Politik
05.12.2011

Heute in Österreich: Der König ist nackt

Murdoch schickte im Parlament unfreiwillig die Botschaft aus: "Der König ist nackt." Eine Analyse.

Rupert Murdoch sprach im britischen Parlament von einem "Tag der größten Demut". Demütigend für ihn war dieser Tag auch. Die Botschaft, die er ganz unfreiwillig ausschickte, lautete: "Der König ist nackt."
Auch in der ältesten Demokratie der Erde war das Verhältnis zwischen Teilen der Medien und der Politik auf Angst aufgebaut. Premierminister und Oppositionschefs haben sich vor diesem alten Mann gefürchtet, für den sich jetzt nur mehr Ehefrau und Sohn in die Schlacht werfen.
Auch Ex-Premierminister Tony Blair zitterte vor dem alten Murdoch. Da verliert man noch rückblickend jeden Respekt vor dem erfolgreichen Labour-Politiker. Nach diesem Skandal müssen Politiker und Medien darüber reden, wie sie künftig zusammenleben wollen. Nicht nur in London.

Bei uns gibt es für die Kontakte zwischen Medien und Politik mehrere Spielarten. Der normale Kontakt auf Augenhöhe ist dabei die Ausnahme. Die verlängerte Heurigenbank (samma per Du) ist in dem kleinen Land noch verständlich, andere Formen sind zunehmend unerträglich, von der Unterwürfigkeit (gerne geübt vor ORF -Wahlen) bis zur schlichten Käuflichkeit.

Heute in Österreich

Hier hat sich in den letzten Jahren eine eigene Spielart der gegenseitigen Abhängigkeit entwickelt, die in anderen Demokratien gar nicht möglich ist. Egal, ob in der Schweiz, in England oder in Deutschland - nirgends gibt der Staat so viel Steuergeld für Regierungsinserate aus.
Das ist schon seltsam genug. Aber die Methoden, wie die Millionen eingetrieben werden, sind noch schlimmer und schon lange Gesprächsthema. Die Wiener Stadtzeitung Falter hat eindeutige Aussagen von Abgeordneten und Regierungsmitgliedern veröffentlicht. Da wird geschildert, wie Politiker von Zeitungsmachern bedroht, genötigt und erpresst wurden: Gute Storys gegen viel Geld - oder ein böser Verriss. Ja, solche Methoden gibt es - heute in Österreich - und auch Wirtschaftsunternehmen sind davon betroffen.

Erpresser

Die Aussagen der Betroffenen im Falter klingen für jeden Insider absolut glaubwürdig. Bleibt die Frage, warum die Damen und Herren zu feige sind, klare Angaben über die Erpresser zu machen. Diese Methoden schädigen unsere Demokratie. Sie ruinieren Politik, Wirtschaft und Medien gleichermaßen. Es wird Zeit, dass jemand aufsteht und sagt: "Wir lassen uns nicht mehr erpressen. Der König ist nackt." Der Österreich-Chef eines internationalen Unternehmens ist schon bereit auszusagen, wie er von einem Herausgeber zu Inseraten "gedrängt" wurde. Es muss endlich jemand mit klaren Aussagen beginnen. Wenn der Bann gebrochen ist, werden andere folgen.
Wie können ein Vorstand oder ein Politiker noch mit einer Zeitung reden, wenn ihre Aussagen vielleicht nur nach erfolgter Überweisung ordentlich abgedruckt werden? Die Angst als Politikberater? Schluss damit.
Die Demokratie ist mit jahrhundertelanger Verspätung von den britischen Inseln zu uns gekommen. Die Lehren aus Murdochs Fall mögen schneller reisen.