zusatzbericht).

2007 wurde Honsik ausgeliefert und neuerlich verurteilt. Die fünf zusätzlichen Jahre Haft, zu denen ihn ein Geschworenensenat verurteilte, wurden vom OLG auf vier Jahre reduziert. Die Worte des Staatsanwalts, Honsik sei "nicht irgendein kleiner Nazi", sondern DER Holocaust-Leugner, der "das Saatgut für Nachahmer" auslege, verhallten ungehört. Der Berufungssenat befand, Honsiks Wirken wohne keine besondere Gefährlichkeit mehr inne.

Nun also, nach vier abgesessenen Jahren, wurde Honsik (auf Bewährung) vorzeitig entlassen. Staatsanwaltschaft und Vollzugsgericht hatten sich vergeblich dagegen ausgesprochen.

Honsiks wirre Thesen

"Der jüdische Häftling K. wurde in Auschwitz in der Kantinenbaracke höflich gefragt, was er haben will: Käse, Obst oder Schuhcreme."
Honsik in seinem ersten Prozess 1992

"Auschwitz war ein Industriezentrum. Das Giftgas Zyklon B war eine Kostbarkeit und ist nur zur Entlausung des Gewandes verwendet worden, niemals zur Tötung.""
Honsik in seiner rechtsradikalen Zeitschrift "Halt"

"Das ist ein politischer Schauprozess. Ich habe statistisch gesehen nur noch neun Jahre Lebenserwartung, ich habe nichts mehr zu verlieren.
Honsik 2009 im zweiten Prozess

(KURIER / Ricardo Peyerl, Dominik Sinnreich) Erstellt am
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