Hobby-Meteorologen jagen Tornados

Tornados (Symbolfoto) sind in Österreich keine Seltenheit, zerfallen aber meist nach wenigen Minuten.
Foto: ap

Wenn es draußen stürmt und regnet, machen sich bundesweit rund 80 "Stormhunters" mit ihren Videokameras auf die Jagd nach Tornados.

Wenn sich der Himmel über Österreich verfinstert, hat es Hans-Jürgen Pross plötzlich eilig. Denn Unwetter sind das Hobby des Obmanns vom Verein "Stormhunters Austria". "Mit 18 Jahren habe ich begonnen, Gewittern bewusst nachzufahren", erzählt der 25-jährige Pross. Dass das nicht ganz ungefährlich ist, räumt er auch selbst ein: "Gerade am Anfang kann man die Gefahren noch nicht so gut abschätzen. Aber als ich das erste Mal zwischen entwurzelten Bäumen gestanden bin, die der Wind mitgenommen hat, konnte ich nicht mehr aufhören. " Das Jagdfieber hatte den jungen Mann gepackt.

Und er steckte andere damit an. Nach amerikanischen Vorbild rief er die Website www.stormhunters-austria.com ins Leben und stieß damit auf gewaltige Resonanz. 2010 gründete er dann den Verein "Stormhunters". Rund 80 Mitglieder schnappen sich nun zusammen mit Pross bei jedem größeren Unwetter ihre Videokameras und diverse Messgeräte, setzen sich ins Auto und fahren auf direktem Weg zur Gewitterzelle.
Rund 20 Einsätze verzeichnen die Stormhunters pro Jahr. "Tornados, Großhagel und Downbursts passieren häufiger, als man denkt", sagt Pross und übersetzt sein Vokabular für den Laien: "Downbursts sind extreme Abwinde ab 150 km/h. Die können leicht Dächer abdecken."

Fünf Tornados pro Jahr

Doch auch Tornados sind laut Pross keine Seltenheit in Österreich: "Der letzte größere war am 8. Juni in Bisamberg bei Wien. Man kann von rund fünf Tornados pro Jahr in Österreich ausgehen. Die meisten zerfallen allerdings nach wenigen Minuten."

Die Aktivitäten des Vereins interessieren längst auch die Wissenschaft. Der Wetterdienst UBIMET steht in regem Austausch mit den Hobby-Meteorologen und ist dankbarer Abnehmer ihrer vor Ort gesammelten Daten.

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(kurier / Andreas Macho) Erstellt am
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