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Politik
06/02/2012

Hells Angels randalierten

Noch vor Beginn des Welttreffens der Hells Angels bei Graz lösten die Mitglieder der Bikervereinigung Polizeieinsätze aus.

Ein Gastwirt mit gebrochener Nase. Ein Porschefahrer, der sich aus blanker Angst im Auto einsperrte. Ein Bordell, wegen 200 Euro, in Einzelteile zerlegt: Die Hells Angels sind in der Steiermark eingetroffen und sorgten schon vor dem offiziellen Start für Angst und Schrecken. Berichte von einer weiteren gröberen Schlägerei blieben von der Polizei aber unbestätigt.

Rund 1700 Hells Angels hatten bereits bis Freitagmittag am Freizeitzentrum Schwarzl See in Unterpremstätten bei Graz eingecheckt. Laut einem deutschen Szenepolizisten ist die gefürchtete "Creme de la creme" darunter: "Da sind hoch kriminelle Herrschaften eingetroffen", darunter auch einige Mörder und Messerstecher. Österreich sei sogar extra als Ziel ausgesucht worden, weil die Polizei hier bisher keine Erfahrung mit der Gruppe habe und zu unerfahren dafür sei.

Laut steirischer Exekutive wurde ein 46-jähriger Rocker aus Deutschland verhaftet, nach ihm wurde in der Schweiz gefahndet. Details wollte die Polizei nicht nennen.

3000 Rocker

Etwa 3000 Hells Angels dürften bis zum Ende der "World Runs" kommen, wie ein ranghohes Mitglied dem KURIER bestätigte. Das Treffen dauert noch bis Sonntag. 6000 bis 10.000 Übernachtungen dürften es werden, schätzen die Tourismusbüros. Doch die Rocker sind verschwiegen. Nur zwei Vorarlberger sind zu einer Stellungnahme bereit: "Unser Treffen ist wie ein Betriebsausflug. "Essen, trinken, reden, tanzen, Motorrad fahren." Was in Deutschland vorgefallen sei, interessiere sie nicht.

So gesittet verhalten sich nicht alle Höllenengel. In Kalsdorf bei Graz bekam das Donnerstagnacht ein Gastwirt schmerzlich zu spüren: Der 48-Jährige wurde von einem Motorradfahrer mit einem Kopfstoß niedergestreckt, dabei brach das Nasenbein. Er wollte einen Streit schlichten, der sich zwischen sieben Hells Angels und einem Porschefahrer entsponnen hatte : Der 44-jähriger Lenker hatte unabsichtlich eine Harley umgestoßen. Daraufhin umringten ihn die Biker, der verängstigte Steirer sperrte sich im Wagen ein. Als der Wirt eingreifen wollte, wurde er niedergestoßen. Der Deutsche wurde angezeigt.

Bordell "zerlegt"

Heftig ging es auch in einem Bordell in Graz-Straßgang zu. Neun nicht-deutschsprachige Hells Angels "haben die Einrichtung zerlegt", schildert ein Bekannter des Betreibers : Zertrümmerte Spiegel, kaputte Computer, eine Statue, die aus dem zweiten Stock geworfen wurde, 50 Kilogramm schwere Barhocker, die hinter den Tresen geschleudert wurden.

"Zum Glück ist den Mädchen nichts passiert", betont der Mann und ärgert sich, dass die Polizei erst nach dem zweiten Anruf gekommen sei. Den Schaden schätzt er auf 40.000 Euro. Ausgelöst worden sei das Treiben wegen des Streits um eine 200-€-Rechnung.

Das kommentieren die beiden Hells Angels trocken: "Manche Leute schauen auch, wie wie sie gehen müssen, um einen Hells Angel zu reizen. Aber wenn dann einer zuschlägt, dann richtig."

Nachgefragt: "Ein hohes Gewaltpotenzial"

Der steirische Sicherheitsdirektor Josef Klamminger leitet den Polizeieinsatzstab während des „World Run“ der Hells Angels in Graz.

KURIER: Erste Schwierigkeiten gab es schon. Hat die Exekutive dennoch alles im Griff?
Klamminger: Gegenwärtig ist die Situation so, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir haben solche Ereignisse erwartet, leider. Ein hohes Gewaltpotenzial ist bei dieser Vereinigung zugegeben da und eine geringe Reizschwelle.

Waren die Sicherheitsbehörden im Vorfeld bei der Einschätzung der Lage zu optimistisch?
Nein, wir haben uns seit Monaten auf alles vorbereitet. Wir sind weder optimistisch noch pessimistisch. Aber die Problematik ist die: Man macht eine Gefährdungseinschätzung, muss sich aber dann der Lage anpassen. Wir müssen ständig schauen, wo bewegen sich die Mitglieder, wie ist ihr Radius.

Wie viele Polizisten sind im Einsatz? Werden die Polizeikräfte nun verstärkt?
Wie viele Beamte eingesetzt werden, geben wir öffentlich nicht bekannt. Aber wir haben genug Kräfte. Wir versuchen, uns jeden Tag den Hells Angels anzupassen, und zu schauen, ob wir das Einsatzkalkül verändern müssen.

 

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